Mythos oder Masterplan?

Die wahre Geschichte des Marshall-Plans

Samstag, 16. Februar 2019, 12:00 bis 12:45 Uhr

Im Rahmen des Marshall-Plans werden im November 1948 geschmückte Eisenbahnwaggons an die die Deutsche Reichsbahn geliefert. © picture alliance/akg-images Foto: akg-images

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Der Marshall-Plan war die Initialzündung des westdeutschen Wirtschaftswunders, so haben es alle in der Schule gelernt. Ob Griechenlandkrise, Nahostkonflikt oder Hungersnot in Afrika, immer ist schnell die Rede davon, dass ein Marshall-Plan notwendig sei. Gut 70 Jahre nach seiner Erfindung scheint das legendäre Konjunkturprogramm das Musterbeispiel für effiziente Wirtschaftshilfe. Doch stimmt das wirklich?

Eine Rede macht Geschichte

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Werbematerialien für den Marshall-Plan.

Am 5. Juni 1947 schreibt eine Rede Geschichte: US-Außenminister George C. Marshall präsentiert an der Universität Harvard Pläne zur Sanierung der europäischen Wirtschaft. Angesichts der katastrophalen Umstände, so führt er aus, sei es den europäischen Staaten nicht möglich, selbstständig wieder auf die Beine zu kommen. Er sei davon überzeugt, dass der Aufbau eines demokratischen und friedlichen Europas nicht ohne Wirtschaftshilfe gelingen würde. Die USA haben ein großes Interesse an einer stabilen politischen Lage in Europa. Außerdem zielen sie auf den Aufbau zuverlässiger Handelspartnerschaften, Exporte sollen die US-Wirtschaft stützen.

Zehn Monate nach der historischen Rede beschließt der US-Kongress das European Recovery Program (ERP), bekannt als Marshall-Plan. 14 Milliarden US-Dollar fließen nach offiziellen Angaben bis 1953 an insgesamt 16 westeuropäische Länder, in Form von Krediten, Sach- und Lebensmittelhilfen.

Was steckt wirklich hinter der Geschichte des Hilfsprogramms?

Die rasante wirtschaftliche Genesung der jungen Bundesrepublik scheint zu belegen, dass der Marshall-Plan wahre Wunder wirkte. Dabei sind es ganz andere Faktoren, die damals greifen. Der Bielefelder Historiker Werner Abelshauser hat in US-Archiven die wirkliche Geschichte des Hilfsprogramms enthüllt, tatsächlich fließt nicht ein Dollar nach Deutschland. Der Marshall-Plan ist in erster Linie ein Konjunkturprogramm für die lahmende US-Landwirtschaft, flankiert von einer der größten PR-Kampagnen der Geschichte. Die deutsche Wirtschaft wiederum ist viel weniger zerstört, als man heute glaubt. Im Grunde bezahlen die Deutschen ihren Wiederaufbau selbst.

Zeit für eine kritische Bilanz

Zeitzeugen wie der ehemalige SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel oder die frühere Hamburger Justizsenatorin Lore Peschel-Gutzeit schildern ihre persönlichen Erinnerungen an die Stunde Null und die Marshall-Plan-Jahre. Schriftstellerin Judith Kerr erzählt, wie anders die Entwicklung in Großbritannien war, das viel mehr Hilfen bekommt und dennoch kein Wirtschaftswunder erlebt.

Sieben Jahrzehnte später ist es Zeit für eine kritische Bilanz. Dieser Film blickt hinter die Fassade des European Recovery Program und erzählt die wahre Geschichte des Projekts: Warum der Marshall-Plan wirtschaftlich gar nicht so wertvoll war und dennoch ein Meilenstein, dessen Wirkung Deutschland bis heute prägt.

Weitere Informationen
01:53
NDR Info

Was war der Marshall-Plan?

10.02.2012 07:41 Uhr
NDR Info

Der Marshall-Plan"war ein US-Hilfsprogramm, das den wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg unterstützen sollte. Audio (01:53 min)

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Redaktion
Marc Brasse
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg
Autor/in
Katarina Schickling
Regie
Katarina Schickling