45 Min

Die Lachs-Industrie

Montag, 04. Juni 2018, 22:00 bis 22:45 Uhr

Fabrikarbeiterin in Schutzkleidung hält eine ganze Lachsseite in der Hand zur Qualitätskontrolle. © NDR / Flemming Postproduktion

4,32 bei 73 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Früher war Lachs eine Delikatesse, heute ist er ein Massenprodukt. Auch, weil er in riesigen Aquakulturen gezüchtet wird und deshalb preiswerter ist als zum Beispiel Kabeljau oder Heilbutt. Aber in den vergangenen Jahren ist der Zucht-Lachs immer wieder in Verruf geraten - aufgrund der Mengen an Antibiotika und Pestiziden, die in Aquakulturen verwendet werden. Was ist dran an diesen Vorwürfen?

Raubfische werden zu Quasi-Vegetariern gemacht

Lachs ist in Deutschland der beliebteste Speisefisch. Der Lachs, den wir in Deutschland essen, kommt fast ausschließlich aus Norwegen. Rund 400 Millionen Lachse schwimmen hier in Meeresgehegen. Die Aquakultur hat zwar Fortschritte gemacht, aber es gibt nach wie vor jede Menge Probleme.

Beispiel Futter: Der Lachs ist ein Raubfisch und ernährt sich in freier Wildbahn vor allem von anderen Fischen. Das Futter in den Fischfarmen besteht aber zu einem Großteil aus pflanzlichen Bestandteilen wie etwa Soja. Das hat zweierlei Folgen.

1. Je mehr Pflanzenfutter Zuchtlachs zu fressen bekommt, desto geringer ist sein Gehalt an den als gesund geltenden Omega-3-Fettsäuren.

2. Das viele Pflanzenöl im Fischfutter führt dazu, dass das Futter schneller verdirbt. Deshalb wird es mit einem chemischen Konservierungsmittel namens Ethoxyquin behandelt.

Das Mittel, mit dem das Futter haltbar gemacht wird, wurde auch als Pflanzenschutzmittel eingesetzt und ist mittlerweile in Europa eigentlich verboten. Als Konservierungsmittel ist es nur erlaubt, weil es bisher  keine Alternative gibt. Wie viel möglicherweise giftiges Ethoxyquin ist im Lachs nachweisbar? Und wie gefährlich ist das?

Vom Ei zum Filet: So wird Lachs gezüchtet

Die Lachslaus verbreitet sich in besonders schnell in Aquakultur

Das größte Problem bei der Zucht von Lachsen stellt aber die Lachslaus dar. In den Gehegen vermehren sich die Parasiten auf rasante Weise. Sie setzen sich auf der Haut der Lachse fest und fressen deren Gewebe und Blut. Manche Züchter experimentieren mit Putzerfischen, die die Lachse von den Parasiten befreien sollen. Vor allem aber ist der Verbrauch verschiedener Insektizide um rund 50 Prozent gestiegen. Auch in den Fischen sind die Substanzen nachweisbar. Bisher bekommen die Fischfarmer diese Plage aber nicht in den Griff.

Dennoch: Die Züchter in Norwegen wollen noch mehr Lachs produzieren. Denn durch die wachsende Nachfrage steigt der Lachspreis. Mehrere Firmen sind bereits an der Börse. Sie wollen mit Fabrikschiffen auf dem offenen Meer die Lachszucht revolutionieren.

Mehr zum Thema

Wie gesund ist Zucht-Lachs?

Lachs ist der beliebteste Speisefisch der Deutschen. Um den Appetit auf Lachs zu stillen, muss er gezüchtet werden. Welche Folgen hat das für die Gesundheit der Verbraucher? mehr

Weitere Informationen

Lachs in vielen Gebieten gefährdet

Der Atlantische Lachs gilt als überfischt, die Bestände des Pazifischen Lachses sind deutlich stabiler. Doch auch hier gibt es je nach Fangregion große Unterschiede. mehr

Lachs - der köstliche Rote

Besonders geräuchert ist das hellorangene Fleisch der Lachse ein echter Leckerbissen. Nur Bio-Lachs wird mit Futter gemästet, das die Umwelt schont. mehr

Redaktionsleiter/in
Jochen Graebert
Regie
Andrea Hauner
Autor/in
Andrea Hauner
Redaktion
Nils Casjens
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg
Redaktion
Reifenberg, Sabine