After Corona Club

Mit Anja Reschke und Ulrike Schmidt

Samstag, 25. April 2020, 01:00 bis 01:15 Uhr

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Kann die Corona-Krise traumatisierend sein? Für diejenigen, die miterleben müssen, dass ihnen nahestehende Menschen schwer erkranken und auf die Intensivstation kommen, ist das natürlich verstörend. Aber auch nur von der Krise zu hören und zu lesen, belastet viele Menschen. Besonders Patienten mit psychischen Vorerkrankungen leiden teilweise unter massiven Ängsten. Doch ein "kollektives Trauma" drohe uns nicht, glaubt Ulrike Schmidt, Leiterin der Trauma-Ambulanz Göttingen und stellvertretende Direktorin der psychiatrischen Universitätsklinik in Bonn.

"Es entspannt, dass jeder davon betroffen ist und man das Gefühl hat, nicht mit diesen Problemen alleine dazustehen", sagt Ulrike Schmidt. Die Corona-Krise habe bei allem Schrecken auch positive Eigenschaften: Der Zusammenhalt in der Gesellschaft fördere aus psychologisch-psychiatrischer Sicht auch die Bewältigung der Krise.

Das Gespräch als Podcast
16:14
NDR Info

Soziale Kontakte sind in der Krise das wichtigste

NDR Info

Hinterlässt die Corona-Pandemie ein "kollektives Trauma" oder gehen wir gestärkt aus der Krise? Trauma-Spezialistin Ulrike Schmidt erforscht, was die Krise mit unserer Psyche macht. Audio (16:14 min)

Wer kommt am besten durch die Corona-Krise?

Um gut durch die Krise zu kommen, seien soziale Kontakte das wichtigste, sagt die Trauma-Expertin. "Am schwersten haben es Menschen, die alleinstehend sind." Besser durch die Krise kommen auch die Menschen, die eine Aufgabe haben. "Das muss nicht unbedingt die Arbeit sein. Das kann auch sein, dass man sich um seine Kinder oder sich pflegend um Angehörige kümmert."

Angst ist überlebenswichtig, sie schützt uns und lässt uns vorsichtig sein. "Es gibt aber auch die krankhaften Ängste", so Schmidt. Diese könnten so aussehen, dass Menschen zu Hause fast verhungern, "weil sie sich nicht mehr trauen, Essen zu bestellen oder rauszugehen".

Studie zu Auswirkungen der Corona-Krise

Ulrike Schmidt arbeitet derzeit an einer Studie, die untersucht, wie Menschen mit psychischen Vorerkrankungen auf die Corona-Krise reagieren. Sind Patienten, die schon Traumatisches erlebt haben, resilienter oder im Gegenteil viel empfindlicher? "Meine Hypothese ist, Menschen mit Vorerkrankung, mit traumatischen Vorerfahrungen stecken die Krise leichter weg", erklärt Ulrike Schmidt.

Persönlich ist sie optimistisch: "Ich habe eine kindliche Hoffnung, dass diese Zäsur unserer Gesellschaft gut tut."

After Corona Club: Gesprächsformat mit Anja Reschke

Ulrike Schmidt ist zu Gast im After Corona Club, in dem Anja Reschke mit Fachleuten aus Psychologie, Wirtschaft, Soziologie, Politik, Medizin und weiteren Wissenschaften spricht. Der Debattierklub über unsere Zukunft. Diskutieren Sie mit!

Übrigens: Den After Corona Club gibt es auch als Audio-Podcast.

Weitere Informationen

After Corona Club: Zu Gast bei Anja Reschke

Wie sieht unsere Gesellschaft nach Corona aus? Was gibt es für Prognosen, Visionen, aber auch Forderungen? Anja Reschke spricht mit Fachleuten aus den Wissenschaften. mehr

Redaktion
Christian Kossin
Moderation
Anja Reschke
Redaktionsleiter/in
Christoph Bungartz
Produktionsleiter/in
Katja Theile
Redaktion
Annette Plomin