Weltreisen

Nordirland sucht sein Glück

Samstag, 07. November 2020, 12:45 bis 13:15 Uhr

Für Nordirland werden die nächsten Monate zur Zerreißprobe! Halb EU, halb Vereinigtes Königreich. Den Spagat halten manche für eine extreme Herausforderung, andere für eine großartige Chance. Wohin führt die neue Zerrissenheit das Land, das schon immer um Frieden, Stabilität und wirtschaftlichen Erfolg ringt? Denn die neue Situation könnte auch die Frage nach der Identität Nordirlands wieder befeuern.

Nordirland - friedlich grün und heiß umstritten. © NDR/Sven Lohmann
Nordirland - friedlich grün und heiß umstritten.

Auf der irischen Insel gibt es keine Grenze. Zwischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland läuft der Austausch schrankenlos. Reisefreiheit, Handel, gemeinsames Stromnetzwerk. Und das bleibt auch so, trotz Brexit, um den mühsam errungenen Frieden auf der Insel und das Karfreitagsabkommen nicht zu gefährden.

Eine Zollgrenze mitten im Vereinigten Königreich

Nordirland bleibt dafür faktisch im EU-Binnenmarkt. Die Grenze zur EU verläuft offiziell in der irischen See. Und das treibt die Hafenbetreiber und Spediteure wie in Belfast zur Verzweiflung. Denn es wird eine Grenze geben, die künftig mitten im Vereinigten Königreich, zwischen Nordirland und Großbritannien, verläuft. Nun brauchen sie im Hafen eine Zollabfertigung und Kontrollen für Waren, die nach Nordirland kommen. Spediteure müssen die Papierarbeit erledigen, obwohl sie sich faktisch im Inland befinden. Es ist in etwa so, als würde es in Deutschland eine Zollgrenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg geben.

Die Wirtschaft muss sich neu orientieren

Nordirische Firmen wie Lebensmittelhersteller oder Technikproduzenten rätseln, was die Barrieren für Geschäft und Wohlstand des Landes bedeuten. Viele beziehen ihre Rohmaterialien aus Großbritannien. Und das wird zukünftig teuer, sollten Abgaben fällig werden. Andere wiederum, wie ein Sportartikelhersteller aus Belfast, freuen sich über die Möglichkeit, trotz Brexit, weiterhin eng mit Irland und dem Rest der EU Geschäfte machen zu können. Die Wirtschaft muss sich neu orientieren und fürchtet, sich entscheiden zu müssen. Handel mit der EU oder mit Großbritannien.

Sonderzone Nordirland - ein politisches Thema

Charlie Clark (17) möchte von den Konflikten im Land nichts wissen und sein Leben leben. Er hat protestantische und katholische Freunde und sieht keine Unterschiede. © NDR/Sven Lohmann
Charlie Clark (17) möchte von den Konflikten im Land nichts wissen und sein Leben leben.

Und damit wird die Sonderzone Nordirland auch zu einem politischen Thema. Treibt sie einen Keil zwischen Nordirland und Großbritannien, während die Beziehungen zu Irland attraktiver zu werden scheinen? Längst schäumen daher die Unionisten im Land, die Nordirland als Teil des Vereinigten Königreichs sehen und eine wirtschaftliche Grenze strikt ablehnen. Während die Republikaner an eine nicht aufzuhaltende Dynamik glauben, die in der ersehnten Wiedervereinigung Irlands endet.

Wieder geht es um die Identität Nordirlands. Was macht der neue Status mit den Hafenarbeitern, den Farmern? Und wie wirkt er sich auf die Menschen in Belfast und Londonderry aus, die bis an hohen Mauern leben, die Unionisten und Republikaner trennen?

Redaktion
Christine Hasper
Redaktionsleiter/in
Clas Oliver Richter
Produktionsleiter/in
Oliver Gebhard
Autor/in
Sven Lohmann
Regie
Sven Lohmann