Kulturjournal

Montag, 21. Oktober 2019, 22:45 bis 23:15 Uhr
Freitag, 25. Oktober 2019, 02:00 bis 02:30 Uhr

Die Stimme der Opfer rassistischer Gewalt - "Der zweite Anschlag" auf dem Filmfest Osnabrück

Mölln, Rostock-Lichtenhagen, die NSU-Morde - rechtsextreme Anschläge gab es schon lange vor Halle, auch wenn sich jetzt einige überrascht geben. Der Umgang mit den Opfern und Überlebenden zeigt, wie sehr die deutsche Gesellschaft über Jahrzehnte das Problem rassistischer Gewalt verdrängte. Mala Reinhardt hat für ihre Dokumentation "Der zweite Anschlag" mit Angehörigen und Überlebenden dieser Anschläge gesprochen. Sie berichten von traumatischen Erfahrungen durch Ausgrenzung, Verharmlosung, teilweise sogar Verfolgung und Ablehnung - obwohl sie die Opfer sind. Das Kulturjournal spricht mit der Regisseurin, die ihren so leisen wie intensiven Film auf dem Filmfest in Osnabrück präsentiert. (Weitere Termine 8.11. Bremen, 15.11. Hamburg)

Das langweiligste Hörbuch der Welt: Bjarne Mädel liest uns in den Schlaf

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Bjarne Mädel liest uns in den Schlaf

Wenn Schäfchen zählen nicht funktioniert, dann hilft Schauspieler Bjarne Mädel: Mit "Na dann gute Nacht!", dem langweiligsten Hörbuch der Welt, will er uns in den Schlaf lesen. Video (05:06 min)

Wenn Schäfchen zählen nicht funktioniert, dann hilft Schauspieler Bjarne Mädel: Mit dem Hörbuch "Na dann gute Nacht!" will er uns behutsam in den Schlaf lesen. Schon die Überschriften der einzelnen Titel versprechen einschläfernde Komik: "Wissenswertes über Kreisverkehre", "Wie viele Erbsen enthält eine Schote", "Saure Gurken: ein Weltalmanach" oder "Globale Postleitzahlen: ein Auszug". Wer da doch noch schlaflos bleibt, bekommt als Entschädigung absurde Unterhaltung und unnützes Wissen. Die Texte des Hörbuchs stammen aus einem Band mit dem vielversprechenden Titel "Das langweiligste Buch der Welt" (Atlantik). Das Kulturjournal trifft Bjarne Mädel zum gar nicht langweiligen Interview - natürlich in einem Bett.

Ganz anders als man denkt: Voodoo im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim

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Voodoo: Alles andere als bizarrer Kult

Mit Nadeln gespickte Püppchen und furchteinflößende Rituale. Das verbinden wohl die meisten mit Voodoo. Dabei ist Voodoo eine der ältesten Religionen - und eine friedfertige obendrein. Video (04:28 min)

Mit Nadeln gespickte Püppchen, Hühnerblut und merkwürdige, furchteinflößende Rituale - das verbinden wohl die meisten mit Voodoo. Dabei ist Voodoo eine der ältesten Religionen der Welt, heute hängen etwa 60 Millionen Anhänger dieser Naturreligion an - auch bei uns gibt es Gläubige. Das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim will jetzt erstmals umfassend über diese an sich friedfertige Religion informieren (19.10.2019 - 17.05.2020). Über 2.000 Objekte sind zu sehen, so auch ein Altar, an dem jeden Freitag ein Gläubiger ein Opfer bringt und danach seinen Lottoschein ausfüllt. Mit Erfolg: Er gewinnt angeblich jede Woche. Zufall oder doch religiöse Fügung? Das Kulturjournal versucht, dem Geheimnis dieser Religion auf den Grund zu gehen.

