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Russland auf Spitzbergen

Donnerstag, 12. Juli 2018, 21:00 bis 21:45 Uhr

Blick auf den Hafen von Barentsburg.

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Die Siedlung Barentsburg wurde einst als Idealbild der sowjetischen Utopie gebaut. Heute ist sie eine russische Enklave im norwegisch verwalteten Spitzbergen. Nur knapp 500 Menschen leben noch dort.

Ein gesellschaftlicher Mikrokosmos

Das Ende des Kohleabbaus ist absehbar. Barentsburg ist ein gesellschaftlicher Mikrokosmos, der bis heute von der sozialen Utopie gezeichnet ist, aus der er einst entstanden ist. Die "Stadt", die sogar über ein russisches Konsulat verfügt, wird von einem staatlichen russischen Bergbauunternehmen verwaltet, dessen Sitz in Moskau liegt und dessen nächste Niederlassung sich in Murmansk befindet.

Wie sämtliche Siedlungen Spitzbergens untersteht Barentsburg der Gesetzgebung Norwegens. Alle Aspekte des alltäglichen Lebens werden de facto aber von der eigenen Verwaltung bestimmt: Nahrungsversorgung, Unterbringung, Sport- und Freizeitaktivitäten, Gesundheitswesen, Bildung und Sicherheit.

Wie lebt es sich als Russe in Spitzbergen?

Nach dem Ende der Sowjetzeit setzte der wirtschaftliche Abstieg ein. Trotzdem profitieren die Bewohner von Barentsburg bis jetzt von Überresten der alten Organisation des kollektiven Daseins. In leicht verwässerter Form. Sie versuchen, sich das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten, vor allem in den langen Monaten, in denen sie in einem Meer aus Eis fast völlig autark leben müssen.

In eine neue Zukunft

Im Sommer legen dagegen Touristenschiffe für etwa einstündige Besuche im kleinen Hafen an. Die Bewohnerinnen haben für die Gäste ein kurzes Showprogramm einstudiert, um ihnen ein bisschen "russische Seele" zu bieten. Und das Bergbauunternehmen renovierte angesichts des kleinen "Tourismusbooms" das örtliche Hotel, in der Hoffnung, die touristischen Aktivitäten noch zu verstärken.

Barentsburg spiegelt noch jetzt den Sturz einer Gesellschaft wider, die voller Optimismus war, alle sozialen Widersprüche überwinden und sogar das All erobern wollte, und dafür alle Ressourcen von Natur und Technik nutzte. Doch es spiegelt heute auch den Kampf seiner Bewohner wider, ihre Gemeinschaft am Leben zu erhalten und sich eine neue Zukunft zu erfinden.

Autor/in
Julien Sallé
Kamera
Julien Sallé
Ton
Olivier Dandré
Schnitt
Elodie Brolliard
Roland Musolff
Producer
Marie Gutmann
Produktionsleiter/in
Daniel Buresch
Redaktion
Wolf Lengwenus
Quibeldey, Ralf