die nordstory - Hiddensee

Kultinsel in der Ostsee

Dienstag, 02. Mai 2023, 15:00 bis 16:00 Uhr

Hiddensee ist immer noch eine ganz andere Welt. Eine richtige Insel, auf der man als Gast vom Festland dem echten Hiddenseer nur langsam näherkommt. Aber dann kann es doch ganz herzlich werden. Vor allem mit der jungen Generation, die auf der Insel heranwächst oder aus den Großstädten zurückgekehrt ist, in die es sie einst hinauszog.

Musik im Fischerschuppen

Dazu gehört zum Beispiel Arne Schäwel. Der gebürtige Insulaner ist aus dem lauten Berlin zurückgekehrt in seine alte Heimat Hiddensee. Und er hat gleich eine Band gegründet. Zweimal pro Woche proben er und seine Musiker in einem alten Fischerschuppen in Vitte. Sie arbeiten an einem eigenen Inselsound. Irgendetwas in der Richtung zwischen Surf-Rock und Independent. Sänger der Band ist Christian Wirrwitz. Ein Philosophiedozent, der unter anderem Online Tutorials an der Humboldt Universität Berlin hält. Und das aus seinem Arbeitszimmer unterm Dach eines Hauses in Neuendorf. Hier verbringt er auch viele Stunden an seinem Analogsynthesizer, einer abenteuerlich verkabelten Maschine, und bastelt an eigener Musik.

Therapie für Stadtseelen

Seine Nachbarin Susanne Tode hat die heilenden Kräfte des Klanges für sich erschlossen. Sie therapiert vom Stress verfolgte Stadtseelen oder verabreicht einfach nur Wohlfühlstunden im eigenen Klangstudio voller ungewöhnlicher Instrumente. Bei ihr summt das vielsaitige, aber einstimmige Monochord einen kosmischen Sound. Und chinesische Gongs dröhnen, bis das Bauchfell vibriert.

In Lack und Leder

Nicht viel los: Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise befindet sich die Insel im Lockdown. Keine Touristen erlaubt. Deshalb schafft es der Virus nicht auf die Insel. © NDR/Steffen Schneider
In der Corona-Krise durften keine Gäste nach Hiddensee kommen.

Robert Ott ist der wohl bunteste Hund der Insel. "Otti" geht gern in schwarzer Latex-Polizeiuniform zum Dorftanz und macht aus seinem Schwulsein eine selbstbewusste Show. Er arbeitet zusammen mit seinem Freund Daniel an einem Fotoprojekt: dem erotischen Hiddensee-Fetisch-Kalender. Hauptmotiv: Robert in Lack und Leder am Inselstrand.

Gemüse auf alten Klostermauern

Im Norden der Insel liegt auf den Grundmauern eines Zisterzienserklosters die Gärtnerei von Familie Sturm. In Gewächshäusern, die aus einer längst vergangenen Zeit stammen, zieht Wolfgang Sturm seit 40 Jahren Radieschen, Kohlrabi, Tomaten, Zwiebeln, Schnittlauch und diverse Salate heran. Sein Frischgemüse ist beliebt bei den Hiddenseern. Und beim Pflügen findet Wolfgang ganz nebenbei immer wieder Scherben und Eisenbeschläge aus den Zeiten des Klosters, das hier vor 500 Jahren stand.

Taucher- und Fischgeschichten

Helmut Gau ist siebzig Jahre alt und der letzte Strandfischer von Hiddensee. Mit Ruderboot und Stellnetzen fängt er Schollen, Dorsche und Meerforellen. © NDR/Steffen Schneider
Helmut Gau ist der letzte Strandfischer von Hiddensee.

Tommy Döde flitzt mit seinem froschgrünen Elektrobike auf der Deichkrone entlang. Er trägt einen Taucheranzug und im Anhänger klappern Druckluftflasche, Bleigürtel und Lungenautomat. Thommy hat einen Notruf bekommen: Der Inselpastor hat sich beim Segeln einen Tampen in den Propeller geholt. Den muss Thommy nun entfernen.

"Dreifarbenfisch haben wir den Aal früher genannt", erzählt Helmut Gau, Rentner und Nebenerwerbsfischer, während er seine Aalreusen an Bord hievt: "Grün gefangen, braun geräuchert und schwarz verkauft!" Er lacht in sich hinein, macht sein verschmitztes Fischergesicht und blinzelt zufrieden in die Ferne.

Weitere Informationen
Blühender Ginster vor dem Leuchtturm Dornbusch auf Hiddensee. © NDR Foto: Christian Skerka aus Berlin

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Autor/in
Steffen Schneider
Produktionsleiter/in
Andrea Runge
Redaktion
Birgit Müller

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