Bücherjournal

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 04. Dezember 2019, 00:00 bis 00:45 Uhr

Julia Westlake moderiert das Bücherjournal.

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"Extreme Sicherheit": Rechtsextreme im Staatsdienst

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"Extreme Sicherheit": Rechte im Staatsdienst

Die Journalisten Matthias Meisner und Heike Kleffner haben über rechtsextreme Vorfälle in Sicherheitsbehörden recherchiert und ein Buch zu dem Thema veröffentlicht: "Extreme Sicherheit". Video (05:13 min)

Immer wieder wird über rechtsextreme Vorfälle in Polizei, Verfassungsschutz, Bundeswehr oder Justiz berichtet. Daran schließt sich fast immer die Frage an: Geht es um Einzelfälle oder gibt es rechtsextreme Gruppen und Netzwerke in den Sicherheitsbehörden? Die Journalisten Matthias Meisner und Heike Kleffner haben Fälle rechter bis rechtsextremer Staatsdiener zusammengetragen und ein Buch zu dem Thema veröffentlicht: "Extreme Sicherheit". Die Texte darin behandeln Phänomene wie den hessischen NSU 2.0, die rechtsradikale Prepper-Szene in Mecklenburg-Vorpommern, Ku-Klux-Klan-Anhänger in der baden-württembergischen Polizei oder Reichsbürger im Umfeld der bayerischen Polizei. "Wer immer nur von Einzelfällen redet, der hat die Dimension dieses Problems nicht verstanden", sagt Meisner. "Extreme Sicherheit" ist ein Gemeinschaftswerk investigativer Journalisten von ARD, "FAZ" bis "taz".

"Quichotte": Salman Rushdies Update des Weltklassikers

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Wenn Quichotte heute leben würde

Cervantes' "Don Quijote" verliert seinen Verstand, weil er zu viele Ritterromane liest. Salman Rushdie findet in den TV-Shows ein überzeugendes Äquivalent für unsere Zeit. mehr

Der große Salman Rushdie hat einen neuen Roman geschrieben: "Quichotte" ist ein fulminantes Update von Miguel Cervantes' Meisterwerk. Mit überschäumender Lust am Fabulieren hat Rushdie die Geschichte des Ritters von der traurigen Gestalt aus dem Spanien des 17. Jahrhunderts in die US-amerikanische Gegenwart geholt. Das Buch erzählt eine Geschichte in der Geschichte und spielt auf mehreren Ebenen zwischen Raum und Zeit, zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Rahmenhandlung: Ein in New York lebender Autor indischer Abstammung erzählt von den Abenteuern eines modernen Don Quijote. Den schickt er als alternden Pharmavertreter und Fernsehsüchtigen auf eine Reise quer durch Amerika mit dem Ziel, eine wunderschöne Talkshow-Masterin für sich zu gewinnen. Mit dabei auf dem Beifahrersitz ist Sancho, der Sohn, den sich Quichotte immer gewünscht hat, aber nie bekam. Rushdie verknüpft literarische Genres vom Spionagethriller bis zum Science-Fiction-Roman, greift aktuelle Themen auf wie Klimawandel und Fake News, Rassismus und die Opioid-Krise in den USA.

Robert Macfarlanes Buch "Im Unterland"

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Die unheimliche Welt unter der Erde

Das Buch "Im Unterland" des britischen Schriftstellers Robert Macfarlane hat bereits einige Preise gewonnen. Nun hat Macfarlane dafür auch den diesjährigen NDR Kultur Sachbuchpreis bekommen. mehr

