die nordreportage: Im Zeltlager der Hallig-Retter

Montag, 04. September 2017, 18:15 bis 18:45 Uhr
Mittwoch, 06. September 2017, 11:30 bis 12:00 Uhr

Wenn Ende Juni die Brutzeit zu Ende geht und die meisten Brutvögel abgezogen sind, wird aus der einsamen Vogelhallig Norderoog ein Zeltcamp. Dann kommen junge Leute von überall her, um für insgesamt acht Wochen auf Norderoog zu leben und zu arbeiten. Unter erschwerten Bedingungen reparieren sie Lahnungen, bauen Ufermatten und ziehen Grüppen an den sonst ungeschützten Ufern. Ohne dieses freiwillige Engagement der Naturschützer gäbe es die Hallig schon lange nicht mehr, denn Sturmfluten und Eisgang nagen jeden Winter an Norderoog und sind eine unberechenbare Bedrohung.

Engagierte Naturschützer

Die Hallig liegt 25 Kilometer vor der Festlandsküste, südlich von Hallig Hooge. Jedes Jahr kommen Tausende von Seevögeln nach Norderoog. Hier können sie vom Menschen ungestört brüten und ihre Jungen aufziehen. Die Brandseeschwalbe zum Beispiel gilt in Schleswig-Holstein als vom Aussterben bedroht. Die Hallig ist ihr letzter regelmäßiger Brutplatz mit bis zu 5.000 Paaren.

Die Einsätze sind anstrengend

Die Workcamps finden von Mitte Juli bis Mitte September im 14-tägigen Wechsel viermal statt. Die bis zu 20 Teilnehmer pro Gruppe, die mit einem Charterschiff nach Norderoog kommen, sind zwischen 18 und 30 Jahre alt. Bei Niedrigwasser arbeiten sie unter Anleitung von Profis auf den verschiedenen Hallig-Baustellen, bei Hochwasser holen sie mit Booten das Baumaterial, die Faschinen und Pfähle, vom Schiff herunter, das weiter draußen ankert. Die Einsätze sind anstrengend und werden bei fast jedem Wetter durchgeführt. Aber neben der Arbeit gibt es auch Zeit für naturkundliche Beobachtungen.

Die Teilnehmer schlafen in Gemeinschaftszelten. Die Mahlzeiten nehmen sie in einem großen Küchenzelt ein. Immer zwei Leute haben Küchendienst und bereiten nicht nur für alle die Mahlzeiten vor, sondern übernehmen auch den Abwasch. Es gibt kein fließendes Wasser. Das Trinkwasser wird in Kanistern von einer Schute geholt, die vor der Hallig liegt. Vor dem Gebrauch muss es abgekocht werden. Für die Körperhygiene und zum Zähneputzen geht es ab ins Meer. Die Leiterin der Camps, Christel Grave vom Verein Jordsand, sagt: "Hier ist unser Lebensrhythmus von Ebbe und Flut bestimmt. Wir sind Wind und Wetter sehr intensiv ausgesetzt. Diese hautnahen Eindrücke lassen die Teilnehmer zusammenwachsen und machen das Norderoog-Camp zu einem besonderen Erlebnis."

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Redaktion
Christian Pipke
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Autor/in
Dr. Jobst Thomas
Leitung der Sendung
Norbert Lorentzen