Stand: 18.08.2017 13:47 Uhr

Die MPU macht die Straßen sicherer

von Ulla Brauer, 45 Min
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Die MPU ist die Chance für Verkehrssünder, den Führerschein wiederzubekommen.

Mit der MPU (medizinisch-psychologische Untersuchung) ziehe der Staat doch nur seinen Bürgern Geld aus der Tasche, meinen viele Autofahrer. Und natürlich kann der Entzug des Führerscheins dramatische Folgen nach sich ziehen, bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes. Aber ist die Überprüfung der Fahreignung deshalb schlecht? Was wäre eigentlich, wenn es keine MPU - im Volksmund Idiotentest - gäbe? Dann würden die knapp 92.000 Personen, die sich 2016 einer solchen Untersuchung unterziehen mussten, unbehelligt weiter auf den Straßen fahren.

Wenn Zweifel an der Eignung als Autofahrer besteht

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Die MPU dient der Reflexion des eigenen Fehlverhaltens, meint Unfallforscher Siegfried Brockmann.

Diese Autofahrer sind aber aufgefallen, weil sie zum Beispiel massiv gegen Verkehrsregeln verstoßen haben oder mit hohem Alkoholpegel Auto gefahren sind. "Es geht hier vor allem um Menschen, denen die charakterliche Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen fehlt oder die Alkoholkonsum nicht hinreichend kontrollieren können beziehungsweise Drogen konsumieren", so Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallsforschung beim Gesamtverband der Versicherer.

MPU ist die Chance, den Führerschein zurückzubekommen

Die 1954 eingeführte MPU ist für solche Autofahrer eine Chance, ihren Führerschein wiederzubekommen. "Wenn wir kein Instrument hätten, mit dem man zeigen kann, dass sich etwas gebessert hat, müssten wir solchen Menschen ja lebenslang den Führerschein wegnehmen", erläutert Brockmann. Der Unfallforscher sieht diese Untersuchung sogar als Hilfe für die Betroffenen, gerade etwa bei Alkoholproblemen. Wer den Führerschein wiederhaben will, muss sich endlich ernsthaft mit seinem Vergehen auseinandersetzen.

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Besser vorbereitet in die MPU

Wer sich unseriösen Beratern anvertraut, die einen "garantiert durch die MPU" bringen wollen, scheitert wesentlich leichter bei der Untersuchung. Anders als diese behaupten, geht es bei Vorbereitungs- und Beratungsangeboten nicht darum, "richtige" Antworten zu pauken. Wer das glaubt, dem fehle es an Selbstreflexion des eigenen Fehlverhaltens, meint Brockmann. "Diejenigen, die meinen, man könnte da mal eben etwas antrainieren, zeigen aber eigentlich nur, dass sie zu Recht keinen Führerschein haben." Einen seriösen MPU-Berater zu finden, ist aber nicht ganz einfach, weil es keine gesetzlich geregelte Ausbildung dazu gibt.

Bei der MPU müssen die Betroffenen durch medizinische Atteste und im psychologischen Gespräch glaubhaft machen, dass sie ihr Grundproblem behoben haben, das zum Verlust des Führerscheins geführt hat. Zur Untersuchung gehören auch Tests zur Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit, eine medizinische Kontrolle sowie ein psychologisches Gespräch. Seriöse Beratungskurse können dabei helfen. "War zum Beispiel ein Aggressionsdelikt die Ursache für den Führerscheinentzug, kann ein gutes Anti-Aggressionstraining der Schlüssel sein, beim Alkohol natürlich am besten eine erfolgreiche Abstinenz", so Unfallforscher Brockmann. "Seminare, die auf die tatsächlichen Probleme eingehen, können durchaus sinnvoll sein." Auch verkehrspsychologische Einzelgespräche können helfen. Solche Angebote können allerdings auch ins Geld gehen.

Kosten für die Vorbereitung auf eine MPU

UMFRAGE
Mögliche Antworten

Wie finden Sie die MPU?

Eine Beratungsstunde bei einem Verkehrspsychologen kann gut 100 Euro kosten. Mit einer Sitzung ist es oft aber nicht getan. Für Gruppenkurse fallen etwa 600 bis 800 Euro an, laut TÜV Süd. Hinzu kommen die Kosten für die MPU selbst. Je nach Schwere des Delikts liegen diese bei rund 100 Euro bis knapp 400 Euro. Manche Beratungsstellen bieten auch kostenlose Informationsabende an.

Übrigens: 2016 haben knapp 60 Prozent der überprüften Autofahrerinnen und Autofahrer die MPU als "geeignet" bestanden und ihren Führerschein wiederbekommen. Rund 35 Prozent hingegen wurden als "ungeeignet" eingestuft. Etwa sechs Prozent dürfen die MPU wiederholen, weil sie als "nachschulungsfähig" beurteilt wurden.

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