Stand: 02.03.2021 12:05 Uhr

Chat-Protokoll: Nackenverspannungen, Herzschwäche, Hüftschmerzen

Porträtfoto von Dr. Christian Sturm © NDR
Dr. Christian Sturm arbeitet im Bereich der Sport- und Rehabilitationsmedizin mit ganzheitlichem Blickwinkel.

Bewegung als Medizin: Wie sieht das beste Bewegungsprogramm aus, wenn ich gesund bleiben oder gegen bestimmte Beschwerden angehen will? Was kann mir bei Nackenverspannungen helfen? Wie viel beziehungsweise welche Bewegung ist bei Herzschwäche hilfreich? Und wie werde ich Hüftschmerzen los? Um diese Themen ging es am Montag, den 1. März 2021, in Folge 12 der Bewegungs-Docs.

Nach der Sendung hat Dr. Christian Sturm Ihre Fragen im Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen:

Volker: Ich leide an einem Impingement-Syndrom [Schulterengpasssyndrom] beidseitig, hervorgerufen wahrscheinlich durch Akkordeonspielen. Welche Bewegungen können Sie mir empfehlen?

Dr. Christian Sturm: Wenn es wirklich ein Impingement ist, dann sollte man die Ursache dafür klären. Ob es wirklich an einer anatomischen Störung liegt oder ob auch ein Muskelungleichgewicht das Problem verursacht. Dann muss jemand in einer körperlichen Untersuchung feststellen, welche Muskeln bei Ihnen zu schwach sind.

Birgit: Bringt es etwas, bei Hüftarthrose eine Kraftmessung zu machen und mögliche Muskeldysbalancen auszugleichen? Bisher hat mir jeder Orthopäde gesagt, alles Training und Dehnen würde nichts bringen, ich müsste Hyaloronspritzen nutzen. Diese möchte ich aber nicht.

Sturm: Hyaloron kann kurzfristig lindern, weil es die Schmierung des Gelenks durch mehr Flüssigkeit verbessert, beseitigt aber weder die Ursache der Knorpelschäden noch die Schwäche, die nach Ruhigstellung kommt. Daher auch hier versuchen, mit stabilisierenden Übungen das Gelenk zu sichern und dadurch die entzündliche Reizung zu minimieren, dann wir der Schmerz oft besser.

Elke: Ich habe oft Kopfschmerzen, ziehe oft die Schultern hoch und sitze viel im Büro. Seit etwa eineinhalb Jahren habe ich immer wieder Probleme mit meinem linken Kiefer. Mittlerweile kann ich oft nicht mehr richtig kauen. Was soll ich machen? Physio?

Sturm: Das Zusammenspiel zwischen Nackenmuskeln und Kaumuskulatur ist leider sehr typisch. Gerade in Corona-Zeiten durch Homeoffice ohne korrekte Arbeitsplätze ein Problem. Entspannung mental und für die Muskulatur ist wichtig, das geht mit Dehnung und zum Beispiel autogenem Training, sonst hilft Physiotherapie mit etwa spezieller CMD-Therapie für den Kiefer oft.

Sandra Dorothea: Trotz Dehnung und Bewegung bleiben die Nackenschmerzen bis Kopfschmerzen. Orthopäde sagt, es sei das Alter, bin 50 Jahre alt.

Sturm: Dehnung und Bewegung müssen halt gut in Balance sein. Das Alter ist keine Ausrede und 50 ja auch nicht alt. Also auch mal die Haltung kontrollieren, wenn es immer wieder kommt, sind es oft Schlafposition (zu hohes oder zu niedriges Kissen) oder Arbeitsplatzhaltung.

