Lieb & Teuer

Sonntag, 29. November 2020, 16:00 bis 16:30 Uhr
Montag, 30. November 2020, 06:50 bis 07:20 Uhr

Janin Ullmann lädt Zuschauerinnen und Zuschauer ein, ihre Familien- und Sammlerstücke ausgewählten Kunstexperten vorzustellen. Diese begutachten und bewerten die Objekte. Dabei können sich unscheinbare Dinge als wahrer Schatz entpuppen.

Die vorgestellten Objekte:

Silberkanne mit Rechaud aus Sterling-Silber

Silberkanne mit Rechaud © NDR
Sterling-Silber ist eine Legierung, die zu 92,5 Prozent aus Silber besteht. Der Name leitet sich vom britischen Pfund Sterling ab.

Die große und schwere Silberkanne steht auf einem Rechaud in dem ein Brenner Platz gefunden hatte. In der Kanne wurde das Wasser heiß gehalten, eine Tasse mit Tee-Extrakt wurde mit dem Wasser aufgefüllt. Kanne und Untergestell sind mit einem Scharnier verbunden, so dass die Kanne gekippt und nicht angehoben werden konnte. Die Punzen besagen, dass das Ensemble aus Sterling-Silber ist, entstanden 1890 (Jahresbuchstabe "P") in London und das Herstellerzeichen von Gibson & Langman. Deren Zeichen ist jedoch mit der Marke DWJW - Daniel & John Wellby - überschlagen worden. Womöglich ist die Kanne von der zweiten Geschäftsstelle verkauft worden.

Gemälde eines älteren Mannes im Lampenschein

Bild eines älteren Mannes im Lampenschein © NDR
Das Gemälde des älteren Mannes im Lampenschein könnte den Künstler Lothar Malskat selbst darstellen.

Der Maler Lothar Malskat (1913 - 1988) hat in seiner Anfangszeit berühmte und teure Maler wie Rembrandt van Rijn, Pablo Picasso und Max Liebermann gefälscht. Er war auch als Restaurator im Dom zu Schleswig und in der Lübecker Marienkirche tätig. Da die frühen Wandmalereien dort nicht zu retten waren, hat er sie selbst gemalt. Nach seiner Selbstanzeige und einer verbüßten Gefängnisstrafe war er in Lübeck als Maler tätig und hat mit seinem Namen signiert. Auch dieses Bild eines älteren Mannes im Lampenschein ist signiert und auf der Rückseite mit seinem Monogramm und der Jahreszahl 1966 versehen.

Deckelhumpen mit Löwen-Motiven

Deckelhumpen mit einem Löwen © NDR
Der Deckelhumpen stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Der Porzellanhumpen hat ein sehr farbenfrohes, plastisches umlaufendes Relief, das eine Löwenjagd zeigt - womöglich in Anlehnung an die Geschichte des assyrischen Königs Assurbanipal. Die Marke "N" mit Krone steht ursprünglich für die Manufaktur Capodimonte bei Neapel, aber die sieben Zacken der Krone verweisen eher auf den Hersteller Doccia (Ginori), der Modelle von Capodimonte aufgekauft hatte. Die "N-Marke" wurde von zahlreichen Manufakturen, auch in Thüringen, verwendet.

Schale und Kännchen aus Bauernsilber

Schale und Kännchen aus Bauernsilber © NDR
Die Schale und das Kännchen stammen vermutlich aus Böhmen und wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gefertigt.

Die beiden silberfarbenen Teile sind eigentlich aus doppelwandigem Glas. In den Zwischenraum wurde eine silbernitrathaltige Lösung eingeführt, die sich auf die Innenwandung setzte und nach außen den metallischen Eindruck erzeugte. Dann wurden verschiedene Dekore mit Emaillefarbe aufgetragen. Solche Teile waren ein preiswerter Ersatz für Tafelsilber und wurden deshalb als "Bauernsilber" bezeichnet.

Redaktion
Marina Bartsch-Rüdiger
Moderation
Janin Ullmann
Produktionsleiter/in
Anja Reingold
Redaktionsleiter/in
Christoph Bungartz