Stand: 06.07.2020 13:39 Uhr

Mögliche Öffnung der Dove-Elbe: Anwohner in Sorge

Die Dove Elbe
Noch gibt es keine Festlegung auf die Öffnung der Dove Elbe, doch Anwohnende fürchten, es würden Fakten geschaffen.

Eigentlich wollte Dirk Barthel längst ausgezogen sein - das Haus am Allermöher Deich war ganz offiziell verkauft. Dachte er jedenfalls. "Ich habe einen Notarvertrag unterschrieben, zusammen mit dem Käufer und es war alles super und wir haben das gefeiert. Und etwa zwei Wochen später kam dann von der LIG, also von der Liegenschaftslandesgesellschaft ein ganz freundlicher Anruf, wo man mir mitteilte, dass man doch das Vorkaufsrecht prüfe".

Viele Häuser am Deich gebaut

Wie das Haus von Dirk Barthel sind an der Dove Elbe zahlreiche Häuser am oder in den Deich gebaut. Die Umweltbehörde sagt dazu: "In den kommenden 100 Jahren nutzt die Stadt aber das ihm gesetzlich zustehende Instrument des Vorkaufsrechts konsequent, um die erforderlichen Flächen zur Sicherstellung des Hochwasserschutzes nach Deichordnung auch an der zweiten Deichlinie gewährleisten zu können. Eine Sensibilisierung der Bevölkerung (…) ist bereits heute im Interesse des Hochwasserschutzes."

Ein umstrittenes Projekt

Pläne für 100 Jahre, nachdem 100 Jahre rein gar nichts passiert ist. Kürzlich sind sogar neue Häuser gebaut worden. Überhaupt: Es ist nur die zweite Deichlinie, die Dove Elbe hat hier gar keinen Tidenhub. Aber genau könnte sich ändern. Denn um die immer dramatische Tide der vertieften Elbe zu mildern, soll die Dove-Elbe wieder an den Hauptstrom angeschlossen werden, durch ein Sperrwerk an der Tatenberger Schleuse und eine Schleuse an der Kirchenbrücke. Und genau da steht das Haus von Dirk Barthel. Seine Vermutung: Durch den Aufkauf der Immobilien sollen Fakten geschaffen werden. Denn offiziell wird das umstrittene Projekt derzeit lediglich geprüft.

Nabu fordert sachgerechte Entscheidung

Gibt es also eine behördliche oder politische Festlegung auf die Öffnung der Dove Elbe? Selbst der Nabu, als Umweltverband beteiligt, möchte eine sachgerechte Entscheidung. "Unser Ziel ist, dass am Ende eine Entscheidung aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse getroffen werden kann. Und nicht nach dem Kriterium, wer hat wo die besseren Verbindungen ins Rathaus. Und dafür ist es nötig, dass die Anliegen der Anlieger eingebracht werden", sagt Alexander Porschke vom Nabu.

Sorge um ein besonderes Biotop

Ein Sperrwerk, hunderte Meter Spundwände, Baumaßnahmen für mehr als 200 Millionen Euro. Dirk Barthel glaubt, dass dies das Aus für ein besonderes Biotop wäre. "Es ist grausig, es ist einfach nicht vorstellbar." Und es sei sicher nicht tragbar, hier Spundwände zu bauen und zu sagen, das sei ökologisch sinnvoll. "Das kann ich mir nicht vorstellen", so Barthel. Die tatsächlichen Fakten, was zur Zähmung der Elbeflut sinnvoll ist, sollen im September vorgestellt werden.

Weitere Informationen
Zwei Pferde auf einer Koppel am Ufer der Dove Elbe. © Laura Schneider/ NDR 90,3 Foto: Laura Schneider

Unterwegs auf Hamburgs anderer Elbe

Durch Hamburgs Vierlande schlängelt sich ein idyllisches Gewässer: die Dove Elbe. Sie führt vorbei an Bauernhäusern, Wiesen und Feldern - ein Paradies für Paddler und Angler. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 05.07.2020 | 19:30 Uhr

JETZT IM NDR FERNSEHEN

Tatort 01:15 bis 02:45 Uhr