Die Bienenretter

Samstag, 10. Februar 2018, 08:30 bis 09:00 Uhr

Ein Viertel aller Bienenvölker in Mecklenburg-Vorpommern hat diesen Winter nicht überlebt. © NDR/Almut Faass, honorarfrei

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Das weltweite Bienensterben macht Mirko L. (44) aus Mecklenburg-Vorpommern große Sorgen. Auch seinen Bienen geht es schlecht. Mit seinem Kompagnon Hartmut H. (50) hat er jetzt Monokulturen, Parasiten und Pestizidbelastung den Kampf angesagt. Seit drei Jahren imkern beide für den Ökoverband Demeter in einem kleinen Dorf im Kreis Ludwigslust-Parchim. Ihre Imkerei ist umgeben von Rapsmonokulturen, die nach der Blüte im Mai keine Nahrung mehr für Insekten liefern. Im Sommer 2014 wären ihre Bienen beinahe verhungert.

Das Leid der Imker

Einen Teil ihrer 120 Bienenstöcke haben sie auf einer Streuobstwiese untergebracht. Das Obst verarbeiten die beiden in Mirkos Mosterei, denn von der Honigproduktion allein können sie nicht leben. Aber genau das ist ihr Ziel. Damit ihre Bienen überleben können, muss etwas geschehen, finden sie.

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Imker kämpfen derzeit an mehreren Fronten gleichzeitig.

Nicht nur der großflächige Pestizideinsatz der Landwirte ist ihnen ein Dorn im Auge, auch ein Versuchsfeld des Pharmakonzerns Bayer in der Nähe der Imkerei. Mit den Testergebnissen von dort soll der Nachweis erbracht werden, dass ein derzeit in der EU verbotenes Insektizid der Gruppe Neonikotinoide nicht bienenschädlich ist.

Forscher: Neonikotinoide vergiften Bienen

Die beiden Imker wollen das Vorgehen der Agrar- und Pharmaindustrie nicht länger hinnehmen. Unterstützung bekommen sie dabei von Bienenforscher Professor Randolf Menzel von der FU Berlin. Der international bekannte Wissenschaftler hat sich bei der Forschung auf das Gehirn von Bienen spezialisiert und nachgewiesen, dass die Pflanzenschutzmittel das Nervensystem der Tiere vergiften.

"Wir müssen die Öffentlichkeit wachrütteln", meint Mirko L. Schon jetzt enthält in Deutschland gesammelter Pollen nach Angaben von Greenpeace in acht von 15 Fällen das zugelassene, von Bayer hergestellte Pestizid Thiacloprid. Im Dezember 2015 entscheidet die Europäische Kommission, ob zwei andere, zurzeit verbotene Pestizide des Chemiekonzerns wieder zugelassen werden oder ob das Verbot verlängert wird.

  • Welche Bedeutung hat die Biene für die Natur?

    80 Prozent unserer heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen.

  • Warum ist die Biene für den Menschen so wichtig?

    Mindestens 30 Prozent der menschlichen Nahrung stammt von bienenbestäubten Pflanzen ab.

  • Was hat es mit dem Einstein-Zitat auf sich?

    „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“, soll Albert Einstein einmal gesagt haben. Jedoch gibt es Zweifel daran, ob das Zitat tatsächlich von dem Physiker stammt.

  • Was leistet eine Biene?

    120.000 Kilometer müsste eine Biene für 500 Gramm Honig zurücklegen. Das entspricht einer dreifachen Erdumrundung.

  • Wie beliebt ist Honig?

    Fast zwei Drittel aller Verbraucher in Deutschland essen regelmäßig Honig. (Stand: 2013)

  • Wieviel Honig isst der Deutsche?

    Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von mehr als einem Kilogramm Honig pro Jahr liegen die Deutschen an der Weltspitze.

  • Welchen volkswirtschaftlichen Wert hat die Arbeit der Biene?

    Zwei Milliarden Euro: So hoch ist der volkswirtschaftliche Nutzen in Deutschland, den Bienen jedes Jahr durch Bestäubung erbringen.

  • Wie wichtig ist die Biene als Nutztier?

    Die Honigbiene steht volkswirtschaftlich betrachtet auf Platz drei der wichtigsten Nutztiere in Deutschland – nach Rind und Schwein.

  • Wie groß ist ein Bienenvolk?


    30.000 bis 50.000 Tiere umfasst ein Bienenvolk im Sommer.

  • Wie viele Tiere sind vom Bienensterben betroffen?

    Mehr als jede fünfte Biene starb in diesem Winter hierzulande. Schuld daran sind nach Angaben des Deutschen Imkerbundes Parasiten, Monokulturen und Pestizide.

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Mirko L. und Hartmut H. haben ihren Honig untersuchen lassen. Wenn die Analyse des Demeter-Honigs Pestizidrückstände aufweist, die über dem zulässigen Grenzwert liegen, können sie die komplette Ernte vernichten. Mit Spannung erwarten sie das Untersuchungsergebnis des Testlabors.

David gegen Goliath

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Die Bienen-App des BMEL

Die kostenlose App enthält ein Lexikon mit mehr als 130 bienenfreundlichen Pflanzen, Hintergrundwissen zu Bienen und Wespen sowie ein Bienenquiz, mit dem das eigene Wissen getestet werden kann. Die Software ist verfügbar für Android, iOS und Windows Phone. extern

Mirko und Hartmut haben sich viel vorgenommen. Beide wollen etwas gegen das Bienensterben tun und sie wollen von ihrer ökologischen Imkerei leben können. Das stellt sie vor große Herausforderungen: finanziell und persönlich. "Manchmal fühlen wir uns schon wie David gegen Goliath", sagt Mirko. Aber er ist sich sicher: "Nur, wenn wir weltweit wieder gesunde Bienen züchten, können wir das Überleben der Insekten auf Dauer garantieren." Denn wichtiger noch als der Honig ist die Bestäubungsleistung der Bienen. Ohne sie gäbe es 80 Prozent der heimischen Wild- und Nutzpflanzen nicht.

Die NDR Autorinnen Almut Faass und Verena Hartges begleiten die beiden Imker bei der Arbeit und ihrem Kampf für die Honigbiene. Was können sie gegen das Bienensterben ausrichten? Werden ihre Völker den Winter überleben? Werden sie beim Chemiekonzern Bayer und bei der mächtigen Agrarindustrie Gehör finden?

Ihr Engagement für die Honigbiene wird auch die Geschäftsbeziehung der beiden Männer auf eine harte Probe stellen.

Kampf für die Bienen

Autor/in
Almut Faass
Verena Hartges
Redaktion
Erika Mondry
Redaktionsleiter/in
Dirk Neuhoff
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke
Kamera
André Bacher
Lars Hinrichs
Bernd Zink
Ton
David Piepenborn
Tim Rieckmann
Thomas Schimmack
Schnitt
Ulrike Dumeier
Sprecher/in
Christine Hegeler
Bildmischung
Arne Kühl
Tonmischung
Christoph Finn
Redaktion
Julia Saldenholz

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