45 Min - Wie Dörfer ihre Kneipen retten

Montag, 17. Juni 2019, 22:00 bis 22:45 Uhr

Als Ende 2017 der Wirt des Gasthauses Zum Schanko im Handorf-Langenberg (Niedersachsen) verstarb, stand das Dorf auf einmal ohne Kneipe da. Ein typischer Fall von Kneipensterben, das sich in ganz Norddeutschland seit Jahren ausbreitet. Doch anstatt den Lauf der Dinge einfach so hinzunehmen, raufte sich die Dorfgemeinschaft zusammen und beschloss, die Kneipe mit einer Genossenschaft am Leben zu halten. Reichen Engagement und Ehrenamt aus, um die Schließung abzuwenden?

In Niedersachsen sind in den letzten zehn Jahren 40 Prozent der Kneipen verschwunden. In Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich ein ähnliches Bild: In Wiendorf bei Rostock sucht Gudrun Olschewski nach einem Käufer für den Wiendorfer Hof, die letzte Kneipe im Ort. Seit über 50 Jahren gibt es den Wiendorfer Hof schon, Frau Olschewski arbeitet seit zwölf Jahren hinterm Tresen und in der Küche, zapft Bier und serviert ihren Gästen Hausmannskost nach Rezepten ihrer Großmutter. Jetzt muss sie schweren Herzens verkaufen und wünscht sich, dass der potenzielle Käufer die Kneipe offen hält. Wird sich jemand finden, der die Kneipe übernimmt oder wird das Gebäude in ein Wohnhaus umfunktioniert?

Auch in Schleswig-Holstein grassiert das Kneipensterben. Jede zehnte Kneipe hat hier in den letzten fünf Jahren geschlossen. Hannelore und Wolfgang Steen, ein Wirtspaar in Grebin (Plön), suchen seit Jahren nach einem Nachfolger, bisher vergeblich. Der Grebiner Krug ist für seine Fischspezialitäten und regionale Küche bekannt. Wolfgang Steen angelt selbst und bereitet Stinte und Lachsforellen zu. Er ist bereits über 70 und möchte eigentlich in Rente gehen. Doch er will so lange kochen, bis eine Lösung gefunden ist, die den Grebiner Krug samt Kegelbahn und Saal am Leben hält. Könnte auch hier eine Genossenschaft die Rettung sein?

Verlassene Dorfkneipen, leer stehende Gebäude in Dörfern in ganz Norddeutschland. Sie verheißen eine schwere Zukunft für die Institution Dorfkneipe, die vielerorts über Jahrzehnte das Dorfleben mit geprägt hat. Die Dokumentation zeigt anhand der drei Kneipen, dass es trotzdem noch Hoffnung gibt. Initiativen wie die Gründung einer Genossenschaft können eine Dorfgemeinschaft wieder zusammenbringen, um die Kneipe zu retten.

"45 Min" begleitet die Entwicklung der drei Kneipen über ein Dreivierteljahr lang im Kampf um ihr Überleben und beleuchtet die Gründe für das große Kneipensterben: Fachkräftemangel, Schwund der Vereine und ein verändertes Freizeitverhalten, strengere behördliche Auflagen und gestiegene Betriebskosten. Dabei steht für die Dörfer viel auf dem Spiel: Denn mit dem Verlust der Kneipe geht auch ein zentraler Veranstaltungsort verloren. Stammtische und Sportvereine haben keinen Treffpunkt mehr. Familienfeste müssen in anderen Räumlichkeiten gefeiert werden.

Redaktionsleiter/in
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