Herzlichen Dank: Ich bin 63 Jahre alt und habe eine Arthrose im linken Hüftgelenk. Mein Alltag und meine Bewegungen sind dadurch stark eingeschränkt. Das Laufen fällt mir mittlerweile sehr schwer. Mein Orthopäde möchte mich mit Spritzen behandeln, die mir in der Vergangenheit aber nicht geholfen haben. Ich bin ziemlich ratlos und weiß nicht, was ich machen soll. Der Arzt meinte, ich müsse mich an den Gedanken einer Operation gewöhnen. Ich kann mich damit noch nicht abfinden und würde gerne alternative Möglichkeiten probieren. Ich weiß im Moment aber nicht genau, was ich tun soll. So wie jetzt kann es nicht weitergehen. Vielleicht können Sie mir einen Rat geben?

Sturm: Die Operation mit Ersatz des Gelenks kann ja auch eine Lösung sein, wenn es wirklich der kaputte Knorpel ist und alles andere nicht hilft. Das sollte aber vorher probiert werden. Training, Physio, Medikamente in guter und sinnvoller Kombination sind da eine schwierige Aufgabe, bevor man den Schritt zur Prothese geht.

Michaela: Gibt es eine Möglichkeit, stationär in Ihre Klinik zu kommen, oder können Sie mir Tipps geben, wie ich gegen Probleme wegen einer Beinlängendifferenz (rechtes Bein ist einen Zentimeter kürzer) vorgehe? Zudem arbeite ich in der Pflege, was zu einer Verschlechterung und ausgeprägter Thorakolumbalskoliose [Verkrümmung der Wirbelsäule] und "Engelsschulter" [abstehende Schulterblätter] rechts geführt hat.

Sturm: Ich arbeite in keiner klassischen Rehaklinik, sondern in einer Reha-Abteilung einer Universitätsklinik, daher haben wir zur Therapie keine eigenen Betten, sondern betreuen andere Fächer stationär. Ein Zentimeter Differenz ist ja auch nicht ausgeprägt. Man kann, wenn es wirklich ein Unterschied ist, einen Ausgleich mit einer Einlegesohle versuchen, mit zunächst einem halben Zentimeter. Wichtig ist, dass es keine Beckenverwringung ist (Derbolowsky-Test machen lassen vor Ort bei einem Arzt oder einem Physiotherapeuten), sonst ist der Ausgleich falsch.

Frank: Ich habe das gleiche Problem mit der Hüfte wie in der heutigen Sendung. Drei OPs (Leistenbruch-OP, zweimal Hüft-OP, Cam-Syndrom). Keine Besserung der Schmerzen. Wo kann ich hingehen, um muskuläre Dysbalancen überprüfen zu lassen?

Sturm: Natürlich können wir Bewegungs-Docs nicht jeden Fall selber sehen - auch wenn wir das gerne würden -, da wir ja unseren normalen Klinikalltag haben. Wichtig ist uns, dass man als Patient eine neue Idee bekommt und sie selbstbewusst mit Vorkenntnissen mit seinen Ärztinnen und Ärzten und den Physiotherapeuten bespricht und untersuchen lässt. Fachlich ist es ja nicht schwierig, man muss ja nur auf die Idee kommen. (Anm. der Red.: Sowohl Ärzte als auch Physiotherapeuten können in der Regel mit einer Funktionsuntersuchung die Kraftverteilung beurteilen.)

Renate: Habe Facettengelenksarthrose in der LWS, dadurch Schongang und eine Muskeldysbalance. Kein Physiotherapeut schafft es, mir zu helfen. Wie bekomme ich die Dysbalance in den Griff?

Sturm: Bei solchen Beschwerden sind kleine Muskeln direkt an der Wirbelsäule wichtig, die sehr schwer zu trainieren sind. Die sogenannten Musculi multifidii kann man am besten mit Vibrationsstäben wie dem Flexibar trainieren. Nur sie erzeugen Stabilität am Gelenk selbst, sodass der Schmerz zurückgeht. Gerne mit den Physios zusammen üben, ist recht anstrengend, hilft aber super.

Klari88: Ich bin 32 Jahre alt und leide seit elf Monaten unter einer Bursitis iliopectinea. Die Ärzte empfehlen lediglich Ruhigstellen und Schmerzmittel, was nicht zu einer langfristigen Verbesserung führt. Ich weiß ob der Schmerzen, die teils nach fünf Minuten spazieren entstehen, einfach nicht mehr weiter.

