Bücherjournal

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 17. April 2019, 00:00 bis 00:45 Uhr

Bücherjournal vom 16.04.2019 mit Julia Westlake.

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Eine andere Geschichte der BRD: "Republik der Angst" von Frank Biess

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Ein lesenswertes Buch über deutsche Ängste

In "Republik der Angst" schreibt der Historiker Frank Biess über die Ängste der Deutschen in der Nachkriegszeit: Angst vor dem Atomtod, vor Automatisierung, Terror und Waldsterben. mehr

Es ist eine neue und ungewöhnliche Sicht auf die Bundesrepublik. Der Historiker Frank Biess erzählt die Geschichte der Bundesrepublik in seinem neuen Buch als eine Geschichte kollektiver Ängste. Sie beginnt unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Angst der Deutschen vor der Vergeltung der Juden und Besatzungsmächte. Das ist der Start einer im Vergleich zu anderen europäischen Staaten beispiellosen Abfolge von kollektiven Ängsten, die über Jahrzehnte die politische Kultur des Landes prägten - von der Angst vor dem Atomtod, der Angst vor der Automatisierung der Industrie, Angst vor der Entwicklung zu einem autoritären Staat bis zur Angst vor dem Terror der RAF, vor Waldsterben und atomarer Katastrophe. Gleichwohl sind die Deutschen für Frank Biess kein zur Apokalypse neigendes Volk. Vielmehr sind es die traumatischen Erfahrungen von Krieg und Faschismus, die alle Anläufe zu einer nationalen Normalität bis heute kontaminieren. Frank Biess spricht über sein Buch "Republik der Angst" im Deutschen Historischen Museum, wo gerade eine Werkschau des Fotografen Stefan Moses gezeigt wird: Bilder eines Nachkriegsalltags, der jeden Moment ins Bizarre zu kippen droht.

Traumschiff und Drecksschleuder: Ein Buch über die Auswirkungen des Kreuzfahrt-Booms

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Kreuzfahrt: Abrechnung mit den "Albtraumschiffen"

Er nennt sie "Monsterschiffe". In seinem Buch "Wahnsinn Kreuzfahrt" rechnet Wolfgang Meyer-Hentrich mit der Kreuzfahrt-Industrie ab. Sie zerstöre Städte und gefährde die Umwelt. mehr

Als "Alptraum- und Monsterschiffe" bezeichnet der Autor Wolfgang Meyer-Hentrich die neuen Riesen-Schiffe in seinem Buch "Wahnsinn Kreuzfahrt". Es ist eine Abrechnung mit dem modernen Kreuzfahrt-Tourismus, früher nur Millionären vorbehalten, mittlerweile aber ein Massentrend. Auch aus Hamburg, Rostock und Kiel laufen immer mehr Kreuzfahrtschiffe aus. Doch der Widerstand gegen diesen Boom wird größer: Umweltschützer vom NABU schlagen Alarm, denn die Schadstoffe der Schiffe verseuchen Meer und Luft. Kreuzfahrtziele wie Venedig, Barcelona oder Dubrovnik wollen sich gegen die Überflutung der Schiffstouristen wehren. In Dubrovnik zum Beispiel legen manchmal bis zu acht Schiffe zur gleichen Zeit an. Dann strömen Tausende Touristen ins UNESCO-Weltkulturerbe Dubrovnik, vermüllen die Stadt und ziehen nach einem Tag weiter. Die UNESCO hat mit dem Entzug des Titels gedroht, falls der Massenansturm nicht gestoppt wird.

Die Traumata der Kriegsgeneration: Johannes Böhmes Buch über seine Großmutter

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Worte für das Kriegstrauma einer Generation

In "Das Unglück schreitet schnell" schreibt Johannes Böhme mit großer Offenheit über das Leben seiner Großmutter. Er bringt uns nahe, wie der Krieg Menschen bricht. Unser NDR Buch des Monats. mehr

Er hatte kein besonders herzliches Verhältnis zu seiner Oma, sie blieb ihm oft rätselhaft. Erst nach ihrem Tod machte er eine Entdeckung, die ihm dann ein ganz neues Bild lieferte: Johannes Böhme, 1987 geboren, aus Pinneberg bei Hamburg, hat im Nachlass der Großmutter Liebesbriefe ihres ersten Mannes gefunden, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg war. Der letzte Brief stammt aus Stalingrad im Januar 1943. Für sein jetzt erschienenes Buch "Das Unglück schreitet schnell" hat Böhme die Briefe der beiden studiert, in der eigenen Familie nachgeforscht, aber auch anderthalb Jahre in Archiven recherchiert und sich auf die Reise gemacht nach Russland, auf den Spuren des Wehrmachtssoldaten. Mit den Briefen begibt er sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Er zeichnet den Alltag im Krieg, von ganz normalen Leuten, was sie dachten, wie sie liebten. Und zeigt, wie die unbearbeiteten Traumata der Kriegsgeneration auch die nächsten Generationen noch überschatten. "Das Unglück schreitet selbst" ist unser NDR Buch des Monats im April.