Preisgekrönter Roman: "Winterbienen" - Wilhelm-Raabe-Literaturpreis für Norbert Scheuer

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Roman von Norbert Scheuer: "Winterbienen"

1944: Mit präparierten Bienenstöcken verhilft ein Imker Juden zur Flucht. In seinem Buch "Winterbienen" verbindet Norbert Scheuer die Welt im Bienenstock mit den Schrecken des Weltkriegs. Video (02:57 min)

Am Himmel fliegen die feindlichen Bomber, auf den Wiesen summen die Bienen. Der Schriftsteller Norbert Scheuer verbindet literarisch elegant die kleine geordnete Welt im Bienenstock und die große chaotische Welt in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs. In seinem Roman "Winterbienen" geht es um einen Imker, der wegen seiner Epilepsie nicht an die Front muss. Mit seinen Bienen versucht er sich selbst durch den Krieg zu retten - und er rettet Juden, die er heimlich über die Grenze schleust. Sein Leben gerät immer mehr in Gefahr, denn ihm fehlen die nötigen Medikamente, er geht eine gefährliche Affäre ein, und er wird denunziert. Nobert Schauer stand mit seinem Roman auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, jetzt bekommt er den renommierten Wilhelm Raabe-Literaturpreis der Stadt Braunschweig (Lesung am 2. November, Verleihung am 3. November). Die Jury feiert ihn als "einzigartigen realistischen Erzähler unserer Zeit".

Gefeierter Virtuose und politischer Mensch: Der Pianist Igor Levit

Unzählige "Tage und Nächte und Wochen und Jahre" hat er mit Beethovens Klaviersonaten verbracht. "Das ist einfach in Musik gesetztes Leben, in Musik geschriebene Liebe, in Musik gesetztes Glück", sagt Igor Levit. Jetzt hat der Starpianist alle 32 Sonaten eingespielt. Sie gehören mit zum Anspruchsvollsten in der Klavierliteratur. Aber Herausforderungen hat Igor Levit noch nie gescheut. Auch wenn es um Politik geht, ergreift er das Wort: gegen Rassismus und Ausgrenzung, für Toleranz und Weltoffenheit. Das Kulturjournal über einen Musiker, der sich einmischt. 

Der Deutsche Buchpreis bei "Der Norden liest" - Saša Stanišić in Reinbek

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"Literatur sollte keine neue Wirklichkeit kreieren"

Bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises hat Saša Stanišić den Literaturnobelpreis für Peter Handke kritisiert. Im Interview nimmt er Stellung dazu und spricht über sein Buch "Herkunft". mehr

Gerade hat Saša Stanišić den begehrten Deutschen Buchpreis für seinen Roman "Herkunft" bekommen, jetzt liest er in der Kulturjournal-Reihe "Der Norden liest", am 22. Oktober in Reinbek. Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad im damaligen Jugoslawien geboren, lebt seit 1992 in Deutschland und inzwischen in Hamburg. In seinem Buch "Herkunft" reist er in seine alte Heimat, erzählt vom Jugoslawien-Krieg und vom Ankommen als Flüchtling in der Bundesrepublik. Er begibt sich auf die Spur seiner Ahnen und schreibt ganz persönlich über das Sterben seiner Großmutter. Doch Stanišić ist kein braver Chronist, er spielt mit Sprache und Erzählung - ohne die politische Geschichte zu leugnen. In der Begründung der Jury zum Deutschen Buchpreis heißt es: "Saša Stanišić ist ein so guter Erzähler, dass er sogar dem Erzählen misstraut.  (...) Der Autor adelt die Leser mit seiner großen Fantasie und entlässt sie aus den Konventionen der Chronologie, des Realismus und der formalen Eindeutigkeit".

Wahr. Schön. Gut. - Julia Westlake kommentiert die Kulturwoche

Wer hat uns besonders aufgeregt? Was hat uns amüsiert? Und wo lauert die nächste Gefahr für Kunst, Kultur und Gesellschaft? Julia Westlake kommentiert den kulturellen Aufreger der Woche. Sie sucht das Wahre, Schöne, Gute und findet oft das Gegenteil.

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Wahr. Schön. Gut. - Kurzkultur mit Meinung!

Julia Westlake kritisiert das aktuelle Kulturgeschehen: Mini-Verrisse über skurrile Abgründe der menschlichen Schaffenskraft - jeden Montag neu. mehr

Redaktionsleiter/in
Christoph Bungartz
Produktionsleiter/in
Katja Theile
Moderation
Julia Westlake