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Haustier Hund: Wahnsinn oder Liebe?

Montag, 10. September 2018, 22:00 bis 22:45 Uhr

Ein Hund beim Hundefriseur © NDR

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Der Hund gilt als bester Freund des Menschen und ersetzt manchmal sogar Partner oder Familie. Längst ist eine Parallelwelt entstanden: Es gibt Hundehotels, Hundetagesstätten, Hundesalons, Hundemode, veganes Hundefutter und sogar Hunde-Wellness. Der Hund ist ein milliardenschwerer Wirtschaftsfaktor, an ihm hängen in Deutschland rund 100.000 Arbeitsplätze - Tendenz steigend.

Das Geschäft mit dem Hund

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Manche Hunde werden untertags in einer Hundetagesstätte untergebracht.

Mittlerweile leben mehr als neun Millionen Hunde mit uns Deutschen zusammen. Damit es den Vierbeinern gut geht, geben ihre Besitzer allein für Futter und Zubehör - ohne Hundesteuer oder Tierarztkosten zum Beispiel - jährlich mehrere Millionen Euro aus. Die Hersteller machten damit insgesamt mehr als 1,5 Milliarden Euro Umsatz.

Im Vergleich zu allen Heimtierbesitzern geben Hundehalter am meisten Geld für ihre Tiere aus. In einer Studie der Universität Göttingen zum Wirtschaftsfaktor Heimtierhaltung (2014) werden die Gesamtausgaben für die Heimtierhaltung auf rund 9,1 Milliarden Euro geschätzt. Mehr als die Hälfte davon geht auf das Konto der Hundebesitzer.

Von Hunden und Menschen

Die stetig steigenden Einnahmen dieser "Hundeindustrie" sind auch ein Hinweis darauf, dass sich das Verhältnis des Menschen zum Hund in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert hat. Hunde sind nicht mehr in erster Linie nützliche Tiere, die Haus und Hof bewachen, beim Jagen helfen oder eine Schafherde hüten. Sie sind ein Teil der Familie und teilen sich mit den Menschen Wohnungen und Häuser - und manchmal auch das Bett.

Vom Hundeleben in Deutschland

Dieses innige Verhältnis zwischen Mensch und Hund hat für den Zweibeiner durchaus positive Effekte: Studien zeigen, dass der Kontakt zu den Tieren und deren Pflege gut für die Gesundheit der Besitzer ist. Sie haben mehr Bewegung, weniger Stress, brauchen weniger Medikamente und fühlen sich gesünder als Nicht-Tierbesitzer - auch im fortgeschrittenen Alter.

Die Schattenseiten der Hundeliebe

Doch die Liebe des Menschen zum Hund hat dem Tier nicht immer gut getan: Die Popularität von Hunden als Haustier hat etwa illegalen Welpenhandel zur Folge.

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Ein weiteres Problem: Bei manchen der 350 beim Verband für das Deutsche Hundewesen registrierten Rassen[1] sind vor allem die Merkmale gefördert worden, die dem Menschen gefallen. Doch das ist nicht immer zum Wohl der Tiere. Ein besonders bekanntes Beispiel ist der Deutsche Schäferhund. Bei diesem Hund soll die Rückenlinie möglichst stark abfallen - die Schultern sollen also höher als das Becken sein. Das kann zu schmerzhaften Hüftproblemen führen.

Kurzschnauzige Rassen wie Mops oder Bulldogge sind unter anderem deswegen so beliebt, weil sie mit ihren großen Augen und der "Stupsnase" dem Kindchenschema entsprechen. Doch die Tiere haben einen starken Unterbiss: Sie können nicht gut fressen und leiden oft unter Atemnot.

Laut Tierschutzgesetz sind zwar Qualzuchten, die eine gesundheitliche Beeinträchtigung der Tiere in Kauf nehmen, in Deutschland verboten. Doch viele Käufer wissen wenig darüber. Die Tierärztekammer Berlin hat deswegen eine Checkliste veröffentlicht, worauf interessierte Hundekäufer beim Kauf, vor allem eines Mopses, achten sollten.

Forschungsobjekt: Deutsche Hundeliebe

Vierbeiniger Protagonist ist tot

"Sir Henry", der als berühmtester Mops Deutschlands galt, ist nun eingeschläfert worden. Die Dokumentation hat den Hund und sein Frauchen, Uschi Ackermann, mit der Kamera begleitet. Das zwölf Jahre alte Tier hatte Krebs.

Was sagt unsere Hundeliebe über uns Deutsche aus? Diese Frage beschäftigt den Anthropologen Flavien Ndonko seit 30 Jahren. Der Film begleitet den Kameruner auf einer Forschungsreise von Hamburg bis München. Der Wissenschaftler betreibt echte Feldforschung, denn er versucht stets, Hund und Herrchen möglichst nahezukommen. Von der Mopsliebhaberin über den Hundehotelier bis zum Hundechirurgen trifft er Menschen, die mit Hund oder vom Hund leben.

Und der Forscher gewährt uns mit seinem Blick von außen ganz besondere Einblicke, oft komische, manchmal auch tragische. Mit seiner Neugier und seiner Sympathie für die Deutschen und ihre Hunde öffnet er viele Türen und Herzen. Ndonkos Fazit: "In Deutschland gibt es zwei Arten von Menschen: eine mit zwei Beinen und eine mit vier Beinen."

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Redaktionsleiter/in
Jochen Graebert
Redaktion
Maren Hoefle
Regie
Karin Rowold
Autor/in
Karin Rowold
Regie
Sugárka Sielaff
Autor/in
Sugárka Sielaff
Produktionsleiter/in
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