Das wunderbare Lehrbuch "Deutsch für alle": Abbas Khider als Gast im Bücherjournal

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Abbas Khider als Gast im Bücherjournal

Abbas Khider hat einen radikalen Plan: Er will die deutsche Sprache vereinfachen. Im Bücherjournal spricht der Schriftsteller mit Julia Westlake über sein Buch "Deutsch für alle". Video (05:40 min)

Vom Flüchtling zum Schriftsteller: Abbas Khider musste seine Heimat, den Irak, aus politischen Gründen verlassen. Wegen Aktivitäten gegen den Diktator Saddam Hussein war er mehrfach verhaftet und auch gefoltert worden. 2000 kam er in die Bundesrepublik und musste hier die deutsche Sprache lernen. Inzwischen ist Khider ein anerkannter Schriftsteller, ausgezeichnet unter anderem mit dem Nelly-Sachs-Preis, dem Hilde-Domin-Preis und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis. Doch jetzt hat er einen radikalen Plan: In seinem Lehrbuch "Deutsch für alle" will er diese Sprache endlich vereinfachen. Er stellt grammatikalische Eigenarten infrage: Wozu steht das Verb bei Nebensätzen am Ende, oder warum müssen Adjektive passend zum Substantiv gebeugt werden? Und er liefert radikale Verbesserungsvorschläge: Der Genitiv und der Dativ werden abgeschafft, Verben stehen im Satz generell an zweiter Stelle, und die Zahl der Personalpronomina wird radikal reduziert. Das ist natürlich nicht ganz ernst gemeint, aber wunderbar zu lesen, oft komisch, und außerdem lernt man tatsächlich viel über die deutsche Sprache - ob als Muttersprachler oder als Zugezogener. Als Gast im Bücherjournal fordert er "Deutsch für alle". Untertitel: "Das endgültige Lehrbuch".

Angriff auf die Demokratie: Ein Buch über "Das Netzwerk der Neuen Rechten"

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Einblick in eine grölende Parallelgesellschaft

Christian Fuchs und Paul Middelhoff haben ein Buch über die Neuen Rechten geschrieben. Es entlarvt das Milieu als das, was es ist: gefährlich, engmaschig, dynamisch. mehr

Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, haben die Neuen Rechten ein einflussreiches Netzwerk geknüpft. Dazu gehören Verlage, Unternehmen, Think Tanks, Vereine, Stiftungen und Internetplattformen. Ihr Ziel: rechtes Gedankengut raus aus der Szene und mitten hinein in die Gesellschaft zu bringen. Die beiden Journalisten Christian Fuchs und Paul Middelhoff sind ihnen seit Jahren auf der Spur. Sie haben im Milieu recherchiert, mit den führenden Köpfen gesprochen und Verbindungen zu Sponsoren und geheimen Geldgebern verfolgt. In ihrem Buch "Das Netzwerk der Neuen Rechten" decken sie das Beziehungsgeflecht auf, von dem aus viele Fäden zur AfD führen.

Schreiben gegen die Ungerechtigkeit: Die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan

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Gewalt und Zensur in der Türkei

"Das Haus aus Stein" von der türkischen Autorin Asli Erdoğan liest man nicht in einem Rutsch. Es ist ein schmerzhaftes Buch mit Bildern, die einen lange verfolgen. mehr

Asli Erdoğan forschte als junge Physikerin am Genfer Spitzeninstitut CERN. Ihre Beobachtungsgabe und ihr Sinn für Sprache ließen sie zur Schriftstellerin werden. Umso erstaunter war sie, als eines Tages nach dem Putsch gegen Präsident Erdogan (mit dem sie nicht verwandt ist) schwerbewaffnete Männer in ihrem Wohnzimmer standen, um sie ins Gefängnis zu verfrachten. Die zierliche Frau, die nichts getan hatte als in einem Zeitungsartikel das Schicksal einer Gruppe von Kurden zu beschreiben, die Opfer eines Armeeangriffs wurden, war über Nacht von der hochdekorierten Dichterin zur Terrorverdächtigen geworden. Sie kam ins Gefängnis. Dann gelang Asli Erdoğan die Ausreise. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gewährte ihr ein Stipendium. Im Frankfurter Exil löste sich Erdoğan Schreibblockade. Nun ist ihr Roman "Haus aus Stein" auf Deutsch erschienen. In dem bereits vor der Verhaftung geschriebenen Buch, das sie nun um einen aktuellen Essay ergänzt hat, geht es um ein Gefängnis.

Fantasievoll, bunt und verspielt: Kat Menschiks illustriertes Kochbuch

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Ein Kochbuch wie ein Bilderbuch

Kat Menschiks Kochbuch "Essen essen" ist ein buntes Bilderbuch mit vielen Rezepten und Geschichten. Es macht gute Laune und vor allem Lust, selbst zum Kochlöffel zu greifen. mehr

Als Illustratorin gestaltet Kat Menschik normalerweise Weltliteratur von Haruki Murakami bis Thomas Mann. Sie ist aber nicht nur Illustratorin, sie kann auch gut kochen. Diese beiden Leidenschaften verbindet sie nun in ihrem neuen Buch: "Essen essen" ist weit mehr als ein Kochbuch: eher ein gutgelaunter Ratgeber für das unkomplizierte Leben. Kochbücher kennt man mit Hochglanzfotos und präzisen Mengenangaben. Bei Kat Menschick sieht das ein bisschen anders aus: Ihre Lebensmittel führen ein Eigenleben.

Moderation
Julia Westlake
Redaktionsleiter/in
Christoph Bungartz
Produktionsleiter/in
Katja Theile
Redaktion
Niels Grevsen