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Das Hafenduell - Hamburg contra Wilhelmshaven

Montag, 06. März 2017, 22:00 bis 22:45 Uhr

Zwei Seehäfen in Norddeutschland, die nah beieinander liegen, konkurrieren miteinander anstatt zusammenzuarbeiten. Denn beide wollen vom "Gold" der Globalisierung profitieren, von den Containern aus Übersee. Auf der einen Seite ist es Hamburg mit Europas zweitgrößtem Containerhafen tief im Binnenland gelegen. Auf der anderen Seite ist es Wilhelmshaven mit dem JadeWeserPort, Deutschlands einzigem Tiefseehafen direkt an der Nordsee.

Kleinstaaterei auf Kosten der Allgemeinheit?

Der Stadthafen in Hamburg gerät an seine Grenzen: Die Containerschiffe werden immer größer und haben dadurch zu großen Tiefgang für die Elbe. Außerdem verursacht der Abtransport der Ladung ins Hinterland auf Hamburgs Ausfallstraßen regelmäßig Verkehrsstaus.

Keine 120 Kilometer Luftlinie von der Hansestadt entfernt liegt in Wilhelmshaven ein neuer, moderner Tiefseehafen für Riesencontainerschiffe nahezu jungfräulich brach. Doch kaum ein Kapitän steuert den Hafen an. Mit der Einführung von Reederei-Allianzen hat sich das gebessert, doch noch immer ist der Hafen von einer Auslastung seiner Kapazitäten weit entfernt.

Das Projekt JadeWeserPort in Wilhelmshaven hat die Steuerzahler rund 600 Millionen Euro gekostet. Gleichzeitig soll der Hamburger Hafen durch die Elbvertiefung attraktiver für große Containerschiffe gemacht werden. Kosten: rund 300 Millionen Euro allein für Hamburger Steuerzahler. Das Bundesverwaltungsgericht hat dem Projekt im Februar 2017 grundsätzlich zugestimmt. Teile davon aber für rechtswidrig erklärt. Wann die Elbe also vertieft und verbreitert wird, ist noch nicht klar. Welche Folgen das für die Umwelt haben kann, haben wir in unserer Dokumentation "Elbvertiefung - Was riskieren wir?" berichtet.

Welche Probleme haben große Pötte im Hamburger Hafen?

Wird es auch in Zukunft bei der Kleinstaaterei auf Kosten der Allgemeinheit bleiben? Autorin Beate Schwarz hat in beiden Häfen recherchiert. Sie ist an Bord des Containerriesen "Basle Express" von Rotterdam nach Hamburg mitgefahren und konnte dokumentieren, welche Probleme das 366 Meter lange Schiff beim Navigieren auf der Elbe hat. Aber auch, wie fortgeschritten die Lösungen heute sind, die Hafenmanager, Lotsen und Schiffsplaner immer weiter perfektionieren. Sie wollen um jeden Preis beweisen, dass sie auch für die ganz großen Schiffe gerüstet sind.

Wachstum im JadeWeserPort können - Stagnation im Hamburger Hafen

Die neuen Riesencontainerschiffe könnten den Tiefseehafen JadeWeserPort eigentlich viel zügiger als Hamburg anfahren, ohne Probleme mit Tide und Tiefgang. Doch bisher kommen in Wilhelmshaven nur wenige Schiffe an. Nicht zuletzt wegen der dürftigen Hinterlandanbindung. Immerhin gibt es ein leichtes Wachstum: Der Containerumschlag hat sich mit 427.000 TEU zuletzt verfünffacht. Dagegen steht der Hamburger Hafen mit 8,8 Millionen TEU (Standardeinheit für Container), Tendenz stagnierend.

Warum gibt es keine Kooperation?

Beide Häfen haben ihre Vorteile. Warum kooperieren die beiden norddeutschen Standorte nicht miteinander? Die Konkurrenz im Nachbarland Niederlande rüstet derweil auf. Europas größter Containerhafen Rotterdam hat auf der Maasvlakte 2 zusätzliche Terminals eingeweiht. Ist der niederländische Hafen am Ende der "lachende Dritte"?

 

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