Die Nordreportage: TÜV für die Köhlbrandbrücke

Montag, 21. Oktober 2019, 18:15 bis 18:45 Uhr
Mittwoch, 23. Oktober 2019, 11:30 bis 12:00 Uhr

Die 1974 gebaute Brücke ist in die Jahre gekommen und mit ihrer Durchfahrtshöhe von 52 Metern für die künftige Containerschiff-Generation zu niedrig. Deshalb soll sie ab 2030 abgerissen werden. © NDR/Stefan Weiße

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Für Brückenmeister Frank Zetzsche beginnt eine zweitägige Mammutaufgabe: Brücken-TÜV, Straßenbauarbeiten und eine Vollsperrung. Bei der Köhlbrandbrücke wird nur einmal in sechs Jahren jede Schraube und jede Schweißnaht bei der sogenannten Bauwerkshauptprüfung kontrolliert.

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Die 1974 gebaute Brücke ist in die Jahre gekommen und für neueste Containerschiffe zu niedrig.

Frank Zetzsche ist seit 17 Jahren verantwortlich für Hamburgs Wahrzeichen über dem Köhlbrand, einem Seitenarm der Elbe, und arbeitet für die Hamburg Port Authority, die das Hafenmanagement betreibt.

Für ihn bedeutet das Wochenende auch eine logistische Herausforderung, denn bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Drei Monate lang hat er alles vorbereitet. Die "alte Dame" über dem Köhlbrand, wie er die Brücke liebevoll nennt, ist 3.618 Meter lang und schon 45 Jahre alt. Ihre Ost- und Westrampe bestehen aus Beton, die Mitte ist aus Stahl und hängt an 88 Seilen. Die Köhlbrandbrücke ist die wichtigste Verkehrsverbindung im Hamburger Hafen.

Mängelsuche auf und unter der Brücke

Mit Bauwerksprüfer Martin Boldt arbeitet Frank Zetzsche schon viele Jahre lang Hand in Hand.

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Bauwerksprüfer Martin Boldt sucht in 45 Meter Höhe direkt unter der Köhlbrandbrücke nach Mängeln.

Boldt kontrolliert mit seinem Team auf einem Kragarm in 45 Metern Höhe mögliche Mängel im Beton. In Hohlstellen könnte sich Wasser sammeln und den Spannbeton durchfeuchten. Boldt muss jeden kleinen Mangel aufspüren und dokumentieren.

Die Köhlbrandbrücke ist in die Jahre gekommen und wird stark belastet. Mittlerweile überqueren jeden Tag 36.000 Fahrzeuge die Brücke, davon ein Drittel Lkw. "Wir haben hier extreme Spurrillen, dreieinhalb Zentimeter tief, das ist unglaublich", sagt Zetzsche. Deshalb laufen neben der Mängelkontrolle auch Straßenbauarbeiten auf der Brücke. Die ist mit einer Durchfahrtshöhe von 52 Metern auch nicht mehr zeitgemäß.

Geschichte

Marode und zu niedrig: 45 Jahre Köhlbrandbrücke

Seit 45 Jahren verbindet die Köhlbrandbrücke - Hamburger Wahrzeichen - die A7 mit Steinwerder. Doch das Bauwerk ist marode und zu niedrig. Bis 2030 soll eine neue Querung geschaffen werden. mehr

"Mit der Weiterentwicklung der Containerschifffahrt werden die Schiffe immer größer. Und viele der größten Kategorie schaffen es nicht mehr, unter der Köhlbrandbrücke bis zum Terminal Altenwerder durchzukommen. Die Brücke ist zu tief", erzählt Zetzsche weiter. Für ihn sei die Brücke aber "das schönste Wahrzeichen Hamburgs" und kommt für ihn gleich nach seiner Familie.

Doch ab 2030 soll die Brücke ersetzt werden. Ob durch eine höhere Brücke oder gar einen Tunnel, darüber hat der Hamburger Senat noch nicht entschieden.

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Die Höhenretter der Berufsfeuerwehr seilen sich von der Spitze des Pylonen ab. Der ist 135 Meter hoch.

Das NDR Team begleitet Brückenmeister Zetzsche zwei Tage lang durch sein stressiges Wochenende auf der Brücke. Der Ablauf ist zeitlich genau geplant: Straßenbauarbeiten, Seilresonanzschwingungsmessungen, Flüge der Helicopterkamera sogar im engen Brückenpfeiler, statische Messungen in der Nacht, Kontrollfahrten der Bauwerksprüfer auf der Arbeitsbühne direkt unter der Betonrampe. Und sogar Höhenretter seilen sich von einem 135 Meter hohen Pylonen ab.

Und dann muss Zetzsche auch noch die Vollsperrung der Köhlbrandbrücke in den Griff kriegen. Wird ihm das gelingen? Und: In welchem Zustand befindet sich die Köhlbrandbrücke tatsächlich? Ist sie noch fit für die nächsten Jahre bis zum Abriss?

Redaktion
Susanne Dobke
Produktionsleiter/in
Edgar Rygol
Autor/in
Stefan Weiße
Redaktion
Birgit Schanzen