Bücherjournal

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 26. August 2020, 00:00 bis 00:45 Uhr

"Die Elenden": Anna Mayr über Armut in Deutschland

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Autorin Anna Mayr © Anna Tiessen

Wie Armut den sozialen Zusammenhalt gefährdet

Anna Mayr erlebte selbst Armut und lebte als Kind am Rande der Gesellschaft. Mit "Die Elenden" hat sie ein analytisches und politisches, aber auch sehr persönliches Buch geschrieben. mehr

2,8 Millionen Kinder und Jugendliche leben hierzulande in Armut, mehr als ein Fünftel aller unter 18-Jährigen. Die Bertelsmann Stiftung hat diese Zahl gerade veröffentlicht - mit dem Hinweis darauf, dass Corona die Lage verschärft.  Die Journalistin Anna Mayr hat selbst Armut erlebt, stand schon als Kind am Rande der Gesellschaft. Aufgewachsen ist sie als Tochter zweier Langzeitarbeitsloser. Sie weiß, was es heißt, von Hartz IV zu leben, kennt die ständige Sorge ums Geld und das Gefühl, nicht dazuzugehören. Darüber hat sie jetzt ihr erstes Buch geschrieben: "Die Elenden". Es ist ein analytisches, ein politisches, aber auch ein sehr persönliches Buch aus der Perspektive derjenigen, die beide Welten kennt: die der Abgehängten und die der Arrivierten. Das Bücherjournal stellt "Die Elenden" vor und spricht außerdem mit Armutsforscher Christoph Butterwegge, der unter anderem das Buch "Die zerrissene Republik" veröffentlicht hat.

Sexismus im Fußball: Buch von Claudia Neumann

Claudia Neumann © ZDF Foto: Rico Rossival
Sport-Reporterin Claudia Neumann erlebte im Job Sexismus und Häme und schrieb darüber ein Buch.

Fußball ist noch oft Bastion der Männer. Macht hier eine Frau den Mund auf, sind ihr Sexismus und Häme sicher. Das musste auch Sport-Reporterin Claudia Neumann erleben. Sie war die erste Frau in Deutschland, die live im Fernsehen ein Männerspiel kommentierte, 2016 bei der EM. Die Empörung war groß: Sie solle zurück in die Küche, twittern Männer, und weitere diskriminierende Kommentare. Ihre Kompetenz wurde infrage gestellt, nur weil sie eine Frau ist. Jetzt hat Claudia Neumann ihre Geschichte aufgeschrieben: "Hat die überhaupt ne Erlaubnis, sich außerhalb der Küche aufzuhalten?" hat sie ihr Buch selbstironisch genannt. Darin schreibt über ihren Werdegang als Fußballfan und Fußballjournalistin. Und sie zeigt, wie frustrierend, ungerecht und diskriminierend es auch heute noch sein kann, wenn man in einem der fortschrittlichsten Länder der Erde eine Frau ist.

"Sicherheitszone": Roman von Katrin Seddig

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Cover des Buchs "Sicherheitszone" von Katrin Seddig © Rowohlt Berlin

Hamburger Autorin Katrin Seddig erhält Hubert-Fichte-Preis

Die Hamburger Autorin Katrin Seddig erhält den Hubert-Fichte-Preis 2020. Sie aktueller Roman "Sicherheitszone" war das NDR Buch des Monats August. mehr

Es sollte ein friedlicher Gipfel werden, so kündigten die Verantwortlichen im Vorfeld an. Gekommen ist es anders: Beim G20-Gipfel in Hamburg 2017 gab es schwere Krawalle und Gewalt zwischen Polizei und Demonstranten. Besonders umstritten war die Auflösung der Demonstration "Welcome to hell". Schriftstellerin Katrin Seddig hat die Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Kritikern zum Thema ihres neuen Romans gemacht: "Sicherheitszone". Sie beschreibt den Gipfel aus der Perspektive einer Familie, die ohnehin schon auseinanderbricht: Der Vater hat eine Geliebte und ist ausgezogen, die Mutter sucht einen Neuanfang im Leben und die Geschwister haben sich voneinander entfremdet. Denn der Sohn ist Polizist, bereitet sich auf seinen Einsatz beim Gipfel vor, die Tochter engagiert sich bei "Jugend gegen G20". Am Beispiel dieser Familie erzählt Katrin Seddig von den verschiedenen Fronten in unserer Gesellschaft, sie zeigt alle Seiten mit ihren Widersprüchen und blinden Flecken. "Sicherheitszone" ist ein großer Familienroman und eine G-20-Geschichte zugleich - unser NDR Buch des Monats. Katrin Seddig spricht als Gast im Bücherjournal mit Julia Westlake über ihren Roman und über den Riss in unserer Gesellschaft, der bis einzelne Familien hineingeht.

