Als der Norden im Schnee versank

Freitag, 01. Januar 2021, 21:45 bis 22:00 Uhr

Norddeutschland erlebte zum Jahreswechsel 1978/1979 ein winterliches Drama von bis dahin unbekanntem Ausmaß. Menschen starben in ihren Autos, die im Schnee steckenblieben. Helfer*innen wurden von Panzern überrollt. Vieh verendete in den Ställen, weil kein Wasser und kein Futter da war.

Ausfall von Heizungen und Strom

Hunderte Dörfer blieben für Tage komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Das Leben der Norddeutschen wurde über Nacht lahmgelegt. Kühlschränke, elektrisches Licht, Elektroherde, Heizungen: nichts funktionierte mehr. Die Bundeswehr und die Nationale Volksarmee mussten in West und Ost ausrücken, um die Notversorgung zu sichern.

Dieses Ereignis ist im kollektiven Gedächtnis der Norddeutschen lebendig geblieben, auch gut vier Jahrzehnte nach dem Wetterchaos.

Etliche Todesopfer und Millionenschäden

Was war passiert? Im norddeutschen Schmuddelwetter gab es einen Temperatursturz um bis zu 30 Grad Celsius. Eine Warm-Kalt-Front schob sich vom Norden in den Süden, vom Westen in den Osten, über die innerdeutsche Grenze hinweg. Das hatte katastrophale Auswirkungen. Das Land versank im Schnee, 17 Todesopfer und Schäden in Höhe von 140 Millionen Mark gab es in der Bundesrepublik. Seitens der DDR gab es keine offiziellen Zahlen über entstandene Schäden, aber mindestens fünf Menschen starben auch dort. Die Wirtschaft hatte jahrzehntelang mit den Folgen des Winters 1978/1979 zu kämpfen.

Weitere Informationen
Freiwillige graben im Winter 1979 einen im Schnee stecken gebliebenen Zug aus. © NDR Foto: Dieter Wulff

Winter 78/79: Der Norden versinkt im Schnee

Extreme Schneefälle mit meterhohen Verwehungen und klirrende Kälte stürzen den Norden im Winter 1978/79 ins Chaos. mehr

Unermessliche Solidarität in der Bevölkerung

Doch nicht nur die großen und kleinen Katastrophen sind lebhaft in Erinnerung geblieben, sondern auch die unermessliche Hilfsbereitschaft und Solidarität in der Bevölkerung. Wer durch Eis und Schnee in Not geraten war, bekam Hilfe von seinen Mitmenschen: ein Obdach, Lebensmittel, warme Kleidung, Decken.

Die dramatischen Bilder aus den 1970er-Jahren werden in diesem Film mit persönlichen Geschichten und Aufnahmen von Hobbyfilmern verstärkt. Darin sind auch die Menschen wieder zu sehen, über die damals im Fernsehen berichtet worden ist. Aber auch jene, deren persönliches Drama nur eine Randnotiz in der Lokalpresse war oder die nur mit Erfindungsreichtum eine Katastrophe abwenden konnten. Und die Autoren gehen auch der Frage nach, wie der Schneewinter ihr Leben geprägt und verändert hat.

Weitere Informationen
Der völlig verschneite Ortseingang von Seedorf auf Rügen im Winter 1979. © NDR Foto: Gerd Weinhardt

Der Schneewinter 1978/79: Zeitzeugen erinnern sich

Der Winter 1978/79 hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der Norddeutschen eingebrannt. Was erlebten die Menschen damals? Stimmen von Zeitzeugen. mehr

Bettina Hoge als Einjährige in einem NVA-Hubschrauber. © NDR

Rügen 1979: Notfall-Geburt im Schneesturm

Während der Schneekatastrophe 1978/79 liegt Rotraud Hoge auf Rügen in den Wehen. Es gibt Komplikationen. Eine abenteuerliche Reise beginnt, um Mutter und Baby zu retten. mehr

Autor/in
Sven Jaax
Regie
Sven Jaax
Autor/in
Susanne Brahms
Henning Orth
David Pilgrim
Vera Vester
Redaktion
Christoph Mestmacher
Katrin Glenz
Michaela Herold
Birgit Müller
Susanne Wachhaus
Produktionsleiter/in
Bettina Wieselhuber
Sprecher/in
Volker Lechtenbrink

JETZT IM NDR FERNSEHEN

Visite 00:35 bis 01:35 Uhr