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Der Ladogasee - Ein russischer Wintertraum

Samstag, 04. Januar 2020, 13:45 bis 14:30 Uhr

Der Ladogasee hoch im Norden Russlands ist der größte See Europas, fast 40 Mal so groß wie der Bodensee. Er ist Rückzugsort reicher Russen, kleiner Datschenbesitzer und Schauplatz winterlicher Vergnügungen.

Ein russischer Schicksalsort

Im Zweiten Weltkrieg wurde im Winter der zugefrorene Ladogasee zur Straße des Lebens für das belagerte Leningrad. Die 96-jährige Vera Rogowa erinnert sich, wie sie als junge Partisanin in Filzstiefeln und Wattejacke auf dem Ladogasee im Einsatz war. Unter heftigem Beschuss leitete sie Lkw über die Eisstraße des Sees, der einzige Ausweg während der 900 Tage dauernden Belagerung. Über den Ladogasee wurden Kinder aus der Stadt gerettet und Lebensmittel zu den ausgehungerten Menschen gebracht.

Der Belagerungsring rund um Leningrad im zweiten Weltkrieg war am Ladogasee unterbrochen. © NDR/Seelmannfilm GmbH/Rita Knobel-Ulrich
Der Belagerungsring rund um Leningrad im zweiten Weltkrieg war am Ladogasee unterbrochen.

Heutzutage stapfen Eisfischer mit Bohrern bewaffnet über den zugefrorenen See und warten bei Eiseskälte stundenlang geduldig darauf, dass die Fische anbeißen. Profifischer fahren mit Schneemobilen weit hinaus auf den See und fischen mit Netzen unterm Eis. Ganz ungefährlich ist das nicht, denn der Ladogasee friert unregelmäßig zu. Die breiten offenen Rinnen sind schwer zu entdecken. In ihnen können Schneemobile und Autos, wenn sie unter Wasser geraten, auf Nimmerwiedersehen verschwinden. An einigen Stellen ist der See bis zu 500 Meter tief.

Leben von der Natur

Viele kleine Datschen stehen im Winter verlassen und eingeschneit am Ladogasee, doch die edlen, schwer bewachten Villen reicher Russen sind für Businessmen auch dann erholsamer Rückzugsort.

Teetrinken und Singen: die karelische Minderheit hängt an ihren Traditionen. © NDR/Seelmannfilm GmbH/Rita Knobel-Ulrich
Teetrinken und Singen: die karelische Minderheit hängt an ihren Traditionen.

Mitten im Ladogasee liegt auf einer Insel das Kloster Konevez. 20 Mönche leben dort in völliger Stille und Einsamkeit. Im Winter, wenn Stürme tosen und der See noch nicht ganz zugefroren ist, sind sie von der Welt abgeschieden. Dann müssen sie von ihrer kleinen Landwirtschaft leben und hoffen, dass das Eis bald dick genug ist, um Nachschub an Mehl und Gemüse über den See zu transportieren.

Die reichen "Datschniki" haben solche Probleme nicht. Sie heizen, schlagen sich mit Birkenzweigen, bis sie rot sind wie ein Krebs, und stürzen sich dann in den Schnee am Seeufer, um anschließend mit Schampanskoje nachzuspülen. Ein russischer Wintertraum eben.

Autor/in
Rita Knobel-Ulrich
Kamera
Michael Donnerhak
Schnitt
Nico Sandhof
Sprecher/in
Ulla Evrahr
Wolfgang Kaven
Gabriele Libbach
Dilara Schröder
Produktionsleiter/in
Eva-Maria Wittke
Redaktion
Ralf Fronz
Ute Beutler
Wolf Lengwenus