die nordstory - Linie durchs Land

Auf dem Nord-Ostsee-Kanal

Montag, 11. Juni 2018, 14:15 bis 15:15 Uhr

Linie durchs Land: Auf dem Nord-Ostsee-Kanal. © NDR Foto: Ulrich Patzwahl

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Kirschblüte am Gut Warleberg, eine Hochzeitsgesellschaft feiert in der alten Windmühle Aurora, der Kanalgarten von Neuwittenbek: alle diese Orte liegen in der gleichen romantischen Kulisse, am Nord-Ostsee-Kanal. Er führt von Brunsbüttel nach Kiel-Holtenau. Aber die Idylle täuscht: Diese Linie durchs Land ist die meist befahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Und der Nord-Ostsee-Kanal ist unter den Schiffern als anspruchsvolles Fahrtgebiet bekannt!

Unterwegs von Hamburg in die Ostsee

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Eine gute Kanalpassage ist eine schnelle Kanalpassage - Kapitän der "Henneke Rambow" ist Ingo Drewes aus Hamburg-Cranz.

Kapitän Ingo Drewes schläft nicht etwa dann, wenn es dunkel wird, sondern wenn er mal zwei Stunden Zeit hat. Sein Schiff, die "Henneke Rambow", ist eines von Hunderten, an deren Tropf die Versorgung des Baltikums hängt. Das Feederschiff mit knapp 900 TEU/Containereinheiten ist alle 14 Tage unterwegs von Hamburg in die Ostsee.

Nach der Passage durch die Brunsbütteler Schleuse wird es jedes Mal spannend: Wie viele Schiffe kommen ihm im Nord-Ostsee-Kanal entgegen? Wie oft muss die "Henneke Rambow" in den "Kanalweichen" warten, bis sie weiterfahren kann? Jede Stunde Wartezeit kostet einen fünfstelligen Eurobetrag. Aber Ingo Drewes weiß, "ärgern nützt wenig in der Schifffahrt, Kaffee kochen nützt mehr!"

Die Überfahrt ist kostenfrei

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Blick von Gut Warleberg: Im Osten ist der Nord-Ostseekanal schmaler, kurvenreicher und idyllischer als im Westen.

Für Hannes Jessen sind die großen Fahrten und die "Containerjagd" Vergangenheit. Er macht jetzt Fährfahrten von der Fährstelle Breiholz aus: den Kanal queren, 150 Meter hin, 150 Meter zurück. Die Überfahrt ist für die Nutzer kostenfrei wie auf allen 14 Kanalfähren. Und obendrein gibt es den Kommentar von Fährmann Jessen: "Herrschaften, Beine hoch, wir fahren in den sonnigen Süden!"

Durchschnittene Dörfer

Ende 1895 wurde der Nord-Ostsee-Kanal in Dienst genommen und durchschnitt nicht nur ein Land, sondern auch Dörfer. "Seitdem liegt es an uns, dass die Verbindungen nicht ganz abreißen", sagt Sabine Kähler, die Küsterin der Gemeinde Sehestedt. Mindestens sechsmal täglich fährt sie mit der Fähre von Sehestedt-Süd nach Sehestedt-Nord: zur Probe mit dem Posaunenchor, zur Gartenarbeit im Kirchhof oder einfach zum Einkaufen, zum Elternabend oder, um Kinder abzuholen.

Nautiker im Ruhestand besuchen ab und an den Lebensmittelpunkt von Sabine Kähler, die alte, gedrungene St. Peter und Paul Kirche. Während ihrer Zeit der Fahrten mit den Containerschiffen hatten sie nämlich immer nur fünf Minuten Zeit zum Gucken.

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Autor/in
Ulrich Patzwahl
Produktionsleiter/in
Georg Kuban
Redaktion
Katrin Glenz