"Das Meer in meinem Zimmer": Roman von Jana Scheerer

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Cover des Buchs "Das Meer in meinem Zimmer" von Jana Scheerer © Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung GmbH

Fern von Watt-Romantik: "Das Meer in meinem Zimmer"

Eine Familie auf einer Nordseeinsel: Als der psychisch kranke Vater stirbt, gerät ihre Welt ins Wanken. Jana Scheerers Roman ist fern von Watt-Romantik und doch voller Humor. mehr

Ein beeindruckender Familienroman, in dem das norddeutsche Wattenmeer eine ganz besondere Rolle spielt: Jana Scheerer erzählt in ihrem Buch "Das Meer in meinem Zimmer" von einer Familie, die auf einer Nordsee-Insel lebt. Der Vater ist psychisch krank, besessen auf der Suche nach einem Schiffswrack. Die Familie leidet unter seinen Obsessionen. Schriftstellerin Jana Scheerer beschreibt einfühlsam aus der Kinder-Perspektive, was es bedeutet, mit einem kranken Vater aufzuwachsen - und mit einer Mutter, die Probleme lieber ausblendet. Obwohl das Thema ernst ist, erzählt Jana Scheerer mit Leichtigkeit und immer wieder auch mit Situationskomik.

"Sei kein Mann": JJ Bolas neue Vision von Männlichkeit

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Cover des Buches "Sei kein Mann" von JJ Bola. © Hanser Verlag

JJ Bolas neue Vision von Männlichkeit

JJ Bola hat als Sozialarbeiter beobachtet, wie junge Männer an den Erwartungen an sie zerbrechen. In seinem Buch "Sei kein Mann" schildert er seine ganz eigene Vision von Männlichkeit. mehr

Er hat das Buch geschrieben, das er als Jugendlicher gern gelesen hätte: Denn Jungs stehen unter enormen Druck, einem Männlichkeits-Ideal zu entsprechen, bei dem Gefühle als Schwäche ausgelegt werden, sagt JJ Bola. Geboren in Kinshasa im Kongo, ist er als Kind nach London gekommen und wuchs dort in einer Brennpunkt-Siedlung auf. Er arbeitete als Sozialarbeiter mit Jugendlichen, die psychische Probleme haben. Obwohl Männer in unserer Gesellschaft die privilegierteren Positionen haben, leiden doch viele unter den starren Erwartungen, an denen manche zerbrechen. "Dasselbe System, das Männer in der Gesellschaft bevorzugt, ist am Ende auch das System, das sie einschränkt, ihr Wachstum hemmt und schließlich zu ihrer Zerstörung führt", schreibt Bola. So werden mehr Männer als Frauen Gewalttäter und Selbstmord ist die häufigste Todesursache von Männern unter 35. Bolas Plädoyer "Sei kein Mann" ist ein wichtiger Appell für ein neues Verständnis von "Männlichkeit".

Eleganz und Armut: Fotoband über die "Sapeurs" im Kongo

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Der 43-jährige Maxime Pivot Mabanza, fotografiert 2017 in Brazzaville. © Tariq Zaidi

Wie die "Sapeurs" mit Mode das Leben feiern

Männer in Designer-Jacketts, Frauen in Nadelstreifen-Anzügen: Fotograf Tariq Zaidi hat Anhänger der Modebewegung "La Sape" in Brazzaville und Kinshasa porträtiert. mehr

Sie nennen sich "Sapeurs" und "Sapeuses", die schrill-eleganten Gentlemen und Ladies aus den Armenvierteln von Kinshasa und Brazzaville: Männer in bunten Designerjacketts mit Einstecktuch, Spazierstock und Krokodillederschuhen, Frauen in Nadelstreifenanzügen mit Accessoires von Dior, Gucci oder Chanel. Wer zum ersten Mal sieht, wie sie die staubigen Gassen in einen Catwalk verwandeln, reibt sich verwundert die Augen, um sich dann von ihrer Lebensfreude anstecken zu lassen. Auch der renommierte Londoner Fotograf Tariq Zaidi war von ihnen fasziniert, als er ihnen auf einer Afrika-Reise begegnete. Er beschloss, zurückzukommen und ihren Lebensstil näher kennenzulernen. Jetzt ist sein Bildband "Sapeurs. Ladies & Gentlemen of the Congo" erschienen.  

"Marta schläft": Thriller von Romy Hausmann   

Cover des Buches "Marta schläft" von Romy Hausmann © dtv Verlag
"Marta schläft" ist ein komplex gebauter Roman voller verschlungener Erzählstränge.

Mit ihrem ersten Thriller "Liebes Kind" landete Romy Hausmann sofort einen Bestseller: Platz 1 auf der "Spiegel"-Liste. Dabei geht es ihr gar nicht um Schockmomente oder den Gruselfaktor, als Autorin interessiert sie sich vielmehr für die Psychologie der Menschen: "Ich mache einfach Literatur. Ich erzähle Geschichten", sagt sie. "Ich möchte mich nicht in diese Genre-Schublade Thriller stecken lassen." "Marta schläft", ihr zweiter Thriller, ist ein komplex gebauter Roman voller verschlungener Erzählstränge. Nichts ist, wie es scheint: Eine Frau verblutet in der Badewanne, und ihre kleine Tochter wird als Täterin verhaftet. War es Notwehr, weil sie von der eigenen Mutter vernachlässigt und misshandelt wurde? Jahre später wird die Tochter, die mutmaßliche Täterin von einst, selbst zum Opfer und gerät in eine Mord-Intrige.

Moderation
Julia Westlake
Redaktionsleiter/in
Christoph Bungartz
Redaktion
Niels Grevsen
Produktionsleiter/in
Katja Theile