Stand: 24.02.2015 13:22 Uhr

Nur zehn Prozent sind weiblich

Oberleutnant Tina B. allein unter Männern. © NDR/Tina Behnke
Oberleutnant Tina B. allein unter Männern.

Seit dem 1. Januar 2001 steht die Bundeswehr auch Frauen uneingeschränkt offen. Zwar gab es schon zuvor Frauen in der Armee, jedoch durften sie nur in der Verwaltung oder im Sanitätsbereich eingesetzt werden. Bei der Gründung der Bundeswehr 1955 wurde im Grundgesetz festgeschrieben, dass Frauen "auf keinen Fall Dienst an der Waffe leisten dürfen". 1996 klagte Tanja Kreil vor dem Europäischen Gerichtshof, weil sie als Waffenelektronikerin bei der Bundeswehr anfangen wollte und eine Ablehnung bekam. Die junge Frau war der Ansicht, dass dies nicht mit dem europäischen Gebot der Gleichbehandlung der Geschlechter vereinbar ist. Das Gericht in Luxemburg gab der Klägerin recht. Damit musste die Bundeswehr auch die kämpfende Truppe für Frauen öffnen.

Bundeswehr will Anteil von 15 Prozent

Heute lautet die Formulierung im Grundgesetz, dass Frauen "auf keinen Fall zum Dienst mit der Waffe verpflichtet werden" dürfen. Inzwischen dienen rund 19.000 Soldatinnen in der Armee, das ist ein Anteil von knapp zehn Prozent. Die Bundeswehr strebt eigenen Angaben zufolge einen Frauenanteil von 15 Prozent an. Mehr als ein Drittel der Frauen sind im Sanitätsdienst tätig. Aber auch beim Heer, in der Marine und der Luftwaffe dienen immer häufiger Frauen. 2.000 der Frauen arbeiten als Berufssoldatinnen, knapp 16.000 als Zeitsoldatinnen.

So ist die Lage in anderen Ländern

Freiwilliger Dienst ist Frauen inzwischen in allen europäischen und den meisten internationalen Armeen möglich. Der Großteil der Streitkräfte schließt jedoch für Soldatinnen eine Funktion in der kämpfenden Truppe aus. Ausnahmslos alle Positionen innerhalb des Militärs stehen Frauen in Dänemark, Finnland, Norwegen, Italien, Serbien, der Schweiz, Neuseeland, Kanada, Serbien, Israel, Taiwan, den USA und seit 15 Jahren auch in Deutschland offen.

Norwegen ist das einzige europäische Land, in dem eine Wehrpflicht für Frauen besteht. Auch in mehreren afrikanischen Ländern wie Elfenbeinküste, Eritrea, Elfenbeinküste, Sudan, Libyen und Tschad werden Frauen zum Wehrdienst eingezogen, ebenso in Israel, Kuweit, China, Nordkorea, Malaysia, Burma, Taiwan und Bolivien.

Den höchsten Frauenanteil weist mit einem Drittel Israels Armee auf. In Frankreich sind 20 Prozent der Soldaten weiblich, in den USA 15 Prozent.

Ganz problemlos läuft die Integration der weiblichen Soldaten nicht. Mehr noch als ihre männlichen Kollegen beklagen sie Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Regelmäßige Versetzungen, Auslandseinsätze und Schichtdienste belasten das Familienleben. Teilzeitarbeit ist für Frauen in der kämpfenden Truppe kaum möglich. Verteidigungsministern Ursula von der Leyen hat Besserung versprochen. Sie ist mit dem Vorsatz angetreten, die Bundeswehr familienfreundlicher zu machen. Auch eine Frauenquote bei der Armee hat sie ins Gespräch gebracht. Doch bisher lässt die Umsetzung der geplanten Familienfreundlichkeit noch auf sich warten.

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DIE REPORTAGE | 20.03.2015 | 21:30 Uhr