Robert Macfarlane hat Orte und Dinge gesehen, die den meisten Menschen verborgen bleiben: Tausende Jahre alte unterirdische Begräbnisstätten, das gigantische Katakombenlabyrinth von Paris, vorzeitliche Höhlenmalereien auf den Lofoten, unterirdische Gletscher in Slowenien, das Innere eisblauer Gletscherspalten auf Grönland und ein in die tiefsten Tiefen gebautes Atommüll-Endlager in Finnland. Wie in seinen früheren Büchern ist Robert Macfarlane fasziniert von den "Beziehungen zwischen Landschaften und dem Inneren des Menschen". Seine einheimischen Führer, die ihm den Weg ins "Unterland" weisen, stehen deshalb mit im Zentrum seiner Berichte. Sie zeigen ihm, auf wie vielfältige Weise Menschen die Erde verändern, ausbeuten und sie mit ihrem giftigen Abfall auffüllen. Für seinen ebenso poetischen wie ergreifenden Bericht "Im Unterland" aus der Tiefe unseres Planeten hat Robert Macfarlane den NDR Kultur Sachbuchpreis bekommen.

Der Vater als Pflegefall: "Otto" von Dana von Suffrin

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Ein unmöglicher, fürchterlicher, wunderbarer Vater

Dana von Suffrin erzählt in ihrem Debütroman "Otto" von einem alten jüdischen Patriarchen, der zum Pflegefall wird und dabei sehr viel meckert. Zum Leidwesen seiner Töchter. mehr

Wenn der eigene Vater zum Pflegefall wird, dann ändert sich für die Kinder oft das ganze Leben. Wenn der hilfsbedürftige Vater auch noch ein herrischer Sturkopf ist, dann ist das oft tragisch und unfreiwillig komisch zugleich. Die Schriftstellerin Dana von Suffrin erzählt in ihrem Debüt-Roman von solch einem Fall: Otto, pensionierter Ingenieur und jüdischer Familienpatriarch, kommt aus dem Krankenhaus zurück nach Hause und terrorisiert seine beiden Töchter und seine Pflegerin aus Ungarn. Alte Familienkonflikte brechen auf, es folgt eine Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit - und mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Dana von Suffrin wurde für "Otto" von der Kritik hoch gelobt. Als Gast im Bücherjournal spricht sie über ihren Roman und über die Herausforderung, wenn Eltern älter werden.

"Die Jakobsbücher": Nobelpreis für Olga Tokarczuk

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"Die Jakobsbücher" der Nobelpreisträgerin Tokarczuk

Im Roman "Die Jakobsbücher" fördert die Literatur-Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk auf mehr als 1.000 Seiten die verschüttete Geschichte des jüdischen Mystikers Jakob Frank zutage. mehr

Gleich zwei Nobelpreise für Literatur werden am 10. Dezember verliehen: Den Preis für 2019 bekommt Peter Handke, über seine Nominierung wird seit Wochen heftigst diskutiert. Die zweite Preisträgerin (für das Jahr 2018) ist dabei etwas in den Hintergrund geraten, dabei ist sie eine großartige Schriftstellerin und politische Kritikerin: Olga Tokarczuk aus Polen. Mit ihren liberalen, feministischen und autoritätskritischen Ansichten eckt sie bei der PiS-Partei und ihren Anhängern an, von den rechten Medien ihrer Heimat wird sie gar als Verräterin verschrien. Die andere Hälfte der Gesellschaft feiert sie als wichtige Stimme Polens, die den gedanklich-philosophischen Reichtum des Landes mit präziser Sprache einfängt. So wie in ihrem vor kurzem auf Deutsch erschienenen Roman "Die Jakobsbücher". Auf fast 1.200 Seiten schaut sie auf Polens Vergangenheit, als das Land eine multi-ethnische Adelsrepublik war. Im Mittelpunkt: ein jüdischer Mystiker, der verschiedene Religionen ausprobiert. Ein historischer und gleichzeitig hochaktueller Roman, in dem Tokarczuk auch den Antisemitismus in Polen benennt. Außerdem erscheint jetzt ihr Buch "Gesang der Fledermäuse".

