die nordstory - Linden leben

Hannovers wilder Westen

Mittwoch, 12. August 2020, 14:15 bis 15:15 Uhr

Lebendigkeit und eine Vielfalt an Kulturen, Betonklötze und Arbeiterwohnungen: Die Gegensätze im hannoverschen Stadtteil Linden sind mannigfaltig und doch faszinierend. Im Westen Hannovers gelegen, von der "großen Stadt" getrennt durch einen Fluss, ist der "wilde Westen" inzwischen Kult geworden. Die Arbeiterklasse trifft auf die intellektuelle Boheme, Stadtteiltouristen auf Individualisten. Linden steht stellvertretend für eine Gentrifizierung wie es sie gleichermaßen auch in anderen Großstädten gibt. Das Viertel wird oft mit Berlin-Kreuzberg verglichen.

Jogi Schmer ist Rugby-Trainer des Traditionsvereins TSV Victoria Linden. Die Veränderungen im Viertel betrachtet er durchaus kritisch. Investoren kaufen Altbauhäuser, die Mieten steigen. "Ständig kommen neue Leute, nur weil sie meinen, es sei gerade schick, in Linden zu wohnen." Karin Menges hat sich bewusst für Linden entschieden. Seit ein paar Jahren lebt sie hier, und zwar nicht irgendwo, sondern in Europas größter zusammenhängender Betonfläche: dem Ihme-Zentrum. Für Familie Yildirim ist ihr Kiosk das Universum. Seit über 20 Jahren betreibt sie ihren Laden an einer der schönsten Straßen des Kiezes. Die Otto-Wels-Straße wird auch "Sonnenallee von Linden" genannt. Der Alltag der Familie Yildrim aber ist hart. Um fünf Uhr morgens öffnet der Laden, bis ein Uhr nachts wird gearbeitet. Die türkische Familie hat sich integriert, versucht sich aber oft immer noch in einer Gesellschaft zu behaupten, die sich trotz Toleranzpredigten manchmal geradezu verschlossen verhält.

Linden, ein Stadtteil, der sich vom tristen Proletariatsviertel in einen angesagten bunten Szenekiez gemausert hat. Die nordstory" aus 2015 taucht in die Mischung aus Alltag, Flanierkultur, Kunstszene und Multikulti ein. Gefördert mit Mitteln der nordmedia Fonds GmbH in Niedersachsen und Bremen.

Redaktion
Susanne Wachhaus
Produktionsleiter/in
Stephan Helms
Autor/in
Tina Zemmrich