Stand: 09.08.2013 12:21 Uhr

Prellt Ballonfahrt-Anbieter seine Kunden?

von Marie-Caroline Chlebosch
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Der Anbieter Phönixballooning versetzt seit Jahren Käufer von Ballonfahrten.

Einmal eine Ballonfahrt machen: sich schwerelos fühlen, wenn Häuser und Bäume unter einem winzig klein werden. Als Sibylle Grasshof im März 2011 auf den Button "Online buchen" des Anbieters Phönixballooning klickt, erfüllt sie ihrem Lebensgefährten seinen größten Wunsch. Zumindest glaubt sie das. Die ganze Familie legt zusammen, um den Preis von 385 Euro zu bezahlen. "Mein Lebensgefährte hatte Tränen in den Augen bei diesem Geschenk. Zusätzlich sollte das noch zu unserem Jahrestag ein besonderes Ereignis werden. Wir wollten unser erstes gemeinsames Jahr damit abschließen", erinnert sie sich. 

Absagen immer kurz vor dem Start

Mehr als zwei Jahre ist das nun her. Die Rechnung ist längst bezahlt, aber die Leistung - eine romantische Ballonfahrt über Hannover - wurde nie erbracht. Insgesamt fünf Termine sagt Phönixballooning ab. Immer kurz vor dem Start. Immer per SMS und immer aus Wettergründen. An manchen Tagen schaut Grasshof dann in den Himmel über Hannover und entdeckt die Heißluftballone anderer Anbieter. Wieder vereinbart sie einen neuen Termin. Vergeblich.

Sibylle Grasshof ist nur eine von vielen Kunden in Niedersachsen, die bei Phönixballooning eine Ballonfahrt teuer bezahlt, aber keine erhalten haben. Das Unternehmen bietet auf den Internetseiten phoenixballooning.de, ballonfahrten.de und phoenix-ballooning.de Heißluftballonfahrten über ganz Niedersachsen an. Bis heute. Die Seiten sind ansprechend. Die Werbung verspricht Sicherheit und Kompetenz: "Als professionelles Luftfahrtunternehmen sind die Vorlaufzeiten bei uns kurz, und es gibt keine Wartelisten" und "Bei Phönixballooning fahren Sie selbstverständlich mit einem genehmigten Luftfahrtunternehmen. Wir setzen Maßstäbe im Bereich Organisation und Sicherheit", steht dort.

Keine gültige Betriebsgenehmigung

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Täglich werden Tickets verkauft, obwohl die Betriebsgenehmigung fehlt.

Recherchen von Hallo Niedersachsen ergeben ein anderes Bild: Seit September 2010 hat die Heide und Hanse Luftfahrt GmbH, zu der auch Phönixballooning gehört, keine gültige Betriebsgenehmigung mehr. Die Landesluftfahrtbehörde Wolfenbüttel hatte die Genehmigung widerrufen. "Grund dafür war, dass es einen schweren Zwischenfall gegeben hatte, anlässlich eines Unfalls mit vielen schwer verletzten Personen. In diesem Zusammenhang haben sich einige Ungereimtheiten für uns zusammengetan. Aufgrund dieser Tatsache konnten wir auf gar keinen Fall einer weiteren Genehmigung zustimmen", bestätigt Thomas Schüttoff von der Landesluftfahrtbehörde. 13 Menschen wurden bei dem Unfall in Abbesbüttel zum Teil schwer verletzt. Der Pilot des Ballons hatte keine deutsche Fluglizenz. Die Heide und Hanse Luftfahrt GmbH klagt gegen den Widerruf der Genehmigung. Bisher ohne Erfolg. Bis heute hat das Unternehmen damit keine gültige Betriebsgenehmigung.

Geschäftsführer: Phönixballooning nur Vermittler

Trotzdem verkauft Phönixballooning weiter täglich Tickets. Hallo Niedersachsen hat den Geschäftsführer um eine Stellungnahme gebeten. Ein Interview bekommt die Redaktion nicht, nur eine schriftliche Antwort. Darin gibt der Geschäftsführer Karsten F. an: "Die Heide und Hanse Luftfahrt GmbH verkauft und vermittelt nur Ballonfahrten. Dafür benötigen wir keine Betriebsgenehmigung." Weiter gibt die Firma an, mit Kooperationsunternehmen zusammenzuarbeiten, die die Fahrten durchführen würden. Im Raum Hannover zum Beispiel fahre dafür exklusiv die Weser Flugcenter UG. Eine Unternehmensgesellschaft, die im Juni 2013 noch denselben Gesellschafter und Geschäftsführer hatte wie die Heide und Hanse Luftfahrt GmbH.

Erst im Juli 2013 bekommt die Weser Flugcenter UG eine gültige Betriebsgenehmigung von der Landesluftfahrtbehörde Bremen. Wie kann die Weser Flugcenter UG also bereits seit Langem für die Heide und Hanse Luftfahrt GmbH tätig sein? "Der Geschäftsführer der Weser Flugcenter UG führt bereits die ganze Saison hindurch Fahrten für uns durch", antwortet Karsten F. auf Anfrage der Redaktion. Die Saison beginnt im April.

Verfahren gegen Geschäftsführer laufen

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Geschäftsführer Karsten F. - hier im Korb des Ballons zu sehen - sagt, sein Unternehmen sei nur Vermittler nicht Durchführender.

Die Recherchen von Hallo Niedersachsen führen noch weiter: Es gibt Ungereimtheiten bei Startplätzen und Geschäftsbedingungen. Vor allem aber bei der Terminvergabe und den regelmäßigen Absagen der Ballonfahrten. Einige Kunden haben den Geschäftsführer Karsten F. bereits bei der Polizei angezeigt und die Heide und Hanse Luftfahrt GmbH auf Rückerstattung des Fahrpreises verklagt. Die meisten Verfahren laufen noch. Auch, weil der Geschäftsführer Karsten F. immer Rechtsmittel einlegte.

Wenn auch Sie weitere Informationen haben oder selbst betroffen sind, schreiben Sie eine Mail an: halloniedersachsen@ndr.de