DIE REPORTAGE

Rabenalarm im Norden - Von klugen Vögeln und genervten Menschen

Freitag, 29. März 2019, 21:15 bis 21:45 Uhr
Samstag, 30. März 2019, 08:30 bis 09:00 Uhr

Viele Raben auf einem Baum.

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Rabenvögel sind klug und schwer zu vertreiben. Saatkrähen gehören dazu ebenso wie Kolkraben. Die Stadt Elmshorn in Schleswig-Holstein hat seit Jahrzehnten ein Problem mit Saatkrähen. Dort gibt es ungefähr 1.000 Brutpaare. Morgens und abends in der Dämmerung sind die Vögel am lautesten. Richtig genervt sind viele Elmshorner aber erst, wenn die Saatkrähen im Frühjahr in großen Kolonien brüten. Denn dann machen die mitteilungsfreudigen Tiere den ganzen Tag über mit ihren Rufen den bekannten Krächzlärm. Zudem koten sie die Innenstadt voll.

Rabenvögel stehen unter Naturschutz

Die Vögel stehen unter Naturschutz. Der Versuch, sie aus den Städten oder von den Wiesen der Landwirte zu vertreiben, ist in der Vergangenheit regelmäßig gescheitert. Doch in diesem Jahr hat die Stadt Elmshorn mehr als 50.000 Euro Steuergelder bereitgestellt, um die Saatkrähen von besonderen Plätzen in der Stadt zu vertreiben.

Jörg Schmidt-Hilger vom Amt für Stadtentwicklung Elmshorn ist verantwortlich für das Thema Krähen. Bei ihm landen die Beschwerden von Bürgern, die der Meinung sind, man solle die Vögel "einfach abknallen".

Ein Großeinsatz ist geplant

Dieses Jahr hat er einen Großeinsatz geplant: Regelmäßig sollen die Nester zerstört werden, damit die Krähen erst gar nicht brüten können. Dazu soll eine Lautsprecheranlage installiert werden, aus der nachgeahmte Raubvögelgeräusche kommen, die die Krähen vertreiben sollen. Und dann soll auch noch der Jäger mit der Schreckschusspistole zum Einsatz kommen. Wird der Plan aufgehen?

Wie kann man die Rabenvögel in den Griff bekommen?

Auch Jutta von Kuick und Wolfgang Grimme sind genervt von den schwarzen Vögeln. Genauer gesagt von Kolkraben, den größeren Vertretern aus der Familie der Rabenvögel. Kuick und Grimme bewirtschaften einen Biohof auf Gut Wardow, Mecklenburg-Vorpommern. Hier halten sie auch eine große Schafherde mit mehr als 300 Tieren, die das ganze Jahr über draußen leben und dort auch ihre Lämmer zur Welt bringen sollen. So die Idee der Biolandwirte.

Attackieren die Vögel Lämmer?

Doch im vergangenen Jahr haben Kolkraben viele der gerade geborenen Lämmer attackiert und verstümmelt, berichten sie. Einige der Tiere sind verendet. Schlimme Bilder, die Jutta von Kuick nicht vergessen hat. In diesem Jahr wollen es die Biolandwirte besser machen und sich auf die "schwarzen Gesellen" vorbereiten, wie Wolfgang Grimme die männlichen, nicht brütenden Kolkraben nennt. Jutta von Kuick und Wolfgang Grimme haben dafür gesorgt, dass die Schafe erst ablammen, wenn das Wetter mild ist und einen Schäfer beauftragt, der tagsüber auf die Tiere aufpasst. Für nachts steht ein Herdenhund Wache. Werden diese Maßnahmen funktionieren und die Lämmer schützen?

Die Reportage begleitet die Protagonisten über mehrere Monate bei ihrem Versuch, die schwarzen Vögel in den Griff zu bekommen und dokumentiert das Ringen zwischen Mensch und Natur.

  • Kolkrabe (Corvus corax)

    Der Kolkrabe ist mit zahlreichen Unterarten der am meisten verbreitete Rabenvogel. Seine Flügelspannweite kann über 1,20 Meter betragen und er kann bis zu 1,5 Kilogramm schwer werden, also doppelt so groß wie eine Krähe.

    • Die Kolkraben haben fast alle Teile der Erde besiedelt.
    • Sie gehören zu den größten Singvögeln der Welt, singen allerdings nicht.
    • Raben sind sehr intelligent. Ihr Krächzen untereinander beispielsweise erfüllt, laut Forschern, die Kriterien einer eigenen Sprache.
    • Der Kolkrabe ist ein Allesfresser, er bevorzugt dennoch Aas.
    • In Gruppen nehmen es die Raben sogar mit Wölfen oder anderen Raubtieren auf, um ihnen die Beute abzunehmen.

    (Quelle: Jagdverband, Planet Wissen (Das Erste), NABU)

  • Saatkrähe (Corvus frugilegus)

    Saatkrähen sehen den Raben sehr ähnlich und werden schnell verwechselt. Doch sie sind schlanker und ihr Gefieder hat einen metallischen Glanz. Ihre Flügelspannweite beträgt durchschnittlich neunzig Zentimeter, sie sind also deutlich kleiner.

    • Saatkrähen sind Allesfresser und ernähren sich etwa zu gleichen Teilen von pflanzlicher und tierischer Nahrung.
    • Sie sind gesellige Vögel und leben in Kolonien.
    • In den Kolonien herrscht eine Hierarchie. Ältere Vögel haben meist Vorrechte gegenüber jüngeren.
    • Männchen und Weibchen schließen sich zu monogamen Dauerverbindungen zusammen.
    • In Deutschland brüten etwa zwischen 54.000 und 64.000 Brutpaare.

    (Quelle: NABU, 3sat, vogelundnatur.de)

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Weitere Informationen

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Autor/in (Drehbuch)
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke
Redaktion
Florian Müller