Stand: 12.05.2014 09:40 Uhr

Mikroplastik: Tickende Zeitbombe aus dem Meer

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Plastikteilchen, die weniger als fünf Millimeter groß sind, bedrohen die Umwelt.

Oft ist Plastikmüll so klein, dass man ihn nur unter dem Mikroskop erkennen kann. Aus dem Meer breitet sich das sogenannte Mikroplastik über die Nahrungskette und durch die Luft bis zum Menschen aus. Wissenschaftler sind alarmiert: "Wir können davon ausgehen, dass Mikroplastik schon überall in der Atmosphäre zu finden ist", sagt der emeritierte Professor Gerd Liebezeit von der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg. Der Experte für Chemie und Biologie des Meeres hat mikroskopisch kleine Plastikkugeln bereits in Honig und Regenwasser nachgewiesen.

Woher kommt Mikroplastik?

Das Bundesumweltamt definiert Plastikteile mit einer Größe von weniger als fünf Millimetern als Mikroplastik. Es stammt aus mehreren Quellen:

  • Im Meer entsorgter Plastikmüll zerfällt über Jahrzehnte und oft sogar Jahrhunderte in mikroskopisch kleine Teile. Ein Problem sind auch Fischnetze aus Plastik, die im Wasser zurückgelassen werden.
  • Einige Hersteller verwenden Plastikkügelchen in Pflegeprodukten, zum Beispiel Duschgels, Peelings und Zahncremes. Meist handelt es sich um Schleif- und Scheuerpartikel, die für eine bessere Reinigung sorgen sollen.
  • Viele Textilien, zum Beispiel Fleece-Jacken, sind aus Kunststoff - meist aus recycelten PET-Flaschen. Pro Waschgang lösen sich etwa 2.000 Plastikfasern ab, schätzt die Umweltorganisation WWF.

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Wie breitet sich Mikroplastik in der Umwelt aus?

Mikroplastik aus Pflegeprodukten und Funktionskleidung gelangt über das Abwasser in Kläranlagen, von dort in Flüsse und Meere. Dort werden die Plastikpartikel zum Beispiel von Muscheln und Fischen aufgenommen. Sie werden dadurch Teil der Nahrungskette, an deren Spitze der Mensch steht, warnt der Meeresbiologe Gunnar Gerdts vom Alfred-Wegener-Institut auf Helgoland.

Andere Wissenschaftler haben Mikroplastik auch in der Luft gefunden. Gerd Liebezeit von der Universität Oldenburg hat bereits Mikroplastik in Honig nachgewiesen. Vermutlich gelangte es über die Luft auf Blüten und wurde dort von Bienen eingesammelt. Die feinen Partikel sind so klein wie Staub und finden sich nahezu überall. Auch in Regenwasser hat Liebezeit Plastikmaterial entdeckt.

Wie gefährlich ist Mikroplastik für die Gesundheit?

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Mikroplastik nimmt schädliche Substanzen aus dem Meer auf, zum Beispiel Spuren von Brandschutzmitteln, Insektiziden, Farbstoffen und organische Chlorverbindungen. Viele der Stoffe stehen im Verdacht, krebserregend oder hormonell wirksam zu sein. "Das ist eine tickende Zeitbombe", sagt Rolf Buschmann vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Wissenschaftliche Beweise für Erkrankungen durch Mikroplastik beim Menschen gebe es nicht. Experimente an Miesmuscheln hätten aber gezeigt, dass die Partikel sich im Gewebe einlagern. Dort bildeten sich anschließend Entzündungen.

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45 Min | 09.02.2015 | 22:00 Uhr