Weltbilder

Cowboys und Indianer – Leben am Limit

Dienstag, 29. November 2022, 23:40 bis 00:10 Uhr
Donnerstag, 01. Dezember 2022, 01:45 bis 02:15 Uhr

Irene Bennalley lebt in New Mexico und gehört zum Stamm der Navajo. Schafe zählen dort quasi zur Familie. Die Navajo glauben, dass die Schafe direkt von den Heiligen ihres Stammes kommen. Irene Bennalley wohnte viele Jahre in der Stadt, außerhalb des Reservats. Aber als ihr Vater Hilfe brauchte, kam sie zurück und übernahm nach seinem Tod die Schafzucht. Ihre Schafe gehören zur Rasse der Churros, sind besonders widerstandsfähig. Doch selbst die Churros fanden in den vergangenen Dürrejahren im Südwesten der USA nicht mehr genug Futter. Deshalb gibt es seit einiger Zeit ein Projekt, das den Zukauf von Heu unterstützt. Doch viele Navajo sind zu arm, um sich das leisten zu können.

Das Leben im Navajo-Reservat ist hart. Auch ohne Dürre. Trotzdem liebt Irene Bennalley die Ruhe, wenn sie mit ihren Tieren im Sommer in die Berge zieht. © NDR/Audrey Stimson
Das Leben im Navajo-Reservat ist hart. Auch ohne Dürre. Trotzdem liebt Irene Bennalley die Ruhe, wenn sie mit ihren Tieren im Sommer in die Berge zieht.

Ranche Stanton Gleave liefert regelmäßig Heu an die Navajo. Seine Söhne fahren dazu zweimal die Woche vier Stunden von Utah nach Arizona. 16 Dollar pro Heuballen nehmen sie, weniger als andere Anbieter. Aber für die Gleaves, gläubige Mormonen, trotzdem genug, um noch ein gutes Geschäft zu machen. Doch auch die Rancherfamilie hat in den letzten Jahren sehr unter der Dürre gelitten. Stantons Söhne liefern gerade das letzte Heu aus. Zum Glück hat es im Winter wieder geregnet.

Aufgeben kommt nicht infrage

Stanton und Irene leben mit und von der Natur und versuchen, sich ihr anzupassen so gut es geht. Die Gleaves mussten viele ihrer Rinder, die normalerweise immer draußen sind, auf den Hof holen, um sie durchzufüttern. Nach der jahrelangen Dürre gab es nicht mehr genug Futter. Andere Rancher haben aufgegeben. Das aber kommt für Stanton Gleave nicht infrage. Er ist Rancher mit Leib und Seele, genau wie seine vier Söhne. Gemeinsam haben sie Anfang April das Vieh wieder auf die Weiden gebracht. Drei Stunden Autofahrt vom Hof entfernt. Und dann geht es noch aufs Pferd, denn die letzten Meilen gibt es keine Straßen. Wie Cowboys im 19. Jahrhundert treiben sie die Rinder in den Canyon, wo sie für den Rest des Jahres bleiben. Für Stanton war das immer das Schönste am Rancherleben. Auf dem Pferd draußen in der Natur zu sein.

Auch Irene liebt ihre Zeit mit den Schafen auf der Sommerweide in den Bergen. Doch mit Romantik hat das auch bei ihr wenig zu tun. Es ist harte Arbeit. Während Irene sich einschränken muss und vor allem mit dem Weben traditioneller Navajoteppiche noch zusätzlich Geld verdient, hat Stanton Gleave seine Ranch in den letzten Jahren stetig erweitert. Beide wollen die Tradition am Leben erhalten und dass ihr uramerikanischer Way of Life respektiert wird. Doch beide stoßen immer wieder an Grenzen, die ihnen die Behörden setzen. Aber ein anderes Leben können und wollen sich weder Irene noch Stanton vorstellen. Egal, wie sehr sich die Welt um sie herum verändert, sie halten an ihrem Weg fest.

Redaktion
Christine Hasper
Redaktionsleiter/in
Clas Oliver Richter
Produktionsleiter/in
Cornelia Deider
Regie
Claudia Buckenmaier
Autor/in
Claudia Buckenmaier