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Raus aus der Kinderarmut!

Montag, 05. September 2016, 22:00 bis 22:45 Uhr

Zoe wird bald eingeschult und freut sich auf ihren ersten Schultag. Für ihre Eltern aber ist der erste Schultag ein Problem. Sie wissen nicht, wie sie einen Schulranzen, Füller, Hefte und Stifte bezahlen sollen. Mit rund 1.900 Euro monatlich lebt die vierköpfige Familie aus Sassnitz an der Armutsgrenze. Ihre Hoffnung ist die Kinderbedarfsbörse, ein Second-Hand-Markt für Kindersachen. "Ein neuer Ranzen", sagt ihre Mutter Astrid, "ist definitiv nicht drin."

Schafft das Bildungs- und Teilhabepaket Chancengleichheit für Kinder?

Im reichen Deutschland lebt fast jedes fünfte Kind in Armut. Das sind rund 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. In Norddeutschland sind die Zahlen besonders dramatisch. 2011 führte die Bundesregierung das Bildungspaket ein, nachdem das Bundesverfassungsgericht die Hartz-IV-Regelsätze für Kinder als unzureichend kritisiert hat.

Die finanziellen Hilfen des Pakets sollten Kindern aus einkommensschwachen Familien mehr Teilhabe ermöglichen, durch staatliche Zuschüsse für Schulbücher, Mittagessen in der Kita, Nachhilfe oder den Sportverein. Aber kommen die Hilfen an? Und reichen sie aus, um allen Kindern die gleichen Chancen auf gesellschaftlichen und beruflichen Erfolg zu gewähren, wie es das Bundesverfassungsgericht fordert?

Die Kinder bleiben auf der Strecke

Der Film zeigt, wie schwer es vielen Familien fällt, ihren Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Zoes Mutter kämpft mit Antragsformularen für die verschiedenen Hilfen, die es in Deutschland für einkommensarme Familien gibt. Insgesamt sind es 160. Michelle A., alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, weiß manchmal nicht, wovon sie noch etwas zu essen kaufen soll. Der Stress überträgt sich auf die Kinder. Ihre elfjährige Tochter wünscht sich vor allem eins: "Mehr Geld, damit es Mama besser geht, und sie mehr Zeit für uns hat."

Die Geburtslotterie ist ungerecht. Sprösslinge aus gut betuchten Familien lernen schon als Kleinkind in einer privaten Krippe Englisch oder Chinesisch. In einer normalen Kindertagesstätte sind die Erzieher überlastet. Nicht selten ist eine Betreuerin mit 25 Kindern allein. Individuelle Förderung sieht anders aus. Auf der Strecke bleiben die Kinder.

Redaktion
Sabine Reifenberg
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke
Regie
Ute Jurkovics
Autor/in
Ute Jurkovics
Redaktionsleiter/in
Jochen Graebert

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