Kulturjournal

Montag, 10. Mai 2021, 23:00 bis 23:30 Uhr
Freitag, 14. Mai 2021, 01:40 bis 02:10 Uhr

Nie mehr leise: Frauen gegen Rassismus und Sexismus in der Kultur

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Pegah Ferydoni © NDR Fernsehen/Kulturjournal

"Nie mehr leise": Für mehr Sichtbarkeit und Vielfalt in der Kultur

Fünf Frauen aus der Kulturbranche sprechen über strukturelle Diskriminierung in ihren Berufen und ihre Lösungsvorschläge. mehr

Die deutsche Kulturbranche ist sehr weiß, sehr männlich, und nicht besonders divers. Man braucht nur in die Verlagsvorschauen, in die Museen, oder in die Programme von Musikfestivals schauen, um das zu erkennen. Frauen, die als nicht weiß, deutsch, oder westlich wahrgenommen werden, müssen doppelt hart kämpfen, um sich in der Kulturszene zu behaupten. Die Schauspielerin Pegah Ferydoni wurde mit ihrer Rolle in der Comedy-Serie "Türkisch für Anfänger" bekannt, sie ist als Film- und Fernsehschauspielerin erfolgreich und engagiert sich gegen Diskriminierung. Ihre Forderung: Eine Diversitätsquote für die Filmbranche. Die Musikerin Celina Bostic hat mit ihrem Song "Nie wieder leise" eine Hymne für Schwarze Menschen und People of Color geschrieben. Die Schriftstellerin Mithu Sanyal hat mit dem Roman "Identitty" gerade einen Bestseller über Identitätspolitik gelandet. Sie hat Perspektiven wie ihre eigene in der deutschen Literatur lange vermisst. Für die Journalistin Şeyda Kurt, die in ihren Artikeln gegen das Patriarchat und den Rassismus anschreibt, gehört die mangelnde Repräsentation nichtweißer Minderheiten in der Kultur zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem. Ihr gerade erschienenes Buch "Radikale Zärtlichkeit - Warum Liebe politisch ist", ist eine Art Anleitung, eine gerechtere Gesellschaft zu gestalten und damit im Privaten zu beginnen.  Die Künstlerin Moshtari Hilal positioniert sich in ihren Zeichnungen gegen westlich geprägte Schönheitsideale und will mitbestimmen, wie in Deutschland gesellschaftliche Debatten geführt werden. In einem Instagram-Livetalk prägte sie kürzlich den Begriff "Nazihintergrund" als Gegenstück zum "Migrationshintergrund" mit - und löste damit eine heftige Debatte aus. Das Kulturjournal porträtiert fünf Kulturfrauen, die für mehr Sichtbarkeit kämpfen.

Zurück zur Natur: Der Filmemacher Jan Haft

Große Reisen in die weite Welt sind wegen Corona seit über einem Jahr kaum oder gar nicht möglich. Doch wer spannende Natur entdecken will, der kann das auch vor der eigenen Haustür tun, so Filmemacher Jan Haft. Ob Wattenmeer, Wald, Heide oder Mittelgebirge: Die heimische Natur bietet einen Reichtum an Landschaften, Pflanzen, Tieren. Mit einem neuen Buch und einem Dokumentarfilm will Jan Haft unseren Blick auf diese faszinierende ökologische Vielfalt lenken, aber auch auf ihre Bedrohung durch uns Menschen. Das Buch "Heimat Natur" ist eine Reise von den Alpen an die Küste, mit Exkursen zu seltenen Tierarten und kaum bekannten Phänomen wie den "Zombiebäumen". Der gleichnamige Dokumentarfilm soll am 15. Juli ins Kino kommen.

"A Black Jesus": Beeindruckender Dokumentarfilm über Vorurteile und Ausgrenzung

Im Dorf Siculiana auf Sizilien hängt in einer Kirche eine schwarze Jesus-Figur. Es gibt hier auch ein Flüchtlingszentrum mit vielen schwarzen Migranten. "Das Komische ist, dass die Einheimischen keine Schwarzen mögen, aber sie lieben diesen schwarzen Jesus. Sie lieben ein schwarzes Stück Holz, aber keine Schwarzen aus Fleisch und Blut," heißt es im Dokumentarfilm "A Black Jesus" von Regisseur Luca Lucchesi, dessen Vater aus Siculiana stammt. Der 19-jährige Edward aus Ghana, Bewohner des Flüchtlingszentrums, bittet darum, gemeinsam mit den Einheimischen die Jesus-Statue in der großen jährlichen Prozession durch den Ort tragen zu dürfen, die an den Leidensweg Christi erinnert. Der Film zieht die Parallele zum Leidensweg der Asylsuchenden, zeigt die Widersprüche im Dorf, stellvertretend für die in der Gesellschaft (Digitaler Filmstart 20. Mai).

Redaktionsleiter/in
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Moderation
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Produktionsleiter/in
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