Sturm: Bursitis kommt oft davon, dass die Muskulatur daneben zu stark angespannt und verkürzt ist, dann kann der arme Schleimbeutel den Druck nicht mehr komplett auffangen und entzündet sich. Dann muss untersucht werden, woher der starke Druck kommt (zum Beispiel Musculus iliacus), und der Muskel kann dann gedehnt werden und die Triggerpunkte im Unterbauch und der Leiste behandelt werden.

Rena: Wie heißt diese spezielle Akupunktur und wo wird sie ausgeführt?

Sturm: Im Beitrag handelt es sich um das sogenannte Dry Needling, also "trockenes Nadeln", das ist eine Variante der Akupunktur. Viele Varianten sind ähnlich aufgebaut. Sie regen den Muskelstoffwechsel an und können nach der klassischen Chinesischen Medizin auch noch weitere Wirkungen auf den Stoffwechsel haben. Wenn Sie das ausprobieren wollen, unbedingt auf gute Ausbildung und hygienische Bedingungen beim Behandler achten.

Carmen: Ich habe bei L5 und S1 einen konservativ behandelten Bandscheibenvorfall und seit vielen Jahren immer wieder Lumbalgien. Was kann ich (51) tun? Bin verzweifelt.

Sturm: Wichtig ist, dass reine Rückenschmerzen (Lumbalgie) eher selten von der Bandscheibe kommen, da diese eher Nervenschmerzen im Bein macht, da sie ja den Nerv abdrückt. Lumbale Rückenschmerzen sind meist eher durch das Iliosakralgelenk oder den Musculus quadratus lumborum ursächlich. Das gezielt mal untersuchen und gegebenenfalls behandeln lassen.

kleines: Ich leide unter einer Blockierung von Atlas und Axis. Meine Wirbelsäule hat sich nach über einen Jahr dadurch sehr stark verändert. Auch die Hüfte steht nicht mehr gerade. Habe starke Nacken- und Schulterschmerzen sowie Ausstrahlungen vom unteren Rücken in die Beine. War mehrere Male in Behandlung beim Chiropraktiker, aber so wirklich bringt es nichts. Auch hat sich mein Kiefer verändert. Hätten Sie einen Rat?

Sturm: Chiropraktik kann kurzfristig eine Linderung verschaffen, wenn sich etwas verschiebt, aber bitte nur im Rahmen eines sinnvollen Gesamtkonzepts. Reines "Renken" bringt mittelfristig nichts, da meist eine Ursache wie Fehlhaltung und Muskelstörungen besteht, und dann kann man viel Geld für Maßnahmen ausgeben, die oft nur das akute Problem, aber nicht die Ursache dauerhaft beheben.

Andreas: Auch ich leide schon seit über einem Jahr an Schmerzen auf der linken Hüftseite, besonders wenn ich das linke Bein nach außen drehe. Leider konnten mir verschiedene Ärzte nicht weiterhelfen. Welche Übungen kann ich machen, um die Schmerzen zu lindern? Hilft in meinem Fall auch die Einnahme von Traumeel oder Wobenzym? Ich bin 53 Jahre alt, sportlich veranlagt und möchte gerne in Zukunft einen Marathonlauf machen, allerdings ohne Schmerzen.

Sturm: In der Sportmedizin sind beide Präparate relativ beliebt, es gibt auch einzelne Untersuchungen, die auf eine Wirksamkeit hindeuten. Man kann sie für sich ausprobieren, wenn man es interessant für sich findet. Ich setze es nicht in der Routine ein.

