45 Min

Wie gefährlich sind "Kampfhunde"?

Montag, 29. Oktober 2018, 22:00 bis 22:45 Uhr

Eein Staffordshire Bullterrier. © Radio Bremen, honorarfrei

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Im April 2018 beißt ein American-Staffordshire-Mix namens "Chico" seine zwei Halter tot, eine Woche später tötet ein weiterer Mischling dieser Rasse ein Baby durch einen Biss in den Kopf. Einige als gefährlich eingestufte Hunderassen - die auch als "Kampfhunde" bezeichnet werden - darf man in vielen Bundesländern weder halten noch züchten, in anderen ist dies erlaubt. Denn der Hund ist Ländersache. Doch welche Gesetze schützen die Bevölkerung wirklich vor Hundeattacken? Ist es sinnvoll, bestimmte Rassen zu verbieten oder sollte man darauf setzen, Hundehaltern Wissen über ihr Tier zu vermitteln?

In Sachen Hund ein gespaltenes Land

Nach dem Fall "Chico" haben manche schärfere Kontrollen von Hundehaltern und weitere Verbote von bestimmten Hunderassen gefordert, aber fast 300.000 Menschen haben sich bei einer Petition mit dem Hund solidarisiert. Sie wollten verhindern, dass das Tier eingeschläfert wird, weil, so die Begründung, es schließlich unschuldig sei.

Weitere Informationen
02:31
NDR 2

Klartext: Umgang mit dem Begriff "Kampfhund"

06.04.2018 13:17 Uhr
NDR 2

Nach der Hundeattacke in Hannover war im NDR 2 Programm zunächst von einem "Kampfhund" die Rede. Marc Frangipane erklärt, wie es dazu kam und warum wir den Begriff nicht mehr mehr verwenden. Audio (02:31 min)

Als ein Team aus Experten und Behördenvertretern "Chico" nach eingehender Untersuchung einschläfern lässt, bekommen die Verantwortlichen Morddrohungen.

Ein undurchsichtiges Regelwerk - Hunde sind Ländersache

Vor 18 Jahren haben zwei "Kampfhunde" den Jungen Volkan in Hamburg totgebissen. Damals sind Menschen gegen "Kampfhunde" auf die Straße gegangen, nicht für sie. Der Fall führte im Jahr 2000 zu einer Reihe neuer Gesetze. Alles ging ganz schnell. Telefonkonferenz der Innenminister, Kabinettsbesprechung, Aktuelle Stunde im Bundestag - in Rekordzeit gab es neue Verordnungen in Bund und Ländern.

Inzwischen herrscht ein Wirrwarr von Regeln und Verordnungen quer durch alle Bundesländer. Was die vielen verschiedenen Hundeverordnungen gebracht haben, weiß leider keiner so genau. Hunde sind eben Ländersache, erklärt ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Und die Länder veröffentlichen ihre Statistiken ungern oder führen erst gar keine aussagekräftigen.

  • Niedersachsen

    In Niedersachsen gibt es im Hundegesetz keine sogenannten Rasselisten. Aber jeder Hundehalter muss unter anderem seinen Hund bei einem zentralen Register anmelden. Seit dem 1. Juli 2013 müssen alle Hundehalter, die sich nach dem 1. Juli 2011 zum ersten Mal einen Hund angeschafft haben, einen Nachweis ihrer "Sachkunde" erbringen.

  • Schleswig-Holstein

    In Schleswig-Holstein werden Hunde im Gesetz über das Halten von Hunden nicht mehr aufgrund der Rasse generell als gefährlich eingestuft. Einen Sachkundenachweis müssen Hundehalter besitzen, deren Hunde als gefährlich eingestuft sind.

  • Mecklenburg-Vorpommern

    In Mecklenburg-Vorpommern listet die Verordnung über das Führen und Halten von Hunden vier Rassen - sowie Kreuzungen davon - auf, die als gefährliche Hunde gelten und weder gezüchtet, gehalten oder geführt werden dürfen: American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bull Terrier und Bull Terrier.

  • Hamburg

    Das Hamburger Hundegesetz listet als gefährlich eingestufte Hunderassen auf, dazu gehören American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier sowie Mischlinge mit diesen Rassen. Diese dürfen grundsätzlich nicht gehalten werden. Für weitere Rassen muss nachgewiesen werden, dass der einzelne Hund "keine gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren" aufweist.

    Die Hamburger Behörden erstellen jedes Jahr eine Statistik über Beißvorfälle.

  • Bremen

    Auch in der Hansestadt Bremen gibt es eine Rasseliste im Gesetz über das Halten von Hunden. Sie umfasst Pitbull Terrier, Bullterrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier sowie Kreuzungen und Mischlinge.

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Was ist seit dem Fall Volkan im Jahr 2000 geschehen? Werden Hunde zur tödlichen Gefahr, weil ihre Halter sie scharfmachen oder gibt es womöglich ganz andere Ursachen für die Hundeattacken? Und warum untersucht niemand bundesweit und fundiert, was wirklich gegen aggressive Hunde hilft?

Sind Hunde resozialisierbar?

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In der Hellhound Foundation in der Lüneburger Heide landen die schwierigen Fälle. Abgegeben von überforderten Besitzern.

Das Autorenteam reist durch Deutschland auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen. Zum Beispiel zur Hellhound Foundation in der Lüneburger Heide, wo sich Hundeexpertinnen um die fast hoffnungslosen Fälle kümmern: bissige Hunde, die keiner mehr haben will, abgegeben von überforderten Besitzern. Sind wirklich alle Hunde resozialisierbar? Oder nach Mecklenburg-Vorpommern, wo ein "Kampfhund" sich losriss und aus heiterem Himmel die dreijährige Tochter einer Familie in der Sandkiste anfiel. Oder auf Europas größte Hundemesse in Dortmund, wo Hundehalter stolz ihre wohlerzogenen "Kampfschmuser" paradieren lassen.

Wieso werden bestimmte Hunde zur Gefahr?

Die Autoren klären, wer am häufigsten gebissen wird. In 90 Prozent aller Fälle kannten die Opfer den Hund, circa zwei Drittel der Opfer sind Kinder. Sie treffen "Willy", von dem die Besitzer dachten, er sei ein Mini-Bullterrier. Darüber ist er hinausgewachsen und jetzt haben die Besitzer plötzlich einen Hund zu Hause, mit dem sie viele Bundesländer nur unter Auflagen besuchen dürfen. Ist das wirklich hilfreich?

Viele der sogenannten Kampfhunde sind von einer Engelsgeduld, gelehrig und sogar niedlich. Wie also kann es sein, dass diese Hunde immer wieder zur Gefahr werden? 45 Min sucht Antworten auf eine im Jahr 2018 wieder hitzig diskutierte Frage: Wie gefährlich sind "Kampfhunde"?

Video
07:38
Panorama 3

Wer kontrolliert gefährliche Hunde?

10.04.2018 21:15 Uhr
Panorama 3

Im Norden kommt es immer wieder zu Beißattacken, trotz schärferer Hundegesetze. Werden deren Einhaltung sowie die Eignung der jeweiligen Halter ausreichend kontrolliert? Video (07:38 min)

Redaktion
Michaela Herold
Autor/in
Susanne Brahms
Rainer Krause
Redaktion
Graebert, Jochen