Die Nordreportage: Truckerleben

Truckerleben - Der Alptraum vom King of the Road

Dienstag, 08. Februar 2022, 18:15 bis 18:45 Uhr
Donnerstag, 10. Februar 2022, 11:30 bis 12:00 Uhr

In Deutschland mangelt es an Trucker*innen. Zehntausende Fernfahrer*innen hören auf, kaum ein junger Mensch will den Job machen. Drei Männer, zwei Polen und ein Deutscher, schildern ihre Sicht der Dinge. Und ihr Chef, der Spediteur, schaut ratlos in die Zukunft.

Unterschiedliche Sicht auf die Lage

Be- und Entladen von Ware. © NDR/Hanse TV GmbH
Be- und Entladen von Ware.

Wolfgang Nessmann, Bartlomiej Tuszynski und Dariusz Zyzcynski, drei Fahrer der Spedition Wernicke aus Schwerin, drei Sichten auf die Lage. Während einer der beiden Polen vor sechs Jahren mit seiner Familie nach Schwerin gezogen ist, um hier den Job als Trucker zu machen, ist das für seinen Landsmann keine Option. Er war jahrelang in England auf den Straßen unterwegs, arbeitet jetzt seit drei Jahren in Mecklenburg-Vorpommern. Es ist näher dran an Frau, Kind und Haus in Stettin und er verdient "gutes Geld", wie er findet. Aber: Die polnischen Speditionen zahlen inzwischen auch kaum weniger. Wer weiß, wie lange er noch bleibt.

Endlich ist die Rente in Sicht

Wolfgang hat es in einem guten Jahr hinter sich. Jahrzehnte auf dem Bock, bis zu 15-Stunden-Tage, die Familie nur am Wochenende und das für die paar Kröten. Wenn er die Spesen nicht sparen würde, ginge es gar nicht.

Heute ist Work-Life-Balance wichtiger

Auf Tour mit Wolfgang Nessmann. © NDR/Hanse TV GmbH
Auf Tour mit Wolfgang Nessmann.

In einem sind sich aber alle drei einig: den Job, den sie haben, will keiner mehr machen. Die jungen Leute achten mehr auf ihre Work-Life-Balance, das Arbeiten haben sie nicht erfunden. Zehntausende Lkw-Fahrer*innen gehen in den kommenden Jahren in Rente, es kommen kaum welche nach, auch, weil es keine Wehrpflicht mehr gibt. Viele junge Männer haben bei der Bundeswehr ihren Lkw-Führerschein gemacht.

Eine ungewisse Zukunft

Spediteur Dirk Wernicke schaut in eine düstere Zukunft. Wenn einer seiner Fahrer krank ist, bleibt der Lkw stehen, Ersatz hat er jetzt schon nicht mehr. Wenn er die Bilder von leeren Supermarktregalen in England sieht, dann denkt er: nicht mehr lange, dann sieht das in Deutschland ähnlich aus.

Autor/in
Christoph Kümmritz
Redaktion
Birgit Müller
Produktionsleiter/in
Ulrike Gädke