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Jung und kriminell - was dann?

Montag, 13. August 2018, 22:00 bis 22:45 Uhr

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Das Therapieschiff „"Salomon"“ bietet Platz für 15 Jugendliche. Gute 100.000 Euro investiert das Jugendamt für einen Jungen pro Jahr. Niemand kommt freiwillig.

Jugendliche Straftäter prügeln, klauen, dealen und betrügen. Knapp 200.000 Tatverdächtige zwischen 14 und unter 18 Jahren gab es laut Polizeilicher Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes 2017. Neun Prozent aller Verdächtigen waren damit Jugendliche. Für sie gilt zwar noch nicht das Erwachsenen-, sondern das mildere Jugendstrafrecht. Aber auch das schützt nicht immer vor einem Gefängnisaufenthalt. Eine Alternative sind arbeitspädagogische Einsätze im Ausland und auf Schiffen.

Lohnt sich Erlebnispädagogik bei Jugendstraftätern?

Seit Jahren stehen solche Maßnahmen in der Kritik - sie seien zu teuer, würden nichts bringen und jugendliche Straftäter auch noch "belohnen", heißt es. Aber stimmt das? Die Filmemacherin Birgit Wärnke hat zwei Jugendliche mehr als anderthalb Jahre lang  mit der Kamera begleitet. Die beiden Straftäter sind zunächst ein Jahr lang an Bord des Therapieschiffes "Salomon" zur See gefahren und versuchen anschließend, im Berufsleben Fuß zu fassen.

Weitere Informationen

Wer wird nach dem Jugendstrafrecht verurteilt?

Straffällig gewordene Jugendliche werden ab einem Alter von 14 Jahren nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Dabei steht die Erziehung als Grundgedanke im Vordergrund. mehr

Aeneas ist 17 Jahre alt. Er stand wegen Einbruch, Diebstahl und Sachbeschädigung vor Gericht. Sinan ist 15. Er wurde zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt. Seine Liste an Straftaten ist lang: Drogendealerei, Körperverletzungen, Diebstähle und Beleidigungen.

Kosten im Vergleich

Das Leben und Arbeiten auf dem Schiff bietet eine intensive Form der Jugendhilfe. Gut 100.000 Euro zahlt das Jugendamt pro Jugendlichen im Jahr. So viel kostet auch ein Platz im geschlossenen Heim. Es ist eine Investition, von der niemand weiß, ob sie sich am Ende auch wirklich lohnt. Hauptziel ist es, einen Gefängnisaufenthalt zu vermeiden. Denn nach der Haft werden circa 70 Prozent der Jugendlichen wieder rückfällig, wie Studien belegen. Die eigene Statistik vom Schiff hingegen verspricht, zwei von drei Jungs in ein geregeltes Leben zu führen.

Links

"Knast macht Jugendliche nicht besser"

Reportage von Deutschlandfunk Kultur über "Gefangene helfen Jugendlichen". extern

Verein "Gefangene helfen Jugendlichen"

Initiative von Inhaftierten, die sich in der Kriminal- und Gewaltprävention für Jugendliche engagieren. extern

Vorbeugen ist besser als Strafe

Artikel über das Jugendstrafrecht auf fluter.de, einem Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung. extern

Jugendkriminalität - Zahlen und Fakten

Ausführliche Informationen mit zahlreichen Grafiken im Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung. extern

Streng geregeltes Leben auf See

Das Leben an Bord ist hart, die Regeln streng: feste Essens- und Schlafenszeiten, keine Drogen, keine Gewalt, nur selten Handy und Laptops, dafür Arbeit, Schule, Segeln und Disziplin. Das Konzept auf dem Schiff setzt auf Erfolgserlebnisse, auf Wertschätzung, auf Beziehungen zu den Betreuern und auf die Enge des Schiffes.

"Segeln hat viel mit Selbstwertgefühl zu tun", sagt Jonathan Reist, Leiter der "Salomon". "Ein Junge, der nirgendwo funktioniert hat und hier jetzt die Segel handhaben kann und sogar Vormann wird - der ist mal was! Den Jungs fehlt ja oft komplett jede Art der Bestätigung."

Werden die Jugendlichen ihre Chancen nutzen?

Ihre Reise beginnt auf dem Atlantik vor den Kanaren und endet in Niedersachsen. Sie erzählt die besondere Geschichte der beiden Jugendlichen, die versuchen, Drogen, Diebstähle und Schlägereien hinter sich zu lassen. Was passiert, wenn die beiden vom Schiff kommen? Werden sie eine Ausbildung beginnen? Oder sind die Versuchungen von Drogen und illegalen Kicks doch zu groß?

Der Film erzählt nicht nur die Geschichte der Jungs, auch die Geschichte von Menschen, die an die beiden glauben, wie der Sozialarbeiter Raik Lösnitz. Er nimmt Sinan nach der Zeit auf dem Schiff in seiner eigenen Familie auf, kümmert sich mit seinen Kollegen um Aeneas und besorgt ihm außerdem eine Wohnung und Praktikumsplätze. Werden die beiden Jugendlichen diese Chancen nutzen?

Update: Betrieb eingestellt

Am 15. November 2017 haben die letzten betreuten Jugendlichen das Segelschiff "Salomon" verlassen und sind in pädagogische Anschlussprojekte gekommen. Das Projekt der Stiftung Jugendschiffe Schweiz und der Haus Wildfang GmbH wurde beendet, da das Geld für nötige Sanierungen am Schiff fehlte.

Redaktionsleiter/in
Jochen Graebert
Regie
Birgit Wärnke
Autor/in
Birgit Wärnke
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke
Redaktion
Christian von Brockhausen