Berlin 36

Donnerstag, 26. März 2020, 23:30 bis 01:05 Uhr

Berlin, 1936: Die Amerikaner drohen, die Olympischen Spiele zu boykottieren, sollten im deutschen Olympiakader keine jüdischen Sportler vertreten sein. Aus diesem Grund wird die Jüdin Gretel Bergmann, die überragende Hochspringerin dieser Zeit, in das deutsche Trainingslager aufgenommen. In den Augen der Nazis darf Gretel aber auf keinen Fall gewinnen: Der Reichssportführer schickt gegen Gretel Bergmann die bis dahin unbekannte "Konkurrentin" Marie Ketteler ins Rennen um die Olympiaqualifikation, sie soll Gretel übertreffen. Doch die Nationalsozialisten haben nicht damit gerechnet, dass sich die beiden Außenseiterinnen und vermeintlichen Konkurrentinnen nach anfänglichen Problemen anfreunden. Am Ende muss sich zeigen, ob die beiden jungen Frauen gemeinsam gegen die Intrige der Nazis ankämpfen oder ob der sportliche Ehrgeiz überwiegt.

Der Hintergrund zu "Berlin 36":

Der Film basiert auf der wahren Geschichte der jüdischen Hochspringerin Gretel Bergmann, die bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin als Favoritin für die Goldmedaille galt. Um einen möglichen Sieg Bergmanns jedoch zu verhindern, schickten die Nationalsozialisten Dora R., in Wahrheit ein Mann, als Konkurrentin gegen sie ins Rennen. Eine Auflistung der zehn besten deutschen Sportlerinnen aus dem olympischen Jahr 1936 enthält folgende Ergebnisse: Hochsprung: 1,60 R. (Bremen); 1,60 Bergmann (Stuttgart). Dora R. wird als Erste genannt, da Gretel Bergmann Jüdin ist. Gretel Bergmann lebt heute in den USA. Die Geschichte, die erzählt werden soll, wird von ihren Aussagen bestätigt.

Dora R. wurde 1935 ins Trainingslager des olympischen Kaders aufgenommen. Dort lernte sie Gretel Bergmann kennen, mit der sie bei jedem Lehrgang immer zu zweit in einem Zimmer wohnen musste. Den Verantwortlichen war bekannt, dass Dora eigentlich ein Mann war, und dass Gretel Bergmann als Jüdin es nie wagen würde, die Wahrheit über ihre "Zimmerkameradin" publik zu machen. Dora R. duschte nie mit anderen Frauen, zog sich nie vor den anderen Sportlerinnen aus und rasierte sich heimlich. Zwischen Gretel Bergmann und Dora R. entstand - aus der Not geboren - eine tiefe und innige Freundschaft. Gretel Bergmann musste ihren Sportclub, den Ulmer Fußball-Verein, damals verlassen und wie alle anderen jüdischen Sportler einem rein jüdischen Club beitreten. Es gab immer wieder Versuche vom Reichsministerium für Sport und vom Deutschen Olympischen Komitee, Gretel Bergmann die Teilnahme an der Olympiade zu verweigern, da man einen Sieg von ihr befürchten musste. Nur durch Proteste der Amerikaner durfte sie weiterhin an den Trainingslagern teilnehmen.

Vier Wochen vor der Olympiade gewann Bergmann vor Dora R. die deutsche Meisterschaft im Hochsprung und war damit offiziell für die Olympischen Spiele in Berlin qualifiziert. Als die amerikanische Equipe bereits nach Deutschland unterwegs war, wurde Bergmann die Teilnahme dann doch noch verweigert. Dora R. musste für Gretel Bergmann antreten. Obwohl sie als Favoritin galt, belegte sie dann aber doch nur den vierten Platz. Vermutlich wollte sie gar nicht siegen, um endlich aus ihrer Rolle aussteigen zu können. Man muss davon ausgehen, dass sie nicht nur unter dem ihr aufgezwungenen Geschlecht entsetzlich gelitten hat, sondern auch nach den Olympischen Spielen gezwungen wurde, weiterhin als Frau zur "Ehre Deutschlands" anzutreten, obwohl sie endlich als Mann leben wollte. Man versprach ihr, dass sie nach den Spielen die Möglichkeit eines neuen Lebens haben könnte. Doch die Sportführung forderte auch nach der Olympiade, dass Dora R. weiterhin den Hochsprung ausüben müsse. So gewann sie noch die deutsche Meisterschaft und nahm 1938 an den 1. Europameisterschaften in Wien teil, wo sie ebenfalls siegte.

Wie erleichtert Dora R. danach aber über ihre Entlarvung als Mann gewesen sein muss, verzeichnet das Protokoll: "Ich bin froh, dass nun alles zum Klappen gekommen ist." Zwischen dem Reichsministerium für Sport, der Gestapo und dem Polizeirevier, auf dem Dora R. entlarvt wurde, kam es zu einem Konflikt: Die Polizisten, die offenbar Lob erwarteten, wurden wegen ihres Übereifers gemaßregelt. Gretel Bergmann ging 1936, im Jahr der "Nürnberger Rassengesetze", in die USA. Sie lebt mit ihrem Mann in New York. Dora R., so hieß es noch 1966, würde derzeit als "Hermann" in Bremen leben und als Kellner arbeiten. Danach verlor sich ihre Spur. Nach 30 Jahren konnte diese Spur wiederaufgenommen werden.

Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2008
Schauspieler/in
Karoline Herfurth als Gretel Bergmann
Sebastian Urzendowsky als Marie Ketteler
Axel Prahl als Hans Waldmann
Thomas Thieme als Hans von Tschammer und Osten
Johann von Bülow als Karl Ritter von Halt
August Zirner als Edwin Bergmann
Robert Gallinowski als Sigfrid Kulmbach
Autor/in (Drehbuch)
Regie
Kaspar Heidelbach
Kamera
Achim Poulheim
Musik
Arno Steffen
Schnitt
Hedy Altschiller
Redaktion
Eric Friedler
Redaktionsleiter/in
Christian Granderath
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