Leben und Sterben für Kabul

Wie Deutschland am Hindukusch die Freiheit verteidigt

Dienstag, 17. August 2021, 03:05 bis 04:15 Uhr

Die vertrauliche Analyse des Außenministeriums lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Die in Afghanistan stationierten deutschen Soldaten sind zunehmend gefährdet. Zitat: "Insgesamt ist nicht nur eine Zunahme der Anschläge in Afghanistan festzustellen, auch qualitativ ist eine subtilere Vorgehensweise der Taliban zu beobachten."

Macht dieser Einsatz wirklich sinnvoll?

Lagebesprechung in Afghanistan. © NDR
Die deutschen Soldaten in Afghanistan sind in einer gefährlichen Situation.

Hubert Seipel, Träger des Deutschen Fernsehpreises, geht 2008, fünf Jahre nach der Vertreibung der selbst ernannten Gotteskrieger am Hindukusch, der Frage nach, welchen Sinn dieser Einsatz der Bundeswehr macht. Das Ansehen der NATO-Mission leidet auch unter der hohen Zahl von Zivilisten, die bei den Kämpfen zwischen NATO-Truppen und Taliban ums Leben gekommen sind. In der Heimat nehmen jenseits der offiziellen Stellungnahmen die politischen Zwistigkeiten zu und die Politiker ringen um das richtige Konzept – abziehen oder aufstocken?

Afghanistan sollte die Demokratie lernen

Dabei hatten es sich die US-Amerikaner und die NATO so schön ausgedacht. 37 Staaten wollten mit 40.000 Soldaten nach dem Krieg Afghanistan die Demokratie beibringen, das Land wieder aufbauen und Taliban- und al-Qaida-Reste vertreiben. Und auch die internationale Aufgabenteilung war bald klar. US-Amerikaner und Briten verständigten sich aufs Kämpfen und Bombenwerfen, die Deutschen vornehmlich auf Brunnenbohrungen, Aufbau von Schulen und Training von Polizisten. Dann würde auch irgendwann die Demokratie folgen, so das Kalkül. Und auch die Taliban würden zwischen "guten" und "bösen" Soldaten unterscheiden.

Die Taliban verfolgen einen Guerillakrieg

Das Ergebnis ist anders. Die Taliban "schlachten" die hohen Verluste unter der Zivilbevölkerung aus. Sie sind besser ausgerüstet denn je und verfolgen einen Guerillakrieg. Auch die Bundeswehr bekommt das hautnah zu spüren. Zum Zeitpunkt dieser Filmproduktion kamen bereits über 20 deutsche Soldaten ums Leben - und es wird mehr Opfer und Tote geben. Die Taliban haben angekündigt, keinen Unterschied mehr zwischen US-amerikanischen Kampfbrigaden und deutschen Bausoldaten zu machen. Und mit den steigenden Zahlen der getöteten Soldaten werden auch in Deutschland die Debatten über Sinn und Unsinn der Intervention lauter.

Redaktion
Christoph Mestmacher
Autor/in
Hubert Seipel
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke
Redaktion
Heribert Blondiau
Regie
Hubert Seipel