Stand: 06.02.2018 13:15 Uhr

Flockes letzte Reise ist sein erster Urlaub

von Lara Straatmann

"Wenn ich sterbe, begrabt mich auf St. Pauli. Hier ist Leben. Hier gehöre ich hin," singt Günther Neumann genannt "Flocke". Der St.-Pauli-Fan und ehemalige Hafenarbeiter ist schwer krank. Er hat Krebs - mittlerweile im Darm und in der Blase. Bald steht eine Chemotherapie an, vor der Günther große Angst hat. Der 62-Jährige blickt auf ein tragisches Leben zurück. Ein Leben voller Rückschläge, Enttäuschungen und Verluste. Wer ihm zuhört, fragt sich, wie viel ein Mensch aushalten kann, ehe er daran zerbricht. Flocke tut es nicht. Er singt einfach und verschafft seiner Seele Luft. "Ich singe gegen meine Angst an. Musik ist für mich Balsam, Medizin - sie lässt mich meine Krankheit vergessen," meint er. 

Günther Neumann alias "Flocke" genießt seine Zeit auf Helgoland.

Flockes letzte Reise

Hamburg Journal 18.00 -

Günther Neumann ist krebskrank und bekommt einen Herzenswunsch erfüllt. Ein Unbekannter Spender hat ihm diesen erfüllt. Mit dem Flieger geht es auf die Nordseeinsel Helogoland.

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Einmal nach Helgoland

Wie wohl jeder, so hat auch Flocke unerfüllte Wünsche. Mit seiner Frau Hannelore, die inzwischen verstorben ist, wollte er immer nach Helgoland. Als Jugendlicher sei er mal am Meer gewesen, aber sonst habe er eigentlich noch nie Urlaub gemacht, erinnert er sich. "Ich möchte noch einmal ans Meer und wünsche mir, den Traum von Hannelore und mir zu erfüllen," erklärt er. Diesen Wunsch hat sein Freund und Nachbar Christian Baum in den sozialen Medien verbreitet. Ein Helgoländer St.-Pauli-Fan hat davon Wind bekommen und hat Flocke, dank guter Kontakte, die Reise nach Helgoland organisiert, inklusive Flug und Übernachtung im Vier-Sterne-Hotel. "Ich bin total gerührt, dass jemand so etwas für mich macht. Das habe ich noch nie erlebt," freut sich Günther Wochen vor der Reise.

Dem Himmel ganz nah

Im Januar ist es dann so weit: Mit einer kleinen Maschine fliegen Günther Neumann und Christian Baum von Cuxhaven in Richtung der Nordseeinsel. Beim Anblick des Fliegers ist Günther außer sich: "Wow! Jetzt geht es los! Machen wir noch einen Looping, ja?", lacht er. Der Himmel ist klar und die Sicht könnte nicht besser sein. "Diese Bilder werde ich immer im Kopf behalten. Die werde ich mit zurück nach Hamburg nehmen," meint Günther Neumann. Nach der Landung geht es auf die Robbeninsel. Fasziniert und bewegt schaut Flocke den Tieren zu und meint: "Ich finde das großartig hier, das tut gut. Man lebt hier förmlich auf." 

Flockes letzte Reise nach Helgoland

Musikalischer Abschluss seiner letzten Reise

Die Lange Anna, der 47 Meter hohe Brandungspfeiler und Wahrzeichen der Insel, hat Günther bislang nur auf Fotos gesehen. Als die Sonne untergeht, stehen die beiden vor dem einsamen Felsen im Meer und Flocke holt seine St.-Pauli-Fahne heraus. "St. Pauli" ruft Flocke gegen den Wind und meint: "Es ist meine letzte Reise. Ich weiß nicht, ob ich so etwas Schönes noch einmal erlebe." Am Abend sind Günther Flocke und Christian Baum in einer der Helgoländer Kneipen, denn Flocke soll einmal seinen St.-Pauli-Song für die Helgoländer singen. Darum lässt sich der St. Paulianer von Herzen nicht zweimal bitten und singt mit Inbrunst: "Wenn ich sterbe, begrab mich auf St. Pauli."

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal 18.00 | 06.02.2018 | 18:00 Uhr