Die Nordreportage: TÜV für den alten Eisbrecher "Stettin"

Montag, 11. Mai 2020, 18:15 bis 18:45 Uhr
Mittwoch, 13. Mai 2020, 11:30 bis 12:00 Uhr

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Wenn es dunkel wird, ist Volkmar Tischer allein. Der Seemann im Ruhestand lebt während der Wochen, die der Dampfeisbrecher "Stettin" im Dock liegt, an Bord. Das ist nicht immer einfach: Es gibt keine richtige Heizung an Bord und durch die Löcher der ausgebauten Seeventile, durch offene Luken oder auch das Loch, das der Zusammenstoß mit einer Fähre hinterlassen hat, zieht es. Im Schiff ist es meistens kälter als draußen.

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Volkmar Tischer (links) koordiniert sämtliche Arbeiten an der "Stettin".

Doch Volkmar Tischer trägt die Verantwortung für die Instandsetzung des Eisbrechers, Baujahr 1933. An den Wochenenden, wenn Mitglieder des Vereins zum Erhalt des Schiffes ihre Freizeit zwischen Rost, Dreck und Kohlestaub verbringen, gibt Volkmar Tischer vor, was zu tun ist. Möglichst viel soll in Eigenregie abgearbeitet werden, denn das Geld für den Unterhalt des 53 Meter langen Stahlkolosses ist knapp.

Wochentags koordiniert er in Absprache mit Marcel Broers von der Norderwerft die Einsätze der Werftarbeiter. Da ist zum Beispiel das fünf Meter lange und eineinhalb Meter hohe Loch im Rumpf. Hier werden beschädigte Spanten sowie Teile der stählernen Außenhaut ausgewechselt - mit Nieten. Das Nieten ist eine alte Technik, die in heutiger Zeit nicht mehr genutzt wird und die längst nicht jeder Werftarbeiter beherrscht.

Vorerst geht es nicht auf große Fahrt

Und dann bringt die Corona-Pandemie den Zeitplan durcheinander. Die Spezialisten für das Nieten der neuen Außenhaut dürfen nicht mehr auf das Werftgelände. Die Arbeitseinsätze der Mitglieder können nicht mehr stattfinden. Schließlich wird der Hamburger Hafengeburtstag abgesagt. Für den Verein eine Katastrophe, da wichtige Einnahmen wegfallen.

Die "Stettin" wird vorerst nicht auf große Fahrt gehen. Unabhängig davon ob DNV GL dem Schiff das Klassifikations-Attest erteilt, was so etwas wie eine TÜV-Abnahme ist.

Die Nordreportage begleitet die Menschen, die sich um den historischen Dampfeisbrecher kümmern, zeigt, wie sie ihre Freizeit zwischen Rost und Kohlestaub verbringen. Wie sie die Arbeiten mit Lust und Frust voranbringen. Der Film zeigt die Herausforderungen, denen sie sich stellen, auch in diesen schwierigen Zeiten.

Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Redaktion
Birgit Schanzen
Autor/in
Peter Kleffmann