Die Todespiloten

Das Leben der Attentäter von New York

Sonntag, 12. September 2021, 00:45 bis 01:30 Uhr

Mohammed Atta, Todespilot von New York und mutmaßlicher Kopf der Hamburger Terrorzelle, war schon vor dem Attentat am 11. September 2001 kurz im Visier der deutschen Fahnder. Bei Telefonüberwachungen gegen radikale Islamisten in Hamburg im Jahr 1999 schnitt das Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln mindestens ein Telefonat mit, in dem von einem "Mohammed" die Rede war. Ein Nachname wurde nicht genannt. Erst ein paar Jahre später, nach den Terroranschlägen 2001 in New York, wusste man, dass Atta gemeint war.

Das mitgeschnittene Gespräch, so die Ermittler im Rückblick, habe sich so harmlos angehört, dass man diese Spur nicht weiter verfolgte. Außerdem sei es damals nicht möglich gewesen, Atta zu identifizieren. Erst nach den Anschlägen von New York und Washington sei den Fahndern aufgegangen, dass sie damals dem Top-Terroristen schon auf der Spur waren, ohne es zu wissen.

Das al-Qaida-Netzwerkes in Hamburg

Die Telefonüberwachungen, so ergaben die Recherchen des NDR, richteten sich gegen mutmaßliche Unterstützer des al-Qaida-Netzwerkes in Hamburg. Auf diese Spur war der Verfassungsschutz schon 1998 gestoßen. Damals war Mamdouh Salim, der mutmaßliche Finanzchef Bin Ladens, in München verhaftet worden. In seiner Vernehmung hatte er Kontakte nach Hamburg offenbart, unter anderem zu dem syrischen Kaufmann Mamoun Darkazanli.

Auch im Visier anderer Geheimdienste

Die Hamburger Terrorpiloten waren auch anderen Geheimdiensten aufgefallen. So erhielt das FBI, wie der NDR weiter herausfand, entsprechende Informationen "befreundeter Geheimdienste". Diese kamen allerdings zu spät, nämlich erst nach dem 11. September 2001. Diesen Informationen zufolge war Mohammed Atta in der ersten Hälfte des Jahres 1999 in einem Ausbildungslager in Afghanistan. Auch ein zweiter Hamburger Terrorpilot, Marwan al-Shehhi, sei Ende desselben Jahres ins Land der Taliban gereist.

Wusste die Familie etwas?

Die gesamte Familie des Todespiloten Atta wurde offenbar zeitweise vom ägyptischen Geheimdienst beobachtet. Mohammed, das schien nun festzustehen, wollte bei seinen Aufenthalten in Kairo Kontakte zu militanten Islamisten knüpfen. Kurz vor dem Anschlag war ein Telefongespräch zwischen Atta und seinem Vater aufgezeichnet worden. Darin berichtete Mohammed Atta von seinem Aufenthalt in Afghanistan. Nach dem Massenmord von New York hatte der Vater bestritten, dass sein Sohn in den Terroranschlag vom 11. September 2001 verwickelt gewesen sei.

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