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Die Lokalzeitung: Von gestern oder unverzichtbar?

Lokalreporterin Franziska Klemenz mit Maske hält ihr Handy vor sich und filmt. © NDR/Laura Borchardt
Franziska Klemenz berichtet immer wieder über die "Querdenker"-Bewegung, auch wenn sie bei solchen Terminen heftig angefeindet wird.

"Euer Blatt benutze ich, um mir damit den A … abzuwischen!" Solche Anfeindungen müssen Lokaljournalistinnen und -journalisten wie Franziska Klemenz in ihrem Alltag aushalten. Klemenz berichtet für die "Sächsische Zeitung"aus Dresden und Ostsachsen von Pegida-Demos und "Querdenker"-Versammlungen.

Hass und Gewalt gegenüber Journalistinnen und Journalisten sind in der Pandemie stark angestiegen, körperliche Angriffe haben sich 2020 im Vergleich zum Vorjahr verfünffacht. Trotzdem geht Franziska Klemenz immer wieder zu solchen Terminen, lässt sich nicht einschüchtern.

Es sind unruhige Zeiten für für Lokaljournalist*innen. Zu den Anfeindungen kommen Zeitdruck und digitaler Wandel.  Zwei NDR Filmemacherinnen haben zwei Lokalrreporterinnen und einen -reporter monatelang mit der Kamera bei ihrer Arbeit begleitet und zeigen, wie anspruchsvoll deren Job geworden ist.

Lokaljournalismus heute: Digitaler Wandel erhöht den Zeitdruck

Für ihre Interviewtermine muss die Lokalreporterin weite Strecken fahren: Cornelia Meerkatz berichtet aus dem Landkreis Vorpommern-Greifswald für die Ostsee-Zeitung. Meerkatz ist zu Gast beim Ruderverein in Wolgast und interviewt einen Nachwuchssportler. © NDR/Laura Borchardt
Für ihre Interviewtermine muss Cornelia Meerkatz weite Strecken fahren: Sie berichtet für die "Ostsee-Zeitung" aus dem Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Für Lokalreporter*innen wird es  zum Beispiel immer schwieriger, stets vor Ort zu sein. Der Landkreis Vorpommern-Greifswald, aus dem Cornelia Meerkatz für die "Ostsee-Zeitung" berichtet, ist größer als das Saarland. Noch vor einigen Jahren war es ausreichend, einen Artikel bis zum Andruck am Vorabend niederzuschreiben. Heute muss die 64-Jährige ihre Geschichten so schnell wie möglich online veröffentlichen. Der Stress gehört zum Alltag.

Die "Ostsee-Zeitung" gehört mit 14 anderen Regionalzeitungen zum großen Madsack-Konzern aus Hannover. Wie alle Verlage muss das Medienhaus digital Umsätze erwirtschaften, denn das Printgeschäft wird immer weniger. Doch noch sind nicht genügend Menschen bereit, für digitalen Journalismus zu zahlen. Zusätzlich macht den Lokalzeitungen die kostenlose Konkurrenz aus dem Netz zu schaffen.

"Ostfriesen-Zeitung": Hintergründige Recherchen statt sämtlicher Ortstermine

Journalist Daniel Noglik im Großraumbüro seiner Redaktion bei der "Ostfriesen-Zeitung". © NDR/Laura Borchardt
Daniel Noglik will für die "Ostfriesen-Zeitung" herausfinden, ob Mitarbeiter der örtlichen Sparkasse in einen Kreditbetrug verwickelt sind.

Um sich davon abzuheben, setzt die "Ostfriesen-Zeitung" vermehrt auf hintergründige Recherchen. Reporter Daniel Noglik hat wieder eine neue Spur: Er will herausfinden, ob ehemalige Mitarbeitende der örtlichen Sparkasse in einen Kreditbetrug verwickelt sind. Seine Arbeit ist ein wichtiges Korrektiv zur lokalen Politik und Wirtschaft.

Doch Recherche kostet Zeit und Geld. Dafür verzichtet die Zeitung darauf, über alle Ortstermine zu berichten. Das verärgert aber die kommunale Politik. Der Chefredakteur der "Ostfriesen-Zeitung" muss sich im Rathaus den Fragen aufgebrachter Gemeindevertreter*innen stellen. Der Druck auf lokale Journalisten steigt - von allen Seiten.

Lokaljournalismus: Ein Beitrag zur Demokratie?

Doch werden Lokalzeitungen heute überhaupt noch gebraucht? Was bedeutet es für die Demokratie und Gesellschaft, wenn Berichterstattung aus einer Region verschwindet? Welche Folgen hat es, wenn die Vielfalt der Perspektiven auf ein Thema abnimmt? Wiebke Möhring, Professorin für Online- und Printjournalismus an der TU Dortmund, forscht seit mehr als 25 Jahren zum Thema Lokaljournalismus. Sie stellt bereits jetzt eine mediale Unterversorgung in einigen Regionen fest.

Weitere Informationen

"Das Alltägliche vor Ort"

Essay von Wiebke Möhring über die "Bedeutung des Lokaljournalismus in der digitalen Welt". Fachzeitschrift "Journalistik" 2019. extern

Und dann? Dann kommen die Informationen irgendwann direkt mit dem "Amtsblatt" aus dem Rathaus. Und niemand überprüft, ob es bei der Wahl der neuen Bürgermeisterin oder bei der Vergabe des millionenteuren Bauplatzes in der Ortsmitte mit rechten Dingen zugegangen ist.

Der Film von Laura Borchardt und Inga Mathwig ist eine spannende und berührende Reportage über die Arbeit lokaler Journalistinnen und Journalisten, die die verschiedenen Aspekte lokaler Berichterstattung und deren Beitrag für die Demokratie greifbar macht.

Redaktionsleiter/in
Kathrin Becker
Redaktion
Julia Salden
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke
Autor/in
Inga Mathwig
Laura Borchardt
Mitarbeit
Konstanze Nastarowicz

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