After Corona Club

Mit Anja Reschke und Sebastian Fiedler

Donnerstag, 23. April 2020, 23:50 bis 00:05 Uhr

Die Polizei sieht sich in diesen Zeiten besonderen Belastungen ausgesetzt. Zum einen, so Sebastian Fiedler, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, muss sie, wie viele andere Bereiche, die Organisation ihres Dienstbetriebs "komplett über den Haufen werfen". Zum anderen müssen die Beamten mit teilweise unklaren Vorgaben aus der Politik tagtäglich ungewohnte Entscheidungen treffen. Wer darf sich wo aufhalten? Wer muss in die Schranken gewiesen werden? Da ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Steigender Rückhalt für die Polizei

Fiedler betont, er habe "nicht wirklich eine Kritik aus der Bevölkerung gehört, dass die Polizei bei ihrem Einschreiten kritisiert würde. Das spricht dafür, dass der Rückhalt eher steigt als sinkt". Die Polizei ist präsenter auf unseren Straßen, aber angesichts der Corona-Krise haben die Deutschen dafür Verständnis. Sebastian Fiedler hofft, dass diese positiven Erfahrungen zwischen Beamten und Bevölkerung auch nach der Pandemie fortwirken: mit einem besseren Verständnis für die Rolle der Polizei und einem stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Was die Verbrechen angeht, macht Fiedler sich allerdings keine Illusionen. Es sind zwar schlechte Zeiten für Einbrecher - die Leute sind alle zu Hause. Und Handtaschenraub ist kaum möglich, wenn die Innenstädte fast leer sind. Die sichtbare Kriminalität geht in diesen Tagen deutlich zurück. Aber die unsichtbaren Verbrechen nehmen wohl eher zu: "Wir haben jetzt viele Leute, die dringend auf Geld angewiesen sind. Und auf der anderen Seite haben wir Leute, die aus Straftaten über Massen an Geld verfügen." Das sei eine ideale Situation für die Mafia.

Corona-Krise: Goldene Zeiten für Geldwäscher

Das Gespräch als Podcast
Nahaufnahme von Kopfhörern an einem Smartphone © colourbox Foto: showcake
19 Min

Corona-Krise: Mehr oder weniger Verbrechen?

Die sichtbare Kriminalität geht in der Krise zurück, sagt Sebastian Fiedler vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Aber die unsichtbare nimmt zweifellos zu: von Geldwäsche bis zu Cyberkriminalität. 19 Min

Kriminelle könnten Gastronomiebetrieben oder kleinere Firmen, die vor dem Aus stehen, "Geldspritzen" anbieten oder sie gleich ganz kaufen. Geldwäscher würden sich neue Nischen suchen. Auch die Cyberkriminalität nehme zu, sagt Fiedler. Und wenn Drogen nicht mehr auf der Straße angeboten werden, sollten die Fahnder sich mal um die Paketdienste kümmern, dort würden sie sicher fündig.

Auch die Tatsache, dass im Moment wenig von Terroristen die Rede ist, sollte man nicht falsch interpretieren: "Sie sind alle noch da." Extremisten aller Couleur würden sich über jede Schwächung der Gesellschaft freuen - manche sähen sich schon "dem Himmelreich näher, wenn diese Zivilisation hier untergeht". Die Sicherheitsbehörden, so Fiedler, "schauen da nach wie vor sehr präzise hin."

After Corona Club: Gesprächsformat mit Anja Reschke

Sebastian Fiedler ist zu Gast im After Corona Club, in dem Anja Reschke mit Fachleuten aus Psychologie, Wirtschaft, Soziologie, Politik, Medizin und weiteren Wissenschaften spricht. Der Debattierklub über unsere Zukunft. Diskutieren Sie mit!

Übrigens: Den After Corona Club gibt es auch als Audio-Podcast.

Weitere Informationen
After Corona Club mit Anja Reschke © NDR Foto: Berthold Fabricius

After Corona Club: Zu Gast bei Anja Reschke

Wie sieht unsere Gesellschaft nach Corona aus? Was gibt es für Prognosen, Visionen, aber auch Forderungen? Anja Reschke spricht mit Fachleuten aus den Wissenschaften. mehr

Redaktion
Christian Kossin
Moderation
Anja Reschke
Redaktionsleiter/in
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Produktionsleiter/in
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Redaktion
Annette Plomin