die nordreportage: 62 Nasen im Jagdfieber

Montag, 28. November 2016, 18:15 bis 18:45 Uhr

Vier Hunde schauen durch ein Gitter.

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Eigentlich sind 62 Hunde wirklich genug für einen einzelnen Menschen. Heiko Lindners Meute ist aber nicht nur durch den jüngsten Wurf auf 73 Mitglieder angewachsen. Nein, zu allem Überfluss hat Welpenmutter Greta einen Milchstau und säugt nicht. Also muss Lindner neben seiner eigentlichen Arbeit fünf Stunden täglich damit verbringen, die Kleinen mit der Flasche aufzupäppeln.

Heiko Lindner ist der hauptberufliche Huntsman des Hamburger Schleppjagd-Vereins. Seine 62 ausgewachsenen Meutehunde sind bis zu vierzig Kilogramm schwere Foxhounds. Und jeder einzelne ist für ihn ein Familienmitglied.

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Die Welpen im Alter von zwei Monaten.

Gleichzeitig ist er aber auch ihr Chef, hat sie vom Welpenalter an auf den Geruch der "Schleppe" geschult. Seine Meute führt mit der Nase bei Schleppjagden das Feld der Reiter nach alter, englischer Tradition an. Ohne Heiko Lindner und seine Meute würde der Club nicht funktionieren.

Ein großes Ereignis steht an

Im November veranstaltet der Hamburger Schleppjagd-Verein die größte deutsche Schleppjagd im niedersächsischen Sudermühlen. Mehr als 100 Reiter starten über die etwa 20 Kilometer lange Strecke, bei der so manches Naturhindernis genommen werden muss. Die Hunde sind schon vor dem Start in heller Aufregung. Heiko Lindner übergibt dann das Kommando an den "Master" Jens Möllering, der die Jagd leitet. Die Hunde sind so gut geschult, dass ihr Huntsman das Kommando sogar an ein kleines Mädchen abgeben könnte.

Jadt nach dem künstlichen Köder

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Die Meute in Luhmühlen.

Am Ende der Jagd hat die Meute von Heiko Lindner die Schleppe bis zum Ziel verfolgt. Im Gegensatz zu früher werden keine echten Tiere mehr gehetzt, sondern ein künstlicher Köder. Die Hunde stürzen sich auf dem Halali-Platz auf einen übel riechenden Rinderpansen zur Belohnung. Die Reiter bekommen nach alter Tradition und Etikette einen Tannenzweig. Dazu gehört auch warmer Whisky und Erbsensuppe am Lagerfeuer.

Die Reportage über den Hamburger Schleppjagd-Verein ist eine Geschichte über alte Traditionen und Etikette, über Tierliebe und -erziehung sowie nicht zuletzt über Sport und Gemeinschaft.

Redaktion
Birgit Schanzen
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Autor/in
Sebastian Rieck