Lebenswege

Drei Generationen Almanya

Mittwoch, 10. März 2021, 21:00 bis 21:45 Uhr
Donnerstag, 11. März 2021, 06:35 bis 07:20 Uhr

Selim und Müzeyyen Alkan kamen Anfang der 1970er-Jahre aus dem südostanatolischen Midyat als "Gastarbeiter" nach Kiel. Wie Tausende andere Einwanderer aus der Türkei wollten sie nur kurz in Deutschland arbeiten und dann wieder zurück in die Heimat.

Die Landeschefin der Schleswig-Holsteinischen SPD, Serpil Midyatli, ist die Tochter ehemaliger © NDR
Die Landeschefin der Schleswig-Holsteinischen SPD, Serpil Midyatli, ist die Tochter ehemaliger "Gastarbeiter".

Heute lebt Familie Alkan schon in der dritten Generation in Kiel. Sohn Kadir leitet den vom Vater eröffneten Hochzeitssaal und ein Restaurant, Tochter Serpil ist in die Politik gegangen und zur Landeschefin der SPD in Schleswig-Holstein aufgestiegen. Ein Erfolg, den sie sich hart erkämpfen musste, wie sie sagt, denn Bildungs- und Aufstiegschancen waren für Migrantenkinder ihrer Generation nicht selbstverständlich. Yunus und Emre, die ersten Enkelkinder von Selim und Müzeyyen, haben studiert und bewegen sich selbstverständlich zwischen den Kulturen. Sie haben das Gefühl, dass ihnen die Welt offensteht, dank der Anstrengungen ihrer Eltern und Großeltern.

Tufan Kiroglu engagiert sich seit Jahrzehnten für andere Zuwanderer. © NDR
Tufan Kiroglu engagiert sich seit Jahrzehnten für andere Zuwanderer.

Auch Familie Kiroglu lebt schon seit drei Generationen in Norddeutschland. Tufan Kiroglu kam 1971 als Studierender nach Neumünster. Seine vor vielen Jahren verstorbene erste Frau Sevim war schon hier, als Gastarbeiterin in einer Fabrik. Die beiden bekamen zwei Söhne, wurden hier heimisch. Tufan gründete einen der ersten deutsch-türkischen Vereine. Heute ist er Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Neumünster, wo er mit seiner zweiten Frau Nilgün Bildungsprojekte leitet. Für seine Verdienste in der Integrationsarbeit wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Bülent Kiroglu ist deutscher Beamter - fühlt sich aber wegen seiner Herkunft trotzdem oft ausgegrenzt. © NDR
Bülent Kiroglu ist deutscher Beamter - fühlt sich aber wegen seiner Herkunft trotzdem oft ausgegrenzt.

Tufans ältester Sohn Bülent ist Beamter in der Justizvollzugsanstalt, in seiner Freizeit geht er angeln und mit seinen Söhnen zum Fußballtraining. Ein ganz normales deutsches Leben. Doch für viele seiner Nachbarn und Kollegen werde er wohl immer "der Türke" bleiben, sagt Bülent. Für seine Söhne ist die Heimat ihrer Großeltern noch weiter weg als für den Vater.

Diese Dokumentation aus der Reihe "Lebenswege" porträtiert beide Familien. Sie taucht in ihre Geschichten ein und begleitet sie in ihrem Alltag. Wie prägt Migration Familien? Und wie haben die Zuwanderer aus der Türkei Norddeutschland verändert?

Autor/in
Yasemin Ergin
Regie
Yasemin Ergin
Redaktion
Marc Brasse
Redaktionsleiter/in
Dirk Neuhoff
Produktionsleiter/in
Bettina Wieselhuber
NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/fernsehen/Lebenswege,sendung1132454.html