Ein Jahrhundertleben (II)

Sonntag, 02. Januar 2022, 15:45 bis 16:30 Uhr
Montag, 03. Januar 2022, 01:45 bis 02:30 Uhr
Freitag, 07. Januar 2022, 08:15 bis 09:00 Uhr

Sie sind um die 100 Jahre alt und haben politische und gesellschaftliche Umbrüche in einer Anzahl und einem Ausmaß miterlebt, wie es für viele Menschen heute kaum vorstellbar ist: Hineingeboren in die "Goldenen Zwanziger" erlebten sie als Kinder die Weltwirtschaftskrise und die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Auf denZweiten Weltkrieg folgte ein Leben geprägt durch Not und Neuanfang. Auf Jahrzehnte der deutschen Teilung schließlich die Wiedervereinigung. Und im Rentenalter haben technische Neuerungen, ungeahnte neue Krisen und die Umformung der weltpolitischen Ordnung ein Tempo aufgenommen, dem selbst junge Menschen nur schwer folgen können.

Eine bewegende Zeitreise

Die Dokumentation macht eine Zeitreise durch die deutsche Geschichte. Für die NDR Produktion sind neun Frauen und Männer aus Norddeutschland tief in ihre Erinnerungen eingetaucht, haben ihre Fotoalben geöffnet und erzählen spannend und bewegend aus den rund 100 Jahren ihres Lebens.

Hermine Trimde: Ein Leben zwischen Arbeit und Kindern

Hermine Trimde aus Rostock sitzt an einem Tisch und schreibt. © NDR
Herminde Trimde wurde 1919 in Riga geboren und siedelte 1941 nach Deutschland um.

Hermine Trimde, geborene Vainowska, wurde am 14. Februar 1919 in Riga geboren. Gegen den Willen ihres Vaters machte sie eine Ausbildung zur Schauspielerin und bekam mit 19 Jahren ein Engagement an der Landesbühne vor Ort. Doch die Karriere endete, bevor sie so richtig begann. 1941 wurde sie von Lettland nach Deutschland umgesiedelt, lebt seit 1952 in Rostock. Alleinerziehend schlug sie sich mit sechs Kindern durch. Kurz vor ihrem 100. Geburtstag flog sie mit einem ihrer Söhne nach Riga, um noch einmal das Theater zu besuchen, in dem sie einst gespielt hat. Zu ihren Nachkommen gehören neben ihren sechs Kindern 11 Enkel, 23 Urenkel und 7 Ururenkel: "Wenn ich meine Augen schließe, hinterlasse ich eine Familie, die intakt ist."

Ingeborg und Heinz Möller: Gemeinsam durch Dick und Dünn

Ingeborg Möller Heinz Möller aus Barth © NDR
Seit 76 Jahren sind Ingeborg und Heinz Möller verheiratet.

Ingeborg Maria Erna Möller, genannt Inge, geborene Fabricius, ist 1923 in Stolp/Hinterpommern geboren. Heinz Karl Otto Möller, genannt Heinz, ist ebenfalls Jahrgang 1923. Die beiden sind seit 1945 verheiratet. Sie sind immer in Barth im Landkreis Vorpommern-Rügen geblieben, eine typische DDR-Familie. Von ihren vier Kindern sind die beiden Töchter bereits verstorben.

Irmgard Eiben: Neustart mit 94 Jahren

Irmgard Eiben aus Wilhelmshaven war bereits nahezu taub. Mit 94 Jahren hat sie sich ein Cochlea-Implantat setzen lassen und blüht seitdem regelrecht auf. © NDR
Irmgard Eiben aus Wilhelmshaven war bereits nahezu taub. Mit 94 Jahren hat sie sich ein Cochlea-Implantat setzen lassen und blüht seitdem regelrecht auf.

Irmgard Eiben aus Wilhelmshaven war bereits nahezu taub. Mit 94 Jahren hat sie sich ein Cochlea-Implantat setzen lassen und blüht seitdem regelrecht auf. Fährt, weil dadurch wieder verkehrstüchtig, mit einem Elektroroller, trifft ihre Freundinnen zum Klönen über Literatur, Sexualität und aktuelle Politik. Auf die Frage, inwieweit der Glaube helfen kann, im Leben und mit Blick auf das Lebensende meint sie: Es bleiben immer Fragen da, die man nicht beantworten kann, die nur der Glaube beantworten kann oder die Erfahrung. Das Leben bleibt bis zuletzt ein Auf und Ab. Die Geschichte von Irmgard Eiben ist die einer Frau, die ihr Leben nicht einfach ausklingen lässt, sondern noch einmal ganz neue Wege geht.

Anna Möschter: "Familie ist das Wichtigste"

Anna Möschter aus Hamburg © NDR
Bis zum Schluss hat Anna Möschter ihr Leben in vollen Zügen zu genossen.

Anna Möschter, Jahrgang 1924, wurde in Bildstock in Saarbrücken geboren. 1945 heiratete sie und zog zu ihrem Mann nach Hamburg. Zuletzt gearbeitet hat sie bei der Post im Fernsehturm. Zwei Jahre nach ihrer Pension 1984 verstarb ihr Mann. Sie lernte damals, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, verbrachte sehr viel Zeit mit ihren Enkeln. Rückblickend sagte sie: Familie sei das Wichtigste - und sie sei es auch, was sie so gern leben lässt. Bis ins hohe Alter ging sie gern auf die Reeperbahn, ins Schmidt Theater, ins Operettenhaus.

Einige Wochen nach den Dreharbeiten ist sie in Hamburg gestorben.

Andere Sendungen dieses Themenpakets

Der 102-jährige Wilhelm Simonsohn in seiner Hamburger Wohnung am Computer. © NDR / Magdalena Maria Stengel Foto: Magdalena Maria Stengel

Ein Jahrhundertleben (I)

01.01.2022 17:45 Uhr

Neun Norddeutsche erzählen spannend und bewegend aus den rund 100 Jahren ihres Lebens. Ein Streifzug durch die deutsche Geschichte. mehr

Redaktionsleiter/in
Joachim Grimm
Leitung der Sendung
Thorsten Hapke
Produktionsleiter/in
Thomas Schmidt
Autor/in
Heike Schieder
Anne Gänsicke
Kathrin Klein
Ole Lerch
NDR Logo
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