Gerhard: Ich bin 63 Jahre alt und Leistungssportler im Ultralaufbereich. Habe noch 2019 einen neuen Landesaltersrekord aufgestellt und wohl als Folge einer Covid-Erkrankung mit geringen Symptomen, kein Fieber (meine Frau war positiv danach, ich dann nicht mehr), heftigen Atem- und Leistungsproblemen. Im Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen sind viele Untersuchungen gemacht worden (Belastungs- und Langzeit-EKG, Belastungs-Echo, entsprechende Blutmarker, Spiro, alles negativ). Allerdings war meine gemessene Leistungsfähigkeit nur noch <70 Prozent eines völlig Untrainierten. Diagnose-MRT letzte Woche war aber eindeutig: Fibrose, fulminante Myokarditis wohl Ende Dezember. Jetzt Schonung mit leichter Belastung wie Radfahren, ganz langsames Laufen. Habe ich versucht, geht aber gar nicht, ich bin sofort im anaeroben Bereich. Meine Fragen: Inwieweit bildet sich eine solche Fibrose zurück? Bleibt eine Schädigung des Herzens zurück (es war ja bis auf das MRT ja nichts zu finden, keine Extraschläge)?

Sturm: Erfahrungen nach Covid-Erkrankungen haben wir bisher ja nur aus der ersten Welle, also keine Langzeitergebnisse. Ihr sehr besonderer Fall ist außerdem eine extreme Ausnahme, wegen Ihrer besonderen Anforderungen. In der Therapie gilt: vollwertige Ernährung und zunächst leichtes und physiotherapeutisch oder sportmedizinisch begleitetes Training. Auf keinen Fall zu früh zu viel machen, das kann dauerhafte Schäden verursachen. Also Ehrgeiz mal zurückstecken und an die langfristige Situation denken. Nächstes Jahr sind Sie vermutlich wieder fit, dieses Jahr muss eher dem Aufbau gewidmet werden.

HPE: Seit einer Weile habe ich fast schon regelmäßig Schmerzen, die sich über den Nacken, den Hinterkopf bis hin zu den Schläfen erstrecken. Zu diesen Schmerzen kommt auch noch ein Pfeifen im Ohr. In einer früheren Sendung wurde über einen Fall berichtet, der ähnliche Symptome aufwies. Leider hat dieser Patient die Behandlung aufgrund der aktuellen Situation (Corona) abgebrochen, sodass damals leider keine passende Behandlung präsentiert werden konnte. Was kann ich dagegen tun? Und an wen wendet man sich in so einem Fall? An einen Orthopäden, einen Zahnarzt oder wen? Und wie beschreibt man die Beschwerden? Oft habe ich es bislang erlebt, dass vorwiegend nur auf die Nackenverspannungen eingegangen wurde.

Sturm: Zusammenarbeit zwischen Orthopäden, Reha-Medizinern und Zahnärzten ist dabei besonders wichtig, da der Zahnarzt klären muss, ob wirklich eine Deformität oder ein Fehlbiss besteht (was selten ist) oder nur eine funktionelle Störung durch zum Beispiel sogenannten Bruxismus, wenn man nachts die Zähne zu hart aufeinanderbeißt, weil man aufregende Dinge vom Tag verarbeitet. Also sind beide Fachrichtungen wichtig!

Maike: Ich habe fast jeden Tag Schmerzen vom rechten Schulterblatt bis in die Schläfe. Nun wurde mir nur eine Therapie mit Stoßwellen empfohlen. Ist so eine Therapie wirksam?

Sturm: Die Schmerzen, die Sie beschreiben, kommen oft von einem Muskel der unter dem großen Nackenmuskel (Trapezius) verläuft und das Schulterblatt anheben soll (Levator scapulae). Der ist schwer zu behandeln, da er vom anderen verdeckt ist. Kann man durch schräge Kopfhaltung zur Seite dehnen, gern im Internet nachschauen auf der Bewegungs-Docs-Seite unter Nackendehnung. Stoßwelle kann dabei sogar hilfreich sein, wenn man eine Form wählt, die ausreichend Eindringtiefe durch den anderen Muskel hat, das geht aber und hilft dann mit etwa drei bis fünf Behandlungen.

Totte55: Ich hatte vor vier Monaten einen Fahrradsturz mit vierfachem Oberarmkopfbruch. Wurde operiert mit Platte und zwölf Schrauben. Bekomme Physiotherapie, versuche selbst viel Dehnungsübungen. Habe aber vor allem nachts immer noch starke Schmerzen, etwa am Trizeps, viele schmerzhafte Triggerpunkte im oberen Rücken.

