die nordreportage

die nordreportage: Abgefahren! Die Extremeisenbahner

Montag, 20. November 2017, 18:15 bis 18:45 Uhr

Jeder Zug und jeder Waggon hat ein reales Ziel auf der Anlage. © NDR/TOB Filmproduktion/Tim Boehme, honorarfrei

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Jens Kulenkampff ist Modelleisenbahner aus Leidenschaft und Visionär eines der größten Modellbahnevents in Norddeutschland. Bei ihm fing alles im Alter von sechs Jahren mit einem Schienenkreis an. "Heute sind Züge, die im Kreis fahren, verpönt. Wir wollen echten Eisenbahnverkehr nachstellen und nicht nur sinnlos im Kreis fahren, so wie im schönen, aber eher unrealistischen Miniatur Wunderland".

Doch um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen, benötigt man Platz, sehr viel Platz! Und Raum ist bei Modellbahnern immer ein äußerst knappes Gut. Die Lösung: eine mobile Anlage mit Gleichgesinnten aufstellen.

Gemeinsame Anlage auf 1.000 Quadratmetern

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Über 200 einzelne Module werden zur Bahn der Superlative.

In Kiel soll für ein verlängertes Wochenende eine Modellbahnanlage der Superlative in einer Halle auf knapp 1.000 Quadratmetern entstehen. Über 200 Modellbahnmodule von Eisenbahnern aus ganz Norddeutschland und Dänemark werden zusammenkommen, um den Eisenbahnverkehr der 1980er-Jahre nachzustellen, und zwar mit einem echten Fahrplan, der über 1.000 Zeilen umfasst, und mit historisch korrekt zusammengesetzten Zügen.

Seit sechs Monaten arbeitet und recherchiert der Familienvater zusammen mit seinem Ko-Veranstalter Stefan Heintz an seinem Konzept: "Funktioniert der Fahrplan nicht oder funktioniert die Anlage in der Halle nicht, haben wir ein echtes Problem. Dann sind wir in der Szene erst einmal blamiert", befürchtet Stefan Heintz, der für die Gleisplanung zuständig ist.

Der Freundeskreis Europäischer Modelleisenbahner e.V.

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Jeder Zug und jeder Waggon hat ein reales Ziel auf der Anlage.

Die beiden Männer sind Mitglieder der FREMO (Freundeskreis Europäischer Modelleisenbahner e.V.), eine eingeschworene Gemeinschaft von über 2.000 Modelleisenbahnern. Sie spielen nicht nur mit den Bahnen, sondern wollen echten Eisenbahnbetrieb erleben. Stehen ihre Züge erst einmal auf den Gleisen, dürfen sie idealerweise nicht mehr per Hand berührt werden. Jeder Zug, der bei ihnen fährt, jeder Waggon in diesen Zügen hat ein Ziel und eine dokumentierte Ladung. Nichts ist dem Zufall oder der Willkür überlassen.

Zu Hause bauen die Mitglieder ihre Bahnmodule zusammen und treffen sich sporadisch an unterschiedlichen Orten in Europa. Dann wird Eisenbahnbetrieb regelrecht zelebriert. Und zwar ohne Publikum! "Nur geladene Gäste dürfen auf unseren Treffen dabeisein, wir wollen uns ganz auf den Betrieb konzentrieren. Außerdem verbauen wir ja die gesamte Halle mit Schienen, da ist gar kein Platz mehr für Zuschauer. Man muss unter den Gleisen untendurch tauchen, das würde für eine öffentliche Veranstaltung niemals genehmigt werden. Macht aber nichts, wir machen das ja sowieso für uns", erklärt Jens Kulenkampff und vertieft sich in einen Verkabelungsplan.

Faszination Modellbahn

Was macht die Faszination Modellbahn aus? Warum machen dabei so viele hauptberufliche Lokführer mit, nach einer langen Arbeitswoche auf einer echten Lokomotive? NDR Autor Tim Boehme durfte auf der geschlossenen Veranstaltung drehen und miterleben, mit welchen Problemen und Herausforderungen die Bahner zu kämpfen haben. Denn am nächsten Tag um 9.00 Uhr muss der Betrieb starten, sonst ist der geplante Fahrplan im Eimer!

Redaktion
Christian Pipke
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Autor/in
Tim Boehme
Leitung der Sendung
Norbert Lorentzen