Sendedatum: 04.05.2017 07:38 Uhr

Schwimmen mit Flüchtlingen

von Sarah-Marie Frerichmann

 

Jugendliche tauchen um Schwimmbecken. © Heino Rahmstorf

Schwimmen mit Flüchtlingen

Ängste abbauen und Selbstvertrauen aufbauen - Dank der Initiative vom Courage e.V. wird Flüchtlingen in Neu Wulmstorf das Schwimmen beigebracht.

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Ängste abbauen und Selbstvertrauen aufbauen - Dank eines Projektes vom Courage e.V. wird Flüchtlingen in Neu Wulmstorf das Schwimmen beigebracht. Die Idee dazu kam dem lizenzierten Tauchsporttrainer Heino Rahmstorf, als dieser 2015 in einem Schwimmbad augenscheinlichen Flüchtlingen beim Schwimmen zusah. Sie konnten sich kaum über Wasser halten und waren sichtbar unsicher. Außerdem hatte es schon einige Badeunfälle mit Flüchtlingen gegeben. Er fragte zunächst den Bademeister, ob und wie es möglich wäre, Schwimmunterricht für Flüchtlinge zu geben.

Eine Idee entsteht

Daraufhin trat er mit seiner Idee an Thomas Grambow, stellvertretenden Bürgermeister und zweiter Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Neuwulmstorf heran. Gemeinsam konnten sie den Schwimmunterricht auf die Beine stellen. Seit März 2016 treffen sich nun regelmäßig wöchentlich Flüchtlinge, um Schwimmen zu lernen. Zusammen mit Heino Rahmstorfs Tochter Elaine und Tauchsportpartner Thomes Bartens sowie Marc Swoboda, Sportmanager des SG Stern, bringen sie den Flüchtlingen nicht nur das Schwimmen bei. Schon längst ist aus dem Schwimmkurs mehr geworden. Die Teilnehmer sind zu einer Familie zusammen gewachsen und sie eint die beeindruckenden Hilfestellungen untereinander. "Das Vertrauen zu den Betreuern ist hierbei das Wichtigste", betont Heino Rahmstorf.

Mehrere Menschen sind in einem Schwimmbecken in einem Schwimmbad. © NDR Foto: Jonas Schreijäg

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Akzeptanz und Respekt unter einander

Die unterschiedlichen Kulturen der Herkunftsländer, zum Beispiel Afghanen, Sudanesen, Syrer, Iraker und Pakistanis, sind auch für das Betreuerteam lehrreich. Für die Teilnehmer an dem Projekt soll die Frage von Religion, Kultur, beruflicher Herkunft oder Alter keine Rolle spielen. Die Akzeptanz von Frauen als Respektpersonen ist selbstverständlich.

Ängste überwinden

Es ist eine besondere Herausforderung für die verschiedenen Menschen, die zu dem Unterricht zusammen kommen. Aufgrund ihrer traumatischen Erlebnisse während der Flucht, haben sie Angst vor Wasser. Sie bestiegen als Nichtschwimmer überfüllte Boote, die oft kenterten. Viele von ihnen wären auf offener See fast ertrunken. Von Haus aus, haben sie keinerlei Erfahrung mit tiefen Wasser sammeln können und kennen höchstens die Badewanne. Heute sind sie stolz, die Angst vor dem Wasser überwunden zu haben und ganz selbstverständlich im Nass tauchen und planschen zu können. Dank Heino Rahmstorf haben sie ein neues Selbstbewusstsein erlangt.

Mehr als "nur" Schwimmunterricht

Teil der Familie

An dem Projekt haben bereits 150 Flüchtlinge teilgenommen, mittlerweile sind auch geflüchtete Frauen mit dabei. Wer dann Schwimmen gelernt hat, kehrt der Gruppe aber nicht einfach den Rücken. "Ganz im Gegenteil! Die Spanne selbst reicht von der Schwimmfertigkeit über den Erwerb von Schwimmabzeichen bis hin zu der bisher ersten Tauchausbildung eines eingangs Nichtschwimmers," so Heino Rahmstorf. Die Teilnehmer sind keine fest gesetzte Gruppe. Jeder kann teilnehmen, wie es ihm möglich ist. Die Gruppe ist gemischt von Schwimmanfängern bis hin zum Silberabzeichen-Trägern, von sechs bis 50 Jahre. Einige sind sogar schon seit mehr als zwei Jahren dabei. Dies spiegelt wieder, welche Bedeutung die Gruppe für jeden Einzelnen hat.

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Dieses Thema im Programm:

04.05.2017 | 07:38 Uhr

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