Ein Jahrhundertleben

Samstag, 01. Januar 2022, 17:45 bis 18:30 Uhr
Montag, 03. Januar 2022, 01:00 bis 01:45 Uhr
Donnerstag, 06. Januar 2022, 08:15 bis 09:00 Uhr

Sie sind um die 100 Jahre alt und haben politische und gesellschaftliche Umbrüche in einer Anzahl und einem Ausmaß miterlebt, wie es für viele Menschen heute kaum vorstellbar ist: Hineingeboren in die Goldenen Zwanziger erlebten sie als Kinder die Weltwirtschaftskrise und die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Auf den Zweiten Weltkrieg folgte ein Leben geprägt durch Not und Neuanfang. Auf Jahrzehnte der deutschen Teilung schließlich die Wiedervereinigung. Und im Rentenalter haben technische Neuerungen, ungeahnte neue Krisen und die Umformung der weltpolitischen Ordnung ein Tempo aufgenommen, dem selbst junge Menschen nur schwer folgen können.

Die Dokumentation macht eine Zeitreise durch die deutsche Geschichte. Für die NDR Produktion sind neun Frauen und Männer aus Norddeutschland tief in ihre Erinnerungen eingetaucht, haben ihre Fotoalben geöffnet und erzählen spannend und bewegend aus den rund 100 Jahren ihres Lebens.

Irmgard Rosenkranz wurde am 21. Juni 1922 in Marienfließ im heutigen Polen geboren. © NDR
Irmgard Rosenkranz wurde am 21. Juni 1922 in Marienfließ im heutigen Polen geboren.

Irmgard Rosenkranz wurde am 21. Juni 1922 in Marienfließ im heutigen Polen geboren in die Familie Gans Edle Herren zu Putlitz. Zum Kriegsende konnte sie auf der Flucht nur ihren Taufbecher retten. Später in der DDR arbeitete sie unter anderem als landwirtschaftliche Berufsschullehrerin. Auf die Idee, "rüber zu machen", kam sie nie. Und obwohl sie dem märkischen Uradel entstammt, sagt sie: Eine feine Dame war ich nie! Sie interessierte sich eher für Landwirtschaft und Viehzucht. Heute, in ihrem 100. Lebensjahr, lebt Irmgard Rosenkranz noch immer in Garvsmühlen bei Rerik. Und das im Kreis ihrer Familie mit vier Generationen unter einem Dach.

Wilhelm Simonsohn wurde am 9. September 1919 in Hamburg-Altona geboren. © NDR
Wilhelm Simonsohn wurde am 9. September 1919 in Hamburg-Altona geboren.

Wilhelm Simonsohn wurde am 9. September 1919 in Hamburg- Altona geboren. Als er mit 15 Jahren in die Marine-Hitlerjugend kam, wurde er dort als "Judenlümmel" beschimpft. Erst dann erfuhr er, dass seine Eltern nicht seine leiblichen Eltern waren und sein Vater jüdischer Abstammung war, der das Dritte Reich nicht überlebte. Wilhelm Simonsohn wurde Kampfpilot, erlebte einen Abschuss über Belgien und überlebte den Krieg und die NS-Zeit. Bis vor zwei Jahren trat er noch regelmäßig als Zeitzeuge an Schulen auf und erzählte über sein wechselvolles Leben.

Irmgard Eiben aus Wilhelmshaven war bereits nahezu taub. Mit 94 Jahren hat sie sich ein Cochlea-Implantat setzen lassen und blüht seitdem regelrecht auf. © NDR
Die 94-jährige Irmgard Eiben hat sich ein Cochlea-Implantat setzen lassen und blüht seitdem regelrecht auf.

Irmgard Eiben aus Wilhelmshaven war bereits nahezu taub. Mit 94 Jahren hat sie sich ein Cochlea-Implantat setzen lassen und blüht seitdem regelrecht auf. Fährt, weil dadurch wieder verkehrstüchtig, mit einem Elektroroller, trifft ihre Freundinnen zum Klönen über Literatur, Sexualität und aktuelle Politik. Auf die Frage, inwieweit der Glaube helfen kann, im Leben und mit Blick auf das Lebensende meint sie: Es bleiben immer Fragen da, die man nicht beantworten kann, die nur der Glaube beantworten kann oder die Erfahrung. Das Leben bleibt bis zuletzt ein Auf und Ab. Die Geschichte von Irmgard Eiben ist die einer Frau, die ihr Leben nicht einfach ausklingen lässt, sondern noch einmal ganz neue Wege geht.

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02.01.2022 15:45 Uhr

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Redaktionsleiter/in
Joachim Grimm
Leitung der Sendung
Thorsten Hapke
Produktionsleiter/in
Thomas Schmidt
Autor/in
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Redaktion
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