Sturm: Wichtig ist nach Operationen, dass man trennen muss, was noch vom Unfall kommt und was eine Folge davon ist. Durch die Ruhigstellung nach einer OP und die Anspannung kommt es oft zur Verkürzungen seitlich am Hals an der sogenannten Skalenuslücke. Dort werden dann Nerven eingeklemmt, die zum Arm, zur Brust und zum Rücken führen, was die Beschwerden auslösen kann, wie Sie es beschreiben. Mal Skalenuslücken-Syndrom nachlesen, dagegen gibt es natürlich auch gezielte Übungen.

Mari: Können Sie Faszienrollen generell empfehlen, um sich selbst zu behandeln?

Sturm: Generell kann man nichts empfehlen, jede Therapieform ist individuell! Kommt ja immer auf das Problem an beziehungsweise welcher Muskel es ist. Vielen Menschen hilft die Faszienrolle gerade am äußeren Oberschenkel sehr gut. Für den Po sind aber zum Beispiel Faszienbälle besser, da sie kleinere Angriffspunkte haben und tiefer in den Muskel eindringen können.

queenie: Ich (69, Herzinfarkt und Herzschwäche) suche verbindliche Infos zum Sport, fühle mich innerhalb kurzer Zeit um 20 Jahre gealtert. Was kann oder sollte ich alles machen? Wie oft? Soll ich nur (!) mäßig trainieren? Habe Atemnot beim Treppensteigen.

Sturm: Bitte mit Ihrem Hausarzt besprechen oder mit dem behandelnden Kardiologen, die kennen sicher vor Ort bei Ihnen Herzsportgruppen und können Ihnen sonst, wenn die noch nicht wieder laufen, Krankengymnastik am Gerät verordnen, das ist auch in Corona-Zeiten erlaubt und man kann unter physiotherapeutischer Aufsicht vorsichtig wieder in Bewegung kommen, wenn man sich selbst noch nicht wieder richtig traut.

Jan: Sobald es zu einer Disharmonie zwischen den Muskeln durch Fehlhaltung oder Fehlstellung kommt, entstehen Verspannungen, die über die Nerven Schmerzen auslösen und die Muskeln noch mehr verspannen und noch mehr Fehlstellung auslösen. Woher weiß man, wer hier Huhn und wer das Ei ist - und was sollte man zuerst behandeln?

Sturm: Guter Vergleich, den benutze ich in der Vorlesung bei uns an der Uni auch immer. Ich neige da zu Pragmatismus: Den Nerv können wir nicht behandeln, den Muskel schon, also Hauptsache den Kreislauf aus Schmerz, Verspannung und noch mehr Schmerz unterbrechen. Wenn aber wirklich der Nerv schuld ist, wie zum Beispiel bei einem Bandscheibenvorfall, kann es sein, dass nur eine OP hilft, wenn die anderen Maßnahmen nicht reichen. Sicher sagen kann man oft nicht, was zuerst da war.

Homeworker: Nach monatelangem Arbeiten am Laptop im Homeoffice habe ich seit einigen Tagen starke Schmerzen im Nacken beziehungsweise zwischen den Schultern. Wie kann ich effektiv gegensteuern?

Sturm: Wichtig sind Bewegungspausen, wie bei unseren Musikerinnen. Also oft aufstehen, Schultern kreisen und dabei große, weiche Bewegungen machen. Dehnung gezielt, wenn sich was verhärtet, aber vor allem bewegen, bewegen, bewegen! Das hilft am besten gegen das Homeoffice-Syndrom.

Wolfgang H.: Seit einer Herz-OP und langen Liegezeiten mit Schmerzen in der Hüfte, hat sich bei mir eine Peroneuslähmung ergeben. Aufgrund diverser weiterer Vorerkrankungen ist Sport nun nicht mehr uneingeschränkt möglich. Was empfehlen Sie?

