Notaufnahme - ein Ort für starke Nerven

Notaufnahme - ein Ort für starke Nerven

Freitag, 10. August 2018, 21:15 bis 21:45 Uhr
Samstag, 11. August 2018, 08:30 bis 09:00 Uhr

Pfleger Thomas hat sich gewappnet für einen besonders herausfordernden Einsatz. © NDR, honorarfrei

4,35 bei 153 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Eine Woche lang verfolgt das Team der Reportage den Alltag in der Notaufnahme des Hamburger Marienkrankenhauses. Es erlebt mit, wie Pfleger und Ärzte an ihre Grenzen gehen. Es erfährt, wie das Klinikpersonal unter hohem Zeitdruck versucht, dringende von weniger dringenden Fällen zu unterscheiden. Dabei wird ein spezielles System genutzt, das ursprünglich aus der Militärmedizin kommt.

Volle Wartezimmer, lange Wartezeiten

Bild vergrößern
Wie dringend ein Patient behandelt werden muss, ermittelt Krankenschwester Claudia Piper mittels der „Triage“-Methode: eigentlich ein System aus der Kriegsmedizin.

Jeder Patient wird begutachtet und muss, je nach Schwere der Erkrankung, länger oder kürzer auf eine Behandlung warten. Für die Notfallmediziner bleibt das eine Gratwanderung, denn nicht immer sind gefährliche Erkrankungen auf den ersten Blick zu erkennen. Die Patienten verstehen oft nicht, warum gerade sie länger warten müssen als andere. Viele werden ungeduldig, verlieren die Nerven.

Volle Wartezimmer, lange Wartezeiten, überfordertes Krankenhauspersonal: Die Notaufnahmen in Deutschland stoßen an ihre Grenzen. Denn immer mehr Menschen wählen den Notruf 112 oder kommen zu Fuß in die Notaufnahme. Wie gehen die Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger mit dieser Flut an Patienten um? Wie filtern sie die wirklich dringenden von den Bagatellfällen?

  • Patientenzahlen stark gestiegen

    Im Marienkrankenhaus sind die Patientenzahlen in den vergangenen sechs Jahren um 40 Prozent gestiegen: Rund 120 bis 140 Menschen suchen hier jeden Tag medizinische Hilfe. Viele hoffen, so eine schnellere und effizientere Behandlung zu erfahren. Andere sind verunsichert, wenn es um die Frage geht, ab wann man ein Krankenhaus aufsuchen sollte.

  • Wie arbeiten Notaufnahmen?

    Eine der wichtigsten Aufgaben der Ärzte und Pfleger ist, die wirklichen medizinischen Notfälle herauszufiltern und schnell zu behandeln. Am Marienkrankenhaus in Hamburg arbeiten sie deshalb seit einigen Jahren mit einem Triage-System, das alle Patienten nach Dringlichkeit sortiert. Dasselbe gilt auch für Patienten, die mit einem Krankenwagen eingeliefert werden.

  • Wann sollte man in eine Notaufnahme gehen?

    Jeder Mensch ist unterschiedlich und nimmt Krankheiten oder zum Beispiel Schmerzzustände ganz verschieden wahr. Aber es gibt einige akute Zustände, die unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden sollten.

    • Atemnot
    • Brustschmerzen
    • Starke Schmerzen
    • Fehlstellungen von Knochen
    • Tiefe Wunden
    • Bewusstlosigkeit

zurück
1/4
vor
Bild vergrößern
Schwester Susanne Kotte versucht, einen Patienten zu beruhigen: dessen Blutdruck muss sich dringend senken.

Im Marienkrankenhaus sind die Patientenzahlen in den vergangenen sechs Jahren um 40 Prozent gestiegen. Dabei ist jeder Dritte laut einer aktuellen Studie kein Fall für die Notaufnahme, sondern könnte sich auch von einem niedergelassenen Arzt behandeln lassen. Die Patienten kommen, weil viele Hausärzte ebenfalls überlastet sind, aus Einsamkeit und weil sie nicht wissen, dass eine Notaufnahme eigentlich echten Notfällen vorbehalten ist.

Für die Pflegedienstleiterin Claudia Piper hat das hohe Aufkommen an Patienten, Konsequenzen: "Wir können diese Menschen nicht einfach wegschicken", sagt sie. "Wir haben eine Verantwortung und nicht jeder, der gesund aussieht, ist es auch." So bleibt Ärzten und Pflegern nur die Hoffnung, auch in größter Anspannung und unter Zeitnot die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Lösungen finden

Im Marienkrankenhaus wurde inzwischen eine medizinische Versorgungspraxis eingerichtet, um dem Ansturm an Patienten gerecht zu werden. Es ist eine Art Hausarztpraxis unter dem Klinikdach. Hier werden all die Patienten behandelt, die keine Notfallversorgung brauchen, sondern wegen Husten, Schnupfen oder einem eingewachsenen Fingernagel in die Klinik kommen. Für den Leitenden Arzt Dr. Michael Wünning ist das aber nur eine Zwischenlösung: "Für jeden Patienten, den wir hier in der Notaufnahme ambulant versorgen, zahlen wir drauf."

Weitere Informationen
45 Min

Notaufnahme am Limit

09.04.2018 22:00 Uhr
45 Min

Ein Notfall ist nicht immer ein Notfall. Immer mehr Menschen rufen die 112, obwohl sie auch anders versorgt werden könnten. Was sind die Gründe und wie gehen die Kliniken damit um? mehr

Überlastung in der Notaufnahme

Viele Notaufnahmen sind seit Jahren überlastet. Ärzte und Schwestern müssen neben ihrem Job auch mit dem Patienten-Frust umgehen. Körperliche Gewalt ist keine Ausnahme mehr. mehr

Autor/in
Fabienne Hurst
Regie
Fabienne Hurst
Autor/in
Nils Casjens
Regie
Nils Casjens
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke
Redaktion
Julia Saldenholz

Mehr Sendungen zum Thema

Die Lebensretter aus Hannover

13.07.2018 21:15 Uhr

Eine Lungentransplantation ist für Laien immer noch ein medizinisches Wunder. Die Reportage begleitet Ärzte und Patienten in der Medizinischen Hochschule Hannover. mehr

Zu früh geboren - Der schwere Start ins Leben

01.09.2017 21:15 Uhr

Mina und Sofie sind vier Monate zu früh geboren worden. Ohne moderne Technik und intensive medizinische Betreuung durch Ärzte und Pfleger wäre ihr Überleben nicht möglich. mehr

Ein neues Herz für Jasmin

13.10.2018 08:30 Uhr

Als Jasmin geboren wurde, hieß es, dass sie nicht sehr alt werden würde. Der Grund: ein schwerer Herzfehler. Das Filmteam hat die heute 17-Jährige vier Jahre lang begleitet. mehr

Traumberuf Krankenpflege?

26.05.2017 21:15 Uhr

Sterben gehört zum Alltag: Lara Meißner ist Krankenpflegerin auf der neurochirurgischen Intensivstation. Die Reportage begleitet die junge Frau in ihrem anstrengenden Arbeitsalltag. mehr