Die Obamas: Der Bildband "Hope, Never Fear"

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Persönlicher Blick auf die Obamas

"Das Amt des Präsidenten zeigt, wer du wirklich bist", sagt die Fotografin Callie Shell, die Michelle und Barack Obama über Jahre begleitet hat. Ihre Fotos zeigen Momente des Privaten. mehr

Spätestens seit der Ukraine-Affäre um Donald Trump, nach immer neuen Verbalattacken und Entgleisungen des amtierenden Präsidenten der USA sehnt man sich umso mehr dessen Vorgänger zurück. Ein aktueller Bildband liefert nun einen persönlichen Blick auf die Obamas. Die Fotografin Callie Shell fotografierte Barack Obama bereits, als er noch nicht Präsident war. Später hat sie ihn und seine Familie durch ganz Amerika begleitet: Fotos in Wahlkampfbussen, beim Abwasch, aber natürlich auch im Weißen Haus. Große Inszenierungen sind darin zu sehen, vor allem aber kurze Momente des Privaten, denn Shell kam den Obamas nahe: "Hope, Never Fear: Michelle und Barack Obama. Ein persönliches Porträt" heißt ihr Buch. Außerdem sind die Bilder noch bis zum 1. März 2020 in einer Ausstellung im Münchner Amerikahaus zu sehen.

Deniz Utlus Roman "Gegen Morgen"

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NDR Buch des Monats November: "Gegen Morgen"

Wie trifft man die richtigen Entscheidungen? In Deniz Utlus Roman "Gegen Morgen" gerät der Protagonist Kara in eine Krise und stellt alles infrage. Das NDR Buch des Monats. mehr

Jeden Tag treffen wir zahlreiche Entscheidungen für unser Leben. Was ist mit den vielen Möglichkeiten, die dabei auf der Strecke bleiben? Was kosten uns falsch getroffene Entscheidungen, was kostet uns der Verzicht? Mit solchen Fragen beschäftigt sich Kara, der Ich-Erzähler in dem Roman "Gegen Morgen". Er arbeitet für eine Versicherung und soll berechnen, wie viel das Leben eines Menschen wert ist. Nachdem er beinahe mit dem Flugzeug abgestürzt ist, zieht er selbst Bilanz über sein Leben. Im Mittelpunkt stehen seine alten Freunde und Mitbewohner. Der Karrierist Vince: Führt er ein besseres Leben? Und der rätselhafte Ramon: Ist er ein Lebenskünstler oder nur ein Loser? Der gebürtige Hannoveraner Deniz Utlu hat mit "Gegen Morgen" seinen zweiten Roman veröffentlicht, in dem er verschiedene Lebensprinzipien aufeinanderprallen lässt. Am 4. Dezember erhält er für seien literarische Arbeit den Literaturpreis der Landeshauptstadt Hannover.

Der Fotoband "Eisbären" von Jochen Raiß

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Eisbären als kurioses Fotomotiv vergangener Zeiten

Eisbären auf der Skipiste, im Strandkorb, auf einer Bank, Arm in Arm mit Frauen, Männern und Kindern: Es sind kuriose Fotos, die der Hamburger Sammler Jochen Raiß zusammengetragen hat. mehr

Es sind merkwürdige Fotos, die der Hamburger Sammler Jochen Raiß zusammengetragen hat: Sie zeigen Menschen gemeinsam mit Eisbären im Park oder am Strand - oder auch Eisbären, die fröhlich mit kleinen Kindern posieren. Die skurrilen Schwarz-Weiß-Aufnahmen stammen aus den 20er- bis 50er Jahren und zeigen keine echten Tiere, sondern Menschen in Eisbär-Kostümen, die damit vermutlich etwas Geld verdienten. Eine Auswahl der Fotos hat Jochen Raiß jetzt in einem Bildband veröffentlicht: "Eisbären". Solche Aufnahmen waren damals offensichtlich besonders beliebt. Heute können wir echte Eisbären tausendfach im Netz anschauen - während wir gleichzeitig dafür sorgen, dass das Tier selbst bedroht ist.

Moderation
Julia Westlake
Redaktionsleiter/in
Christoph Bungartz
Produktionsleiter/in
Katja Theile
Redaktion
Niels Grevsen