Sturm: Dass Sport dann uneingeschränkt möglich wäre, wäre ja auch eher überraschend. Wichtig ist, dass man dranbleibt und mit kleinen Schritten weiter vorangeht. Nicht die Geduld mit sich und den Therapeuten verlieren, jeder kleine Fortschritt zählt. Schonend beginnen und langsam steigern. Wenn sie zu schnell zu viel machen, wird es wieder schlechter.

Anja: Ich bin 29 Jahre alt und habe seit vielen Jahren ein HWS-Syndrom. Häufig sind damit starke Schmerzen verbunden, bei denen Schmerzmittel nicht helfen. Die Muskulatur, besonders der Trapezmuskel, ist sehr verspannt und verhärtet. Massagen, Osteopathie und Ähnliches haben leider nie nachhaltigen Erfolg gebracht. Was kann ich tun?

Sturm: Wichtig ist dabei, die Art des Schmerzes zu verstehen und gezielt zu behandeln. Wenn ein antientzündliches Mittel nicht hilft, dann ist es auch wahrscheinlich kein Entzündungsschmerz. Bei Verspannungen ist aber Schmerzreduktion auch mit Tabletten wichtig, damit man aus dem Teufelskreis Verspannung und Schmerz rauskommt. Da kann zum Beispiel Tramal oder Metamizol eine sinnvolle Alternative sein zum klassischen Ibuprofen oder Paracetamol. Eigentlich gibt es für fast jeden Schmerz ein passendes Medikament, was einem aus dem Kreislauf raushilft.

physiobachelor: Die Übung zur Dehnung der Nackenmuskulatur, indem der Kopf mit der Hand zur Seite gezogen wird, sind seit Jahren bei vielen Experten in der Kritik, da sie eine zu große Belastung auf die Halswirbelsäule ausübt. Dies wird auch mittlerweile in einigen Studien bewiesen. Auch das allgemeine Aufwärmen als Verletzungsprophylaxe werden in einigen Studien schon widerlegt.

Sturm: Ja, ist mir bekannt, aber natürlich gibt es nicht die eine Therapie, die für alle hilft und auf die Details kommt es an. Meiner Erfahrung nach helfen diese Übungen in den meisten Fällen von normalen Alltagsbeschwerden. In Einzelfällen wie einer Instabilität oder nach großen Bandscheibenvorfällen wird die Therapie ja sowieso ärztlich verordnet, also auch dem Einzelfall angepasst. Und natürlich gibt es auch Studien, die zeigen, wie gut es hilft und wie gut Aufwärmen ist. Das ist Wissenschaft, jede Meinung ist erlaubt und für die meisten finden sich auch Belege. Deshalb gibt es ja Ärzte und Physiotherapeuten, um jedem Betroffenen individuell zu helfen. Toll, dass Sie da so interessiert und korrekt dran sind.

Ulli: Ich habe demnächst fünf Termine zum Spritzen. Ich leide an Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich. Würden Sie diese Behandlung befürworten?

Sturm: Da ich nicht weiß, was und wohin gespritzt werden soll, kann ich die Frage so pauschal leider nicht beantworten. Lassen Sie sich genau erklären, was die Idee dabei ist und was es genau verändern soll. Wenn Sie nicht überzeugt sind nach einem Gespräch, dann eher lassen. Ich bin immer eher zurückhaltend mit Spritzen.

KarlaK: Ich spiele Querflöte und habe auch oft Nackenschmerzen, ähnlich wie die Geigenspielerinnen aus der Sendung. Sind bei mir die gleichen Übungen sinnvoll?

Sturm: Ja, ich denke die Übungen sollten bei Ihnen auch ganz gut passen. Kann das aber natürlich nicht aus der Ferne sagen, da ich nicht weiß, was genau Ihnen weh tut. Bewegung ist vor allem wichtig, um die lange stille Haltung in der Verdrehung auszugleichen. Viel Erfolg beim Ausprobieren.

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Dieses Thema im Programm:

Die Bewegungs-Docs | 01.03.2021 | 21:00 Uhr

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