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Der Neue im Alten Land - Besitzerwechsel im Fährhaus Kirschenland

Donnerstag, 13. Februar 2020, 18:15 bis 18:45 Uhr
Dienstag, 18. Februar 2020, 11:30 bis 12:00 Uhr

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Das Alte Land ist das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Deutschlands. Mit seiner idyllischen Blütenpracht, den Deichen, Mühlen und reich verzierten Reetdachhäusern lockt es jedes Jahr rund eine Million Touristen an. Der Obstanbau hat im Alten Land eine lange Tradition. Schon vor knapp 900 Jahren errichteten holländische Siedler die ersten Deiche, durchzogen das Sumpfland mit Entwässerungskanälen und machten so das Land urbar. Der fruchtbare Boden, das milde Klima und die Nähe zu Hamburg verhalfen den Altländer Bauern zu Wohlstand.

Heute wachsen mehr als zehn Millionen Apfel-, Kirsch-, Birn- und Zwetschgenbäume in der Region, die neben den Hamburger Stadtteilen Neuenfelde, Cranz und Francop mehrere Gemeinden in Niedersachsen umfasst.

Menschen und ihr Leben im Alten Land

Familie Meyer setzt auf biologischen Obstanbau

Familie Meyer lebt seit Generationen vom Obstanbau in Neuenfelde und Jork. Aber wie alle Altländer Obstbauern hat auch sie mit immer mehr Veränderungen zu kämpfen: Klimawandel, die Versalzung des Wassers durch die Elbvertiefung, schwankende Obstpreise und neue Schädlinge lässt sie um ihre Ernte bangen.

Immer mehr Obstbauern versuchen, das Risiko zu minimieren, indem sie sich ein zweites Standbein aufbauen, Ferienwohnungen vermieten oder Aktionen für Touristen anbieten. Rolf und Beke Meyer haben stattdessen ihre Felder in Jork auf biologischen Anbau umgestellt. Das bedeutet noch mehr Geduld und Vertrauen in die Natur, aber auch stabilere Obstpreise. Zusätzlich verkaufen sie viermal in der Woche ihr Obst auf Hamburger Wochenmärkten. Teresa ist die jüngste ihrer drei Töchter. Sie will trotz der zunehmenden Unsicherheiten den Hof ihrer Eltern übernehmen.

Als Pastor in Jork

Jork ist eine der größten Gemeinden im Alten Land. Paul-Benjamin Henke ist hier seit zehn Jahren Pastor. Als der Hildesheimer das Angebot bekam, hier zu arbeiten, wusste er nicht einmal genau, wo das Alte Land liegt. Inzwischen kennt er fast jedes Haus in seiner Gemeinde und sowohl die alteingesessenen Altländer als auch die vielen Zugezogenen. Denn Jork ist längst nicht mehr nur ein traditionelles Dorf. Die Nähe zum Flugzeugbauer Airbus und zu Hamburg zieht immer mehr Menschen in die Gemeinde an der Elbe. Pastor Paul-Benjamin Henke sieht es als seine Aufgabe, die unterschiedlichen Menschen zusammenzubringen. Und zwar nicht nur in der traditionellen Jorker Kirche mit dem typischen Holzturm und ihrer berühmten Arp-Schnitger-Orgel, sondern mit neuen Ideen, die ihm oft beim Fahrradfahren durch die Gemeinde einfallen.

"Alcatraz" von Hamburg

Direkt vor dem Jorker Umland befindet sich die Gefängnisinsel Hahnöfersand. Die Elbinsel liegt idyllisch mitten im Alten Land in Niedersachsen, wurde aber schon 1902 vom Hamburger Senat gekauft. Sie gilt als das "Alcatraz" Hamburgs, denn seit den 1920er-Jahren ist hier eine Jugendstrafanstalt untergebracht. Ein Ort, an dem naturgeschützte Idylle auf Straftäter trifft. Klaus Meyerhöfer ist hier seit 20 Jahren Justizvollzugsbeamter, er hat schon viele Jugendliche kommen und gehen sehen. Die meisten haben schon mehrere Delikte begangen, bevor sie hier einsitzen. Das Ziel ist es aber immer, die jungen Menschen nicht aufzugeben.

Sein ehemaliger JVA-Kollege Wolfgang Steiner arbeitet ehrenamtlich daran, im kleinen Inselmuseum mitten in der JVA die ungewöhnliche Geschichte der Insel zu bewahren. Dass der Sandberg in der Elbe überhaupt bewohnbar wurde, dafür sorgten im Ersten Weltkrieg russische Kriegsgefangene mit der Hilfe von Kamelen. Und schon seit den 1920er-Jahren versuchte man hier, die Jugendlichen nicht nur wegzusperren, sondern sie zu erziehen und zu fördern. Wolfgang Steiner findet immer wieder neue Puzzlestücke der Geschichte. So haben sich in diesem Jahr zwei Geschwister gemeldet, die als Kinder sogar einige Jahre dort gewohnt haben. Aufgrund der Wohnungsnot waren sie nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihrer Familie hier untergebracht worden. Nach mehr als 60 Jahren besuchten sie jetzt den Ort ihrer Kindheit erneut.

Das Fährhaus Kirschenland - eine Institution

Direkt hinter dem Deich an der Elbe liegt das Fährhaus Kirschenland, eine echte Institution im Alten Land. Hier werden jedes Wochenende Taufen, Geburtstage, Hochzeiten, Jubiläen und Bälle gefeiert. 50 Jahre lang hat Wilhelm Stubbe das Haus mit den zwei Festsälen und drei Clubräumen geführt, seine eigenen Rezepte, Traditionen und seine Persönlichkeit haben das Restaurant Kirschenland zu dem gemacht, was es ist. Lange hat er einen Nachfolger gesucht und mit Ilir Spaqaj auch endlich einen gefunden. Der 37-jährige gebürtige Kosovare ist vor zwei Jahren mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Söhnen ins Alte Land gezogen und hat sich schon beim ersten Anblick in das Traditionshaus verliebt. Erfahrung als Gastronom bringt er mit, er hat vorher das Restaurant Carls an der Elbphilharmonie in Hamburg geleitet. Aber nun steht er vor der nicht ganz leichten Aufgabe, in die Fußstapfen von Wilhelm Stubbe zu treten und die Altländer Traditionen zu erlernen, aber dem Fährhaus Kirschenland dennoch seine eigene Note zu verleihen.

Ratgeber Reise

Das Alte Land: Immer einen Ausflug wert

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Redaktion
Birgit Schanzen
Produktionsleiter/in
Edgar Rygol
Autor/in
Anna Lena Temme