die nordstory

die nordstory - Die Bille - Vom Paddlerparadies in den Welthafen

Freitag, 08. November 2019, 14:15 bis 15:15 Uhr

Lichtspiel am Kanueinlass an der oberen Bille. © © NDR/Jack Gaudens

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Die Bille ist kein so großer Strom wie die Elbe, hat nicht so viel Charme wie die Alster, ist aber dennoch abwechslungsreich und vielfältig. Entlang der Bille findet man Naturparadies, Industriebrache, Gewerbefläche und Kreativbereich in einem. Die Bille entspringt neben den Resten der ehemals bedeutenden Raubritterburg Linau. Über Jahrhunderte war die Bierbrauerei an der Bille Traditionssache. Hopfengetränke von dort - mit Billewasser gebraut - galten international, zumindest in den ehemaligen Kolonien, von höchster Qualität und machten den Namen des Flusses weltweit bekannt. Der gewaltige Eiskeller einer Bergedorfer Brauerei von 1863 erzählt noch heute davon.

Idylle entlang der Bille

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Unbekannte Schöne mitten in der Stadt: Die Bille ist abwechslungsreich und vielfältig.

Die Ruhe vor der Großstadt lockte begüterte Hamburger ans Billeufer, sie errichteten dort ihre Landhäuser. Tatsächlich findet sich entlang der Bille noch vieles andere: vom Heavy-Metal-Studio bis zum Hindutempel, vom Kleingärtnerparadies bis zum Villenzauber und Schloss. Das unter Naturschutz gestellte Billetal auf Höhe der Grander Mühle, der Schlossgraben, zu dem die Bille in Bergedorf aufgestaut wurde, und der Weg, den sie zwischen den Boberger Dünen und Billwerder nimmt, sind idyllisch. Schäfer Rainer Müller zieht dort mit seiner Herde jeden Sommer umher, neben sich die Bille, hoch über sich die Segelflieger der Boberger Vereine.

Bewohner haben ihr Paradies gefunden

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Zwischen Großstadt und Idyll: die Bille.

Christa Bertling gibt auf der Bille Unterricht für den Sportbootführerschein. Mit ihren Schülern fährt sie zwischen Hafen und Roter Brücke hin und her. Sie kennt hier jede Untiefe und jeden Zentimeter Uferfläche. Kleine Jachtbetriebe bauen und reparieren Boote, nebenan betreiben Schrotthändler ihre Firma. Das Ufer der Bille ist gesäumt von Backstein-Industriebrache, in der Entwicklungspotenzial steckt. Ein international operierender Textilhandel hat sich hier angesiedelt. Nebenan haben Kleingärtner auf der Billerhuder Insel ihr ganz persönliches Paradies gefunden. Gesche aus Schleswig-Holstein, Jaques von der Insel La Réunion und ihr gemeinsamer Sohn Emile gehören dazu. Sie sagen: "Das hier ist unsere Welt, unser Hamburg".

Kontrast von Flussidyll und Industrie

Auf der Bille haben auch Hausboote festgemacht. Viele Kreative suchen den Kontrast von Flussidyll und Industrie. In der alten Hansaburg haben sich die zukünftigen Trickfilmer von der Animation-School-Hamburg eingerichtet. Das alte Bille-Kraftwerk "Anton" wird von Künstlern als Atelier genutzt. Hier wird als Aktions- und Ausstellungsraum für die Oldtimerszene demnächst eine Hamburger Filiale eröffnet. Ein Hamburger Stararchitekt gestaltet das alte E-Werk für die automobile Präsentation um.

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Alter Reiz und neues Leben

Nur ein paar Meter weiter geht es ebenfalls um Kraftfahrzeuge: Gebrauchtwagenhändler, vornehmlich für den Export, bieten ihre Fahrzeuge auf den Uferflächen der Bille an. Zwischendurch tönt Heavy-Metal-Sound aus den Studios am Billebecken. Und im Hindutempel gegenüber wird gepredigt. Alter Reiz und neues Leben, die Bille, ein Fluss der Kontraste: An der Brandshofer Schleuse mündet die Bille ins Hafenbecken, gleich neben der historischen Tankstelle. Dort gibt es zwar keinen Sprit, aber in aller Frühe Kaffee und Rührei für die Großmarkt-Beschicker.

Redaktion
Birgit Schanzen
Produktionsleiter/in
Edgar Rygol
Autor/in
Jan